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Souvenirs, Souvenirs...

Thema des Tages Souvenirs, Souvenirs...

Seife, Shampoo, Duschhandtuch: Wie selbstverständlich landen solche „Souvenirs“ bei der Abreise oft im Koffer von Hotelgästen. Rein rechtlich gesehen ist das Diebstahl. Verfolgt wird das jedoch in den wenigsten Fällen. Die meisten Hoteliers wollen gar nicht drüber reden – sie treffen Vorkehrungen gegen den Hotelklau.

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Quelle: dpa

Die Urlaubssaison läuft auf vollen Touren. Und mancher Urlauber sieht das flauschige Handtuch im Hotel mit schickem Logo als willkommenes Souvenir und packt es ein. Jeder Hotelchef im Weserbergland könnte dazu passende Geschichten erzählen. Doch die meisten tun es nicht. Zumindest nicht öffentlich. Auf keinen Fall unter der Nennung des Namens oder des Hotels. Noch vor drei Jahren war das anders. Da plauderten Hotelchefs für eine Reportage mit Namensnennung ungehemmt über die „schwarzen Schafe“ unter ihren Gästen. Woher kommt der Sinneswandel?
 Kirsten Jordan, Geschäftsführerin des Bezirks Hannover im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), hat eine Vermutung. Die meisten Hoteliers hätten sich wohl mit dieser „Begleiterscheinung“ abgefunden und schätzten den Schaden für das Image ihres Hotels bei einer Veröffentlichung höher ein als die Hoffnung, Diebe abzuschrecken. Dehoga-Geschäftsführer Rainer Balke formuliert das so: „Welcher Hotelchef will schon seine Gäste unter Generalverdacht stellen?“ Sicher sei Diebstahl nach wie vor ein Thema und werde es auch in Zukunft bleiben. Als weiteren Grund, warum Hoteliers beim Thema Diebstahl zugeknöpft reagieren, nennt Jordan, dass ein anderes Thema in den Vordergrund gerückt sei, ein Thema, das der Gastronomie mehr Probleme bereitet als der Hotelklau: der Mindestlohn.
 Dabei gehe es weniger um Fragen der Bezahlung, also die 8,50 Euro, sondern um die per Gesetz beschlossene Arbeitszeitregelung. Denn die sei kaum mit den Anforderungen im Hotelgewerbe in Einklang zu bringen: „Welcher Hotelier sagt schon einer Hochzeitsgesellschaft um Mitternacht, nun sei leider Feierabend …?“ Auf der anderen Seite könne er nicht einfach eine zweite Nachtschicht anrücken lassen. Doch immerhin wolle die Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Andrea Nahles, zumindest für Familienbetriebe da nachbessern.
 Trotz des Mindestlohnes: Hoteldiebstahl beschäftigt vor allem jetzt in der Ferienzeit die Hoteliers durchaus. Das wird deutlich, wenn man bei der Umfrage den Hotelchefs Anonymität zusichert. Bei Diebstahl gibt es eine große Grauzone: Die Shampoo-Flasche aus dem Badezimmer einstecken? Viele Gäste denken sich nichts dabei. Würde man den Gast dann als Dieb bezeichnen? Dieb ist ein starkes Wort. Die Rechtslage ist zwar eindeutig: Hygieneartikel sind Eigentum des Hotels. Selbst das Klopapier. Doch kein Hotelier käme auf die Idee, einen Gast belangen zu wollen, der Hygieneartikel mitgenommen hat. Auch Hotelkugelschreiber sind oft mit dem Logo des Hotels bedruckt. Macht man nicht also Werbung für das Hotel, wenn man ihn einsteckt und woanders nutzt? Und wer am Frühstücksbüfett ein paar Brötchen mehr schmiert und einsteckt, um unterwegs das Mittagessen zu sparen, begeht der einen Diebstahl? Im Prinzip ja, sagen Hotelchefs. Doch darüber regt sich kaum noch jemand auf. Gabriele Güse vom Hotel „Stadt Hameln“, Dehoga-Vorsitzende in Hameln-Pymont, erklärt, wie im Einzelhandel üblich, hätten auch Hotels den ganz alltäglichen Schwund durch Diebstahl in die Preise einkalkuliert.
 „Ich habe doch keine Lust, deswegen Magengeschwüre zu bekommen“, drückt das drastisch ein Hotelchef eines Top-Hotels in Hameln aus. Es gebe ja auch gute Gründe, warum man über solche „Kleinigkeiten“ hinwegsehe: „Man möchte schließlich, dass der Gast wiederkommt.“
 Das ist die eine Seite, die andere: Auch Kleinigkeiten summieren sich. Da berichtet ein Hotelchef: „Kaum jemand macht sich Gedanken, wenn er einen Kleiderbügel einpackt, weil das Hotellogo drauf ist. Das macht sich schick im eigenen Kleiderschrank. Doch so ein Kleiderbügel kostet im Einkauf drei bis fünf Euro. Stellen Sie sich vor, davon verschwinden über 300 Stück im Jahr. Billige Bügel aufzuhängen wiederum verbietet das Image des Hauses. Wir überlegen inzwischen ernsthaft, ob wir nicht die Kleiderbügel mit einer Diebstahlsicherung versehen.“
