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Sitzen bleibt sie zum Lesen

Sophie Mensching im Porträt Sitzen bleibt sie zum Lesen

In unserer Serie „40 Jahre – 40 Köpfe“ lassen wir Menschen zu Wort kommen, die uns in dieser Zeit auf die eine oder andere Weise begleitet haben. Heute geht es um die Gästeführerin Sophie Mensching.

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 So fängt der Tag an: Sophie Mensching studiert zum Morgenkaffee die Schaumburger Nachrichten.

Quelle: sk

Landkreis. Sie hat ein fundiertes Buch über die Schaumburger Tracht geschrieben, hat diese traditionelle Kleidung Schaumburgern und Gästen nahegebracht und sie sogar nach New York begleitet. Als Gästeführerin stellt Sophie Mensching zudem seit fast 20 Jahren Besuchern das Schaumburger Land vor. Mit dieser Tätigkeit hat alles begonnen.

 Mensching stammt aus Rehren, hat in der landwirtschaftlichen Hauswirtschaft gelernt, nach Ottensen geheiratet, drei Kinder geboren und war 25 Jahre als Postzustellerin tätig. Der Kontakt mit den Menschen gefiel ihr: „Es war eine superschöne Zeit.“

 Wissen- und Tatendrang ließen Mensching 1995, damals 57 Jahre alt, eine Chance ergreifen: Plätze waren frei in der Ausbildung zur Gästeführerin, initiiert vom Kreislandfrauenverband. Infolgedessen war Sophie Mensching im März 1996 zum ersten Mal in der Zeitung abgebildet, gemeinsam mit weiteren Frauen, die die Prüfung zur Gästeführerin ablegten.

 Das Lesen der SN gehörte aber zu diesem Zeiptunkt bereits zum geliebten täglichen Ritual, und so ist es geblieben. Morgens um sieben, noch bevor Ehemann Willi zum gemeinsamen Frühstück in die Küche kommt, sitzt Sophie Mensching vor den aufgeschlagenen Schaumburger Nachrichten am Tisch – konzentriert lesend und mit der rechten Hand nach der Kaffeetasse tastend. Ein Bild, das Willi Mensching regelmäßig amüsiert.

 Im zweiten Kurs für Gästeführerinnen nahte Sophie Menschings ganz spezielles Thema: Mit Kursteilnehmerin Friederike Kästing, einer ehemaligen Verlagslektorin, stellte sie fest, dass es kaum Literatur über die Schaumburger Tracht gab. Mensching zögerte, aber Kästing meinte: „Sie haben das Wissen – ich mache das Buch.“ Gesagt, getan. Um ein Sponsoring für den hochwertigen Band „Rote Röcke – Trachten und Brauchtum im Schaumburger Land“ zu erhalten, musste allerdings ein Verein als Herausgeber gegründet werden. Frauen aus Ottensen, die sich bereits seit Jahren für Dorf und Brauchtum einsetzten, gründeten darum 1999 mit Sophie Mensching „Dae Aalester Maikens e.V.“.

 Etwas tun für die heimische Kultur, das ist Menschings „Ding“. Ihr Wahlspruch: „Nich sitten bleieben unn luern datt watt passeiert, upstaehn unn sülms watt in Gang bringen.“ (Nicht sitzen bleiben und lauern, dass was passiert, aufstehen und selbst was in Gang bringen.)

 Als sich die Ehefrau des ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog, Christiane Herzog, einmal ähnlich im Fernsehen äußerte, dachte Mensching: „Die Frau gefällt mir“, und schrieb ihr einen Brief. Ein Schriftwechsel führte 1999 zu einer Einladung der Ottenser Trachtenfrauen in das Schloss Bellevue.

 Fünf Jahre später fuhren die Aalester Maikens zur Steuben-Parade nach New York, wo Mensching mit dem stellvertretenden Bürgermeister sprach. Apropos Amerika: Aus den USA erreichen Mensching oft Mails. Für Nachfahren Schaumburger Auswanderer recherchiert die Ottenserin in Kirchenbüchern nach der Herkunft der Auswandererfamilien.

 Und vieles mehr geht auf das „Konto“ von Sophie Mensching: Sie rief unter anderem die Aktion „Offene Pforte“ mit ins Leben und tüftelte Radtouren durch Schaumburg aus. Im eigenen Garten empfängt Mensching in den Sommermonaten Vereine, die sich angekündigt haben, bewirtet die Gäste mit Kaffee und Kuchen – und stellt die Schaumburger Tracht vor. sk

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