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Aus dem Landkreis "Solche Worte nehmen einen ganz schön mit"
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis "Solche Worte nehmen einen ganz schön mit"
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00:19 03.09.2018
„Auch wenn es von außen möglicherweise oft so aussieht, als sei man ein kühler, herzloser und arroganter ,Bänker‘: Das stimmt nicht“, sagt Hans-Heinrich Hahne, der 30 Jahre seines Berufslebens als Vorstandsvorsitzender von Schaumburger Sparkassen fungierte. Quelle: rg
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Anfang August war es genau 50 Jahre her, dass Hans-Heinrich Hahne seinen beruflichen Werdegang mit der Ausbildung zum Sparkassenkaufmann bei der damaligen Kreis-Sparkasse der Grafschaft Schaumburg in Rinteln begann.

17 Jahre Vorsitzender des Vorstandes

Am 1. August 1986 rückte er dort in den Vorstand auf. Bereits ein Jahr später wurde er zu dessen Vorsitzendem bestimmt. Nach dem Zusammenschluss mit der Sparkasse Schaumburg-Lippe 1999 übernahm Hahne den Vorstandsvorsitz der fusionierten Sparkasse Schaumburg. Diese Funktion übte er bis zu seiner Pensionierung Ende Juli 2016 aus.

Im Gespräch mit den SN schildert der 66-Jährige, welches die beste Weichenstellung seines Berufslebens gewesen ist und welche Angelegenheiten ihn am meisten bedrückt haben.

„Als Vorstand eines Kreditinstituts muss man regelmäßig Entscheidungen treffen, die weitreichende Konsequenzen haben – zum Beispiel im geschäftlichen Kreditbereich. Wenn ein Firmenkunde bei uns wegen finanzieller Schwierigkeiten einen Kredit beantragt hat, bildete stets eine klare Faktenlage die Grundlage dafür, ob er das Geld bekam oder nicht.

Wenn ich einem – teilweise auch langjährig mit uns verbundenen – Kunden dann in einem persönlichen Gespräch mitteilte, dass wir seinem Wunsch nicht entsprechen können, fielen die Reaktionen sehr unterschiedlich aus. Denn manchmal bedeutete das für das jeweilige Unternehmen die Insolvenz – also das Aus.

"Zwei Kunden mir gegenüber ihren Selbstmord angedroht"

Ich kann mich an zwei Fälle erinnern, bei denen der Kunde mir gegenüber seinen Selbstmord angedroht hat, sollte er den Kredit nicht bekommen. Zwar konnte die Sache aufgrund der vorliegenden Zahlen jeweils nur in einer negativen Kreditentscheidung münden, aber solche Worte nehmen einen ganz schön mit.

Auch wenn es von außen möglicherweise oft so aussieht, als sei man ein kühler, herzloser und arroganter ,Bänker‘: Das stimmt nicht. Das Ende eines Handwerksbetriebs oder eines Industrieunternehmens und die damit verbundenen Schicksale der Verantwortlichen, der Mitarbeiter und von deren Familien gehen einem richtig nahe. Schließlich hängen an dieser fachlich zwar absolut richtigen, aber menschlich ausgesprochen schwer zu treffenden Kreditablehnung zahlreiche menschliche Existenzen.

Ich habe dann immer versucht, die Gedanken daran in der Sparkasse zu lassen. Meistens ist mir das gelungen. Aber gelegentlich habe ich wegen eines abgelehnten Kreditantrags auch eine unruhige Nacht gehabt. Und rückblickend auf meine Zeit als Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Schaumburg kann ich heute glücklicherweise sagen, dass niemand sich wegen meiner Entscheidungen das Leben genommen hat – auch die beiden Personen nicht, die mir dies damals angekündigt hatten.“

Eine Fusion, die auch bei den Kunden gut ankommt

Als bestes Ereignis seiner langjährigen Laufbahn bei der Sparkasse bezeichnet Hahne derweil die Fusion der Schaumburger Sparkassen zu einem großen und kreisweit tätigen Kreditinstitut:

„Beide Häuser waren Ende des 20. Jahrhunderts finanziell absolut gesund, so dass viele Menschen überhaupt keine Notwendigkeit zur Verschmelzung gesehen haben. Jedoch waren am Horizont schon die Digitalisierung, die sich ändernde demographische Entwicklung und die zunehmende bürokratische Regulierung des Bankenwesens zu erkennen.

Deshalb sind die Vorstände das Thema unter Einbeziehung der internen Gremien angegangen, obwohl allen Beteiligten klar war, dass es politisch durchaus schwierig werden könnte, das Ganze zu realisieren. Idealerweise haben wir dann aber auch bei unseren Kunden und in der Bevölkerung ziemlich schnell eine positive Resonanz auf unsere Pläne erhalten und gute Lösungen für unsere Mitarbeiter gefunden.

Der Zeitpunkt war jedenfalls goldrichtig – und den gesamten Fusionsablauf möchte ich als ausgesprochen gelungen bezeichnen. Rückblickend bin ich jedenfalls sehr stolz darauf, dass die Verschmelzung so reibungs- und geräuschlos geklappt hat.“

von Holger Buhre