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Siebenköpfiges Interhelp-Team hilft in Nepal

„Geruch des Todes macht uns zu schaffen“ Siebenköpfiges Interhelp-Team hilft in Nepal

„Wir fahren über die wohl gefährlichsten Straßen der Welt zu Menschen, die seit dem 25. April auf medizinische Hilfe warten“, sagt Rettungssanitäter Ralf Hilles (49). Die siebenköpfige Medical Task Force von Interhelp und „mfs International“ ist seit 5 Uhr früh unterwegs.

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Eine Schule im Katastrophengebiet wird zum OP-Saal: Die Interhelp-Ärzte Dr. René Kornas und Deepu Wagle und die Sanitäter Ralf Hilles und Reinhold Klostermann operieren einen Überlebenden des Erdbebens.

Quelle: pr.

Landkreis/Bhaktapur (r). rüh unterwegs.
Fast vier Stunden dauert die Fahrt in das kleine Bergdorf Simli of Sindhupalahowk im Himalaya-Gebiet. Über schmale Schotterpisten und extrem steile Passstraßen geht es 2000 Meter hinauf. „Die Luft ist dünn hier oben. Wir können die Wolken riechen“, sagt der Hamelner Reinhold Klostermann (56), der die Task Force Nepal vor Ort leitet. Manchmal schafft der alte Kleinbus die Steigungen nicht – dann müssen alle schieben.
Im Dorf freut man sich über die Ankunft des heimischen Teams. Immer mit Rat und Tat dabei: Freiwillige aus Kathmandu und Bhaktapur, allesamt Mitglieder der Rotaract-Clubs Phulbari und Kalpona, der Jugendorganisation von Rotary International. „Sie arbeiten bis zur totalen Erschöpfung“, sagt der Hamelner Interhelp-Arzt Dr. René Kornas (52). Der Unfallchirurg hat viel zu tun. Er muss jede Menge Knochenbrüche schienen und Gliedmaßen eingipsen. Viele gebrochene Unterarme, Sprunggelenke und Hände müssen dringend versorgt werden. Seit dem Erdbeben sind die Helfer von Interhelp die ersten Retter, die in diesen abgelegenen Bergdörfern Opfer versorgen.
Ein Kind zeigt eine große klaffende Wunde am Finger vor. Dr. Kornas säubert die Wunde, greift dann zu Nadel und Faden. Eine Mutter bringt ihre fiebernde Tochter zum Notarztteam. Sie hat große Angst, dass ihre Tochter sterben wird.  Die Vierjährige hat eine schwere Lungenentzündung, doch ein Antibiotikum hilft ihr. Die Frau weint vor Freude. Den Ehrenamtlichen aus dem Weserbergland vertraut sie an, dass sie schon ein Kind verloren hat. Es habe auch eine Lungenentzündung gehabt. Für die teuren Medikamente fehlte der bettelarmen Familie das Geld.
Klostermann, der für Interhelp schon auf Sri Lanka, auf Sumatra und in Haiti im Einsatz war, stehen die Tränen in den Augen. „So etwas berührt dich“, sagt der Lehrrettungsassistent. Es sei schwer, das Leid der Opfer zu ertragen, meint Rettungsassistent Maximilian Fischer (21). Unter den Trümmern liegen immer noch viele Leichen. „Es ist wohl auch der süßliche Geruch des Todes, der uns zu schaffen macht.“ Die Helfer müssen immer mehr Menschen mit Durchfall-Erkrankungen behandeln. Viele Kinder sind darunter.
Am nächsten Tag im Bergdorf Jyamdi: Zwei Mütter bringen ihre Söhne zum Interhelp-Team, das in einer kleinen Schule seinen Behandlungsplatz aufgeschlagen hat. Die Jungen sind apathisch. Was um sie herum geschieht, bekommen sie nicht mit. Wenn sich der Verdacht bestätigt, dann leiden zwei Jungen an Cholera. „Die Symptome sind nach Meinung unserer Ärzte eindeutig: blutige Durchfälle, hohes Fieber, niedriger Blutdruck“, sagt Klostermann. „Dorfbewohner haben uns gesagt, dass sie aus Pfützen getrunken haben.“
Seit zwei Tagen geht es den Kindern sehr schlecht. Das Notarztteam behandelt sie. Infusionen sollen den Flüssigkeitsmangel ausgleichen und den Kreislauf stabilisieren. Die Task Force organisiert einen Pick-up. Auf der Ladefläche werden die Schwerkranken zum 65 Kilometer weit entfernten Dhulikhel Hospital gebracht. Es sind nicht die einzigen Patienten, die an diesem Tag von den sieben deutschen Helfern und den Freiwilligen der Rotaract Clubs behandelt werden. 253 Frauen, Männer und Kinder haben um Hilfe gebeten. „Wir haben wieder viele noch unversorgte Brüche an Händen, Armen und Beinen versorgt und fünf Operationen durchgeführt“, erzählt Kornas. Die Verletzungen der Dorfbewohner stammen von herabgefallenen Steinen oder Balken.
Bis nach Jyamdi zu kommen, ist abenteuerlich. Das Team fährt einen extrem steilen Pass hinauf. Manchmal steckt der Transporter fest. Dann müssen die Helfer aussteigen, um tiefe Schlaglöcher oder breite Furchen mit Steinen zu füllen.  Allein an einem Tag haben die Helfer 278 Patienten versorgt – in einer Höhe von 2400 Metern. Damit steigt die Zahl der von Interhelp und mfs in Nepal seit Montag behandelten Kranken und Verletzten auf 1295. „Es ist viel Arbeit, aber eine Arbeit, die sich lohnt“, meint der Unfallchirurg Kornas. Die Krankenhäuser seien hoffnungslos überfüllt, nur die schwersten Fälle könnten dort zurzeit behandelt werden.
In Nepal geraten derweil immer mehr Menschen in Lebensgefahr, weil ihre Medikamente bei dem Erdbeben verloren gegangen sind. Wer an Diabetes leidet und kein Insulin mehr hat, kann schnell in eine bedrohliche Situation kommen. Das gilt auch für Asthma-Patienten, die ein Spray angewiesen sind. „Unsere Helfer improvisieren“, sagt Interhelp-Vorsitzender Ulrich Behmann, der den Einsatz im Himalaya-Gebiet von Hameln aus koordiniert und zu den Rettern vor Ort Kontakt hält. r
 ++ Informationen über die Hilfsorganisation und Möglichkeiten zu spenden stehen im Internet unter www.interhelp.info .

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