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Sorge nach Putschversuch

Schaumburger Türken beurteilen Putschversuch Sorge nach Putschversuch

Der gescheiterte Militärputsch in der Türkei hat bei der hiesigen türkischen Gemeinde unterschiedliche Reaktionen bewirkt. Gegenüber den SN äußerten Erdogan-Gegner Sorge hinsichtlich der Zukunft am Bosporus, während die Anhänger von Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ihre Erleichterung über die Vereitelung des Staatsstreichs ausdrückten.

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Hat den Putschversuch im Urlaub in der Türkei erlebt: Die Bückeburger Familie Koskan.

Quelle: mig

Landkreis. Ergün Koskan aus Bückeburg, der sich zur Zeit in Kappadokien/Kayseri aufhält, hat in der Nacht zum Sonnabend kein Auge zugetan – immer wieder zappte er durch die TV-Sender und suchte nach neuen Meldungen über den Putsch. Er berichtete am Telefon: „Draußen skandierten Menschen, wehten Fahnen. Aber hier in den kleinen Städten nahe Ankara ist vom Militär nichts zu sehen, dafür sind viele tausend Menschen auf der Straße.“
In Kappadokien, wo sich Koskan gerade aufhält, und in seiner Heimatstadt Kayseri habe fast die gesamte Bevölkerung für Erdogan demonstriert, sagt Koskan. Aufständische Militärs habe er weder in Kayseri noch in Kappadokien gesehen, die Entfernung zu Ankara beträgt rund 200 Kilometer. Seinen Urlaub wird der Chef einer mittelständischen Reinigungsfirma bis Ende Juli fortsetzen. „Aktuell ist hier alles ruhig, ich mache mir keine Sorgen.“
Anders schätzt der Bückeburger Mehmet A., der seinen vollständigen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, die Entwicklung ein. Er habe das Gefühl, dass Präsident Erdogan jetzt noch schlimmer gegen seine Kritiker und die kurdische Minderheit losschlagen werde, sagte der Bückeburger. Schon jetzt sei die Situation in Diyarbakir, dem Heimatort seiner Familie, kaum erträglich.
„Es hat viele Tote gegeben, Erdogan führt einen Krieg gegen uns“, glaubt er. Er sei sich deshalb gar nicht sicher, ob der „sogenannte Putsch“ nicht eine Inszenierung gewesen sei, „um jetzt noch härter gegen die Kurden losschlagen zu können“. Dem Bückeburger macht diese Entwicklung „große Angst“. Erdogan sollte bedenken, dass auch die Opposition den Putsch verurteilt habe. Denn: „Mit dem Militär würde alles nur noch schlimmer werden.“
So bewertet auch der Bad Nenndorfer Gastronom Emin Ayyildiz die Situation. „Ich habe nicht ganz begriffen, was da geschehen ist. Ein Putsch passiert doch nicht einfach so“, rätselte Ayyildiz. Daher sei der Vorgang „kurios“. Der Sieger heiße nun Erdogan, der noch fester im Sattel sitze und seine Politik somit noch radikaler fortsetzen könne.
Ayyildiz sieht in Erdogan einen Diktator. Aber: „Eine zivile Diktatur ist immer noch besser als eine Militärdiktatur.“ Ein erfolgreicher Putsch wäre daher noch schlimmer gewesen. Der Bad Nenndorfer hofft, dass die USA und die EU-Staaten jetzt Belege für Erdogans häufig unterstellte Geschäfte mit dem IS auf den Tisch legen. Die Türkei müsse von dem Präsidenten befreit werden.
Wiederum anders sieht Mustafa Ipek vom Türkisch-Islamischen Kulturverein Rinteln die Angelegenheit. „Die vielen Toten“ seien bedauerlich. Aber sonst sei der Putschversuch gut ausgegangen, am Sonntag sei alles wieder unter Kontrolle gewesen.
Einen Putsch heißt auch die Lindhorsterin Öznur Özcan grundsätzlich nicht gut, weil das die Demokratie gefährde. Sie habe nun aber keine Angst, in das Land zu reisen, wo ihre Familie lebt. „Allein für die nächsten acht Wochen habe ich drei gebuchte Flüge, und die werde ich auch nicht stornieren“, betonte Özcan. Allerdings gesteht sie ein, dass sie schon ein etwas mulmiges Gefühl hätte, wenn sie nach Istanbul flöge. Ihre Reisen gehen nach Izmir.
Gespalten waren auch die Meinungen in den sozialen Netzwerken. Auf der Facebook-Seite der Schaumburger Nachrichten äußerten Diskutanten einerseits Sorge, wie es nun in der Türkei weitergeht, aber auch Unterstützung und Abneigung gegen Erdogan. gus, mig

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