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Aus dem Landkreis Startschuss für den Schulterschluss
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Startschuss für den Schulterschluss
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13:40 11.03.2018
Rund 40 Bürger aus Nienstädt, Rodenberg und Umgebung nehmen am ersten Infotreffen der Aktionsgemeinschaft teil. Quelle: tro
Landkreis

Gemeinsam wolle man „einen Kontrapunkt gegen die zunehmende Autoflut setzen“, wie Friedrich Deventer sagte, der die Veranstaltung mit initiiert hatte.

 Die Arbeit für die Gruppe geht damit erst los: In einem nächsten Schritt sollen in einer kleineren Gruppe Argumente und Alternativen gesammelt und gebündelt werden, ehe das Gespräch mit den politisch Verantwortlichen gesucht wird. In jedem Fall müsse man frühzeitig aktiv werden, bevor die Planung ins Rollen komme, waren sich die Anwesenden einig.

 Auf Nienstädter Seite befürchteten die Anwesenden, dass die Verkehrsbelastung nur verlagert werde. Zudem sei es eine Illusion, dass die heutige B65 durch den Ort wieder zu einer ruhigen Dorfstraße werde. Das zeigten auch Studien, wie Thomas Knickmeier ergänzte – nach einer kurzzeitigen Entlastung steige das Verkehrsaufkommen auf alten Trassen in der Regel wieder an. Das zeige auch die Stadthäger Umgehungsstraße. In der Runde kam zudem die Frage nach Alternativen auf – in den 30 Jahren, die sich das Vorhaben in Nienstädt nun hinziehe, müsse doch bereits einiges entwickelt worden sein. Diese Masse an Know-how gelte es, positiv zu nutzen.

Seit 30 Jahren hingehalten

Alternativpläne im Hinterkopf hat die Rodenberger Bürgerinitiative (BI) „Bundesstrafe 65“. Diese sollen bald vorgestellt werden, kündigte Martina Märtens an. Die Rodenberger, die sich in der BI zusammengeschlossen haben, wollen sich zwar zunächst des Rückhalts in der Bevölkerung versichern, wie Claudia Dargel erklärte – im Gespräch mit den Nienstädtern stellten die Beteiligten aber schnell fest, dass die aus ihrer Sicht mit dem Straßenausbau einhergehenden Probleme auf beiden Seiten ähnlich sind – großer Flächenverbrauch, Zerschneidung der Landschaft. Dargel kritisierte wie auch Deventer und andere den Flächenverbrauch und Landschaftszerschnitt. Renate Volk sah keine Sinnhaftigkeit darin, 40 Millionen Euro für sechs Kilometer Strecke aufzuwenden. „Das ist in unseren Augen eine große Steuerverschwendung.“

 Petra Ritter nahm als stellvertretende Bürgermeisterin Nienstädts eine Zwischenposition ein. „Seit 30 Jahren werden die Bürger hingehalten“, sagte sie. Zum einen könne sie die nun betroffenen Landwirte und Bürger verstehen, doch wolle sie auch eine „Lanze brechen“ für die, die derzeit an der Bundesstraße wohnen: „So oder so muss man den Nienstädtern helfen, zum Beispiel mit Flüsterasphalt, anderen Ampelphasen, einer Troglösung.“

 Ritter regte, wie letztlich auch andere hinsichtlich der Ortsumgehung, eine Bürgerbefragung an. Die Verkehrsplanung des Bundes werde in der heutigen Form verfolgt, weil Gemeinde- sowie Samtgemeinderat Resolutionen verabschiedet hätten. „Mittlerweile ist seitdem aber so viel Zeit vergangen, dass die Frage ist: Wollen die Bürger das überhaupt noch?“, so Ritter. tro

 

Beermann: Effektiver Lärmschutz wichtig

 Der heimische Bundestagsabgeordnete Maik Beermann (CDU) ist bei der Nienstädter Ortsumgehung aufseiten der Befürworter. Er habe in Berlin viele Gespräche geführt, um das Projekt in den Vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes zu bekommen. „Es kämpfen aber auch Kommunen, Verbände, Initiativen und Bürger oft zehn Jahre, 20 Jahre oder sogar länger. Das Projekt ist bis dahin über lange Zeit ein großes, wiederkehrendes Thema in der Öffentlichkeit und es erfordert viel Einsatz und Mühe, diesen Weg über den Zeitraum zu gehen“, so Beermann. Auch der Bund habe festgestellt, dass die Ortsumgehung Nienstädt einen besonders hohen Stellenwert unter den tausenden eingereichten Projekten hat.

 Für Beermann sei es aber auch wichtig, die Kritiker nicht nur anzuhören, sondern auch ernstzunehmen. „Die Umsetzung von Infrastrukturprojekte funktioniert nur mit den Bürgerinnen und Bürgern.“

 Der Bund stellt für die Realisierung der 5,5 Kilometer langen Ortsumgehung Nienstädt/Sülbeck fast 23 Millionen Euro zur Verfügung und bewertet die Umweltbetroffenheit hier als gering, da laut Beermann mit 12,7 Hektar hauptsächlich bereits bewirtschaftetes Land hierfür gebraucht wird und nur mit 0,4 Hektar Flächen des Landschaftsschutzes. Die Linienführung ist seit 2005 bestimmt worden, wo jenes bereits abgewägt wurde und der CDU-Bundestagsabgeordnete sieht dies positiv: „Der Schutz der Menschen überwiegt hier die Nachteile der Beeinträchtigung der Natur. Viele Projekte haben zudem noch keine Trassenführung und das verlängert die Realisierung auch nach Bereitstellung des Geldes durch den Bund zusätzlich. Nienstädt/Sülbeck hat hier vielen etwas voraus.“

 Fast 6800 Einwohner würden durch den Neubau der Ortsumgehung vom Lärm entlastet, jedoch auch 670 neu belastet beziehungsweise stärker als zuvor. Beermann unterstütze die Durchsetzung von effektiven Lärmschutzmaßnahmen.

 Der Abgeordnete betont: „Wenn man dieses Projekt im jetzigen Stadium noch kippt, dann wird es vermutlich nie wieder eine Möglichkeit für eine Ortsumfahrung geben und die 23 Millionen Euro werden für andere Infrastrukturprojekte verwendet.“ r