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Still ruht der Bau

Faurecia in Stadthagen Still ruht der Bau

Als Anfang 2016 Neubaupläne für den Faurecia-Firmensitz am Standort Stadthagen öffentlich wurden, war die Euphorie groß. Knapp zwei Jahre später ist davon nichts mehr zu spüren.

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Wie geht es weiter? Der Stadthäger Standort des Autositzherstellers Faurecia an der Nordsehler Straße.

Quelle: Archiv

STADTHAGEN. So ist derzeit völlig unklar, ob das 30-Millionen-Euro-Vorhaben jemals umgesetzt werden wird. Für die Mitarbeiter des Autositzherstellers eine Hängepartie.

Nach SN-Informationen sind in den vergangenen Monaten mehrfach Anläufe für Gespräche über die Zukunft des Projekts gescheitert. Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) hatte wiederholt Klärungsbedarf angemeldet und auf ein Treffen mit dem Management gedrängt. Die Terminfindung soll sich dem Vernehmen nach schwierig gestaltet haben. Zuletzt sagte die Geschäftsführung einen für Ende Oktober anberaumten Termin ab.

Die Signale aus dem Unternehmen stimmen zudem nicht besonders hoffnungsvoll. Zur Zeit bestehe „keine Notwendigkeit für ein Gespräch“ hieß es da in den vergangenen Monaten schon mal. Oder: „Die Entscheidungslage bei Faurecia in Frankreich hat sich nicht geändert.“

Ziemlich genau vor einem Jahr hatte der Automobilzulieferer bekannt gegeben, seine Neubaupläne für die Forschungs- und Entwicklungszentrale vorerst auf Eis zu legen, nachdem der Startschuss ursprünglich schon im dritten Quartal des Jahres