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Sprachunterricht für Flüchtlinge

„Deutsch ist die Grundvoraussetzung“ Sprachunterricht für Flüchtlinge

Letzte Tür rechts im Gemeindehaus neben der Stadtkirche. Zwei Tische sind besetzt. Flüchtlinge lernen dort deutsch.

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Renate und Jürgen Schneider (rechts) beim Deutschunterricht mit Flüchtlingen: Heute sind Monatsnamen an der Reihe.

Quelle: rc

Bückeburg. Die ersten Brocken, um sich in fremder Umgebung zurecht zu finden und sich verständigen zu können. Monatsnamen sind heute an der Reihe. Renate Schneider steht an der Tafel und spricht sie laut und deutlich vor. Die Flüchtlinge sprechen nach. Am anderen Tisch blättert Jürgen Schneider mit einer dreiköpfigen Gruppe, die schon etwas weiter ist im Lernstoff, durch Unterlagen.

 Das Ehepaar Schneider gehört mit zu der großen Schar freiwilliger Helfer, die sich in Bückeburg um die Aufnahme und Integration der Flüchtlinge kümmert. Zweimal die Woche geben die pensionierten Lehrer Sprachunterricht im von der Kirchengemeinde organisierten Netzwerk. „Wir haben keine Not an zu Unterrichtenden“, sagt das Ehepaar. Deutsch sei eine Grundvoraussetzung, ist die feste Überzeugung der Schneiders: „Ohne das, wird die Integration nicht funktionieren.“

 Seit einem halben Jahr unterrichten sie deutsch. Das ist aber nicht alles. Denn zusätzlich hat das Ehepaar drei Familien unter seine Fittiche genommen, die in den Häusern an der Königsberger Straße wohnen. Fast täglich kümmern sie sich um „Kleinigkeiten“, seien es Fragen rund um Kindergarten- oder Schulbesuch, wenn das Kind einen Elternzettel mitgebracht hat, der übersetzt werden muss. Oder aber zu klären, ob das Mittagessen bei der Ganztagsbetreuung Halal ist und wer die Kosten übernimmt. Oder aber, wo es Krankenscheine für einen Zahnarztbesuch gibt: bei der Kreisverwaltung in Stadthagen, wo die Flüchtlinge mittlerweile per Rad hinfahren.

 „Die machen sich schnell selbstständig“, ist die Erfahrung der Schneiders. Und: Alle Flüchtlinge, die sie betreuen oder unterrichten, haben nur ein Ziel: so schnell wie möglich zu arbeiten. Als neulich drei ihre Arbeitserlaubnis erhielten, sei spontan gefeiert worden. Die Verzögerungen bei der Bearbeitung von Asylanträgen sehen die Schneiders mit einer gewissen Skepsis: „Unsere größte Sorge ist, dass diese Menschen nicht so schnell in Arbeit und Brot kommen, wie sie es sich wünschen.“

 Zwei bis drei Stunden täglich stecken die Schneiders in die Betreuung. Wenn es zu Fahrten nach Hildesheim oder Braunschweig zu Ausländerbehörden oder Flüchtlingsrat geht, können es auch schon einmal vier oder fünf Stunden werden. „Ist doch allemal besser, als zu putzen und zu verreisen“, lacht die agile 70-Jährige. Es gibt uns so viel zurück, sagt sie zu ihrer Motivation: „In strahlende Kinderaugen zu schauen, ist schön.“

 Und die Flüchtlinge geben den Schneiders eine andere Sicht auf manche Dinge, wie sie schildern. An erster Stelle nennen sie die Gastfreundschaft: „Wir sind zu jeder Zeit willkommen.“ Obwohl die Flüchtlinge nichts haben, wird zuerst ein Glas Wasser oder eine Kleinigkeit angeboten. Die Flüchtlinge versammeln sich, alle sitzen draußen, alle reden – wenn auch manchmal mit Händen und Füßen. Über den Begriff der „deutschen Leitkultur“ lachen Renate und Jürgen Schneider nur: „Wir lernen uns kennen. Sie lernen, wie wir uns verhalten. Und wir, wie sie sich verhalten.“ So haben sie erfahren – entgegen des häufigen Klischees: „Es gibt sehr viele starke Frauen in Arabien.“  rc

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