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Aus dem Landkreis Sofasport mit Selbstdisziplin
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Sofasport mit Selbstdisziplin
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00:27 17.03.2018
Ob Yogahaltungen oder Balancespiele, Muskelaufbau- oder Aerobicübungen: Fitnessspiele für Konsolen wie „WiiFit Plus“ für die Nintendo Wii sind erstaunlich umfangreich – und schweißtreibend. Quelle: tro
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Im Internet wollen Fitnessportale wie Wikifit.de, Fitness.com oder Fin.de Heimsportler mit passenden Anleitungen und Videos zum Schwitzen bringen.
Wer sich bei den Seiten ein Profil anlegt, kann sich aus den verschiedenen Übungen ein eigenes Trainingsprogramm zusammenstellen und absolvierte Einheiten protokollieren. Übungsprogramme und Trainingsziele stehen aber auch bei besagten Fitnessspielen für Konsolen im Mittelpunkt. Für die Bewegungssteuerung Move der Playstation 3 gibt es zum Beispiel „Mein Fitness-Coach Club“ von Ubisoft oder das von Sony entwickelte „Move Fitness“.

Besitzer des Kinect-Sensors für die Xbox 360 können unter anderem mit „Your Shape Evolved“ von Ubisoft trainieren. Auf Nintendos Wii gibt es zum Beispiel „Wii Fit Plus“ im Paket mit einem sogenannten Balance Board, das Gewichtsverlagerungen erkennt und auch als Waage funktioniert.
Die Fitnessspiele sind in der Regel etwas günstiger als normale Konsolentitel und kosten meist zwischen 30 und 40 Euro. Für diesen Preis kann man je nach Anbieter und Tarif gerade einmal zwei Monate ins Studio gehen. Bei den Internetportalen ist die Mitgliedschaft in der Regel sogar kostenlos. „Für viele ist es ein Vorteil, das Training jederzeit privat und nicht öffentlich im Fitnessstudio machen zu können“, erklärt Prof. Klaus Völker, Leiter des Instituts für Sportmedizin der Universität Münster. „Wenn die Übungen regelmäßig gemacht werden, können sie durchaus einen positiven Effekt haben.“

Abstriche machen

Allerdings müssen Heimsportler ein paar Abstriche machen, sagt Völker: „Ein großes Problem ist immer die Individualisierung.“ Denn egal, ob Fitnessportal im Netz oder Spiel auf der Konsole – Nutzer arbeiten immer ein Programm ab, das sich jemand anderes ausgedacht hat. Passt das nicht genau zu den eigenen Voraussetzungen, kann es schnell unter- oder überfordern.

Auch für Ausdauertraining sind Fitnessprogramme eher ungeeignet: „Auf der Stelle zu laufen, ist längst nicht so effektiv wie richtiges Joggen draußen oder in der Halle“, erklärt Völker. Und bei dauerhafter Benutzung seien viele Nutzer von den ständigen Erläuterungen mancher Spiele genervt.
Im halbstündigen Selbstversuch mit „WiiFit Plus“ fallen diese Punkte aber nicht negativ auf. Im Gegenteil: Was das Spiel anbietet, ist erstaunlich umfangreich. Muskelaufbauübungen, Yogahaltungen, Balancespiele, Aerobicübungen – insgesamt sind es 63 Angebote aus den unterschiedlichsten Bereichen, die hier auf und vor dem TV-Bildschirm zusammengeführt werden. Und diese Übungen sind viel anstrengender als gedacht. So hat das Konsolen-Alternativprogramm durchaus seine Daseinsberechtigung und funktioniert ziemlich gut – Sport an der frischen Luft kann es aber nur schwer ersetzen.

Begeisterung oft schnell im Keller

Das Grundproblem bei Konsolen- und Internetfitness ist ohnehin ein anderes: „Nach einem anfänglichen Hype geht die Begeisterung oft schnell in den Keller“, erklärt Völker. Ohne Selbstdisziplin geht auch hier nicht viel. Die gesundheitlichen Gefahren hält er dagegen für gering: „Natürlich kann ich mir dabei auch mal was zerren.“ Das seien aber eher die Verletzungen, die beim Sport immer passieren könnten. „Extreme oder gefährliche Übungen habe ich in solchen Fitnessspielen bisher noch keine gesehen.“
„Wir achten grundsätzlich darauf, dass unsere Übungen für alle Nutzer geeignet sind“, sagt Kristina Schneider, Sprecherin des Portals „Fin.de“. Riskant seien manche Einheiten nur für Rückenpatienten mit Bandscheibenvorfall – in diesen Fällen gebe es vorher einen Warnhinweis. Andere Faktoren wie das Gewicht des Nutzers werden schon bei der Registrierung abgefragt und dann im Training berücksichtigt. „Einen Physiotherapeuten können wir aber natürlich nicht ersetzen“, sagt Schneider.

Grundsätzlich rät sie daher, sich vor der ersten Einheit von einem Arzt untersuchen zu lassen – genau wie bei anderen Fitnessprogrammen auch.

von Tobias Hanraths und Thomas Rocho

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