 Zumindest für Souvenirjäger, denen es ja meist nicht um den Kaufwert des Gegenstandes, sondern den Andenkenwert geht, haben Top-Hotels eine Lösung gefunden: Die begehrten Gegenstände mit Hotellogo, hochwertige und exklusive Accessoires gibt es in Hotelboutiquen zu kaufen.
 Oft lasse sich kaum mehr feststellen, durch wen und wann genau ein Gegenstand entwendet worden ist, schildern Hotelchefs. Viele Gäste ließen beim Check-out ihre Zimmertür offen. Jeder könnte das Zimmer dann betreten. Wie will man beweisen, dass es tatsächlich der Gast war, der gerade auschecken will?
 Ein Hotelier sagt: „Wir beschäftigen auch Zimmermädchen, bei denen es noch mit der deutschen Sprache hapert. Da ist oft schwer zu klären, wann genau das Servicepersonal einen Verlust entdeckt hat.“ Und völlig unübersichtlich ist die Lage in Hotels mit Spa-Bereich, wo Gäste schon mal Spa-Handtücher oder Bademäntel mit aufs Zimmer nehmen.  So gibt es keine offizielle Statistik über Diebstähle in Hotels. Dieses Delikt ist in der Kriminalstatistik so gut wie nicht vertreten, einfach deshalb, weil es von den Hoteliers nur in ganz gravierenden Fällen angezeigt wird.
 Dafür gibt es Umfragen. Die zeigen: Auf der Klauliste ganz oben stehen Hotelhandtücher – kein Wunder, die sind meist groß und flauschig und damit attraktiv. Auf Platz zwei Bademäntel und Badeschlappen. Relativ häufig verschwinde auch die TV-Fernbedienung, berichtet Klaus Pittack, Seniorchef im Parkhotel Deutsches Haus in Bad Nenndorf. Er lässt, nachdem einmal ein wertvolles Gemälde verschwunden ist, nur noch Bilder an die Wand hängen, die so groß sind, dass sie in keinen Koffer passen. Gabriele Güse kennt einen Kollegen, der hat das noch anders gelöst. Hinter jedem Bild gibt es einen Aufkleber an der Wand: „Hier hing ein Bild!“ Auch das schrecke potenzielle Diebe ab. Pittack, der auch Dehoga-Kreisvorsitzender in Schaumburg ist, weiß aus eigener Erfahrung wie von Kollegen, dass es kaum einen Gegenstand gibt, den Gäste nicht schon mal mitgenommen hätten. Sogar Fernseher und Musikanlagen seien aus den Zimmern getragen worden.
 Die Reaktionen der Hoteliers auf einen Diebstahl, der über das Übliche hinausgeht, sind unterschiedlich. Gabriele Güse sagt: „Meist ruft man nicht die Polizei, sondern schreibt einen Brief an den Gast.“ Ein Hotelier hat dafür schon einen Standardbrief im Computer: „Sie haben wohl versehentlich den Bademantel mit eingepackt. Sie können ihn gerne kaufen oder zurückschicken. Im ersten Fall würden wir ihre Kreditkarte nachbelasten.“ Die meisten Gäste, sagt er, sind mit dieser Lösung dann auch einverstanden.
 Ein Hotelier in Hameln erzählt, was Hoteliers oft wesentlich mehr Ärger mache als ein Diebstahl, sei die Missachtung der Spielregeln im Haus, die einzuhalten sich der Gast durch seine Unterschrift verpflichtet habe. Wenn beispielsweise ein Gast in einem Nichtraucherzimmer das Qualmen nicht lassen kann, muss das Zimmer aufwendig gereinigt werden. Das gelte auch bei Hundehaaren, die man manchmal sogar in den Betten finde. In solchen Fällen ist Schluss mit der Toleranz, dann werde dem Gast die Reinigung in Rechnung gestellt. Schwieriger wird es, wenn es ein Gast nach einer feuchtfröhlichen Feier nicht mehr rechtzeitig zur Toilette schafft: „Die meisten reden sich dann mit einer Magenverstimmung heraus, wenn man sie auf die Schweinerei im Zimmer anspricht.“
 Und dann gibt es noch die kleinen Ärgernisse. Der Klassiker: Der Gast füllt die Mineralwasserflasche aus der Minibar mit Leitungswasser wieder auf.
 Zumindest gegen Hoteldiebstahl hilft inzwischen moderne Technik. So gibt es einen waschbaren Mikrochip, den man in Handtücher, Bademäntel und Bettwäsche einnähen kann. Auch die codierte Karte, die in vielen Häusern heute den klassischen Zimmerschlüssel ersetzt, erleichtert die Aufklärung: Damit lässt sich nämlich auf die Minute genau feststellen, wer wann das Zimmer betreten hat. Darüber hinaus werden in manchen Häusern die wichtigsten öffentlichen Bereiche videoüberwacht.
 Ein Ergebnis unserer telefonischen Umfrage überrascht allerdings nicht: je kleiner das Hotel, je familiärer, desto geringer die Klauquote. Auch dafür hat Jordan eine Erklärung: „Da entsteht schneller eine persönliche Beziehung zwischen den Inhabern und dem Gast.“ Wen man persönlich kennt, den bestiehlt man nicht so schnell.

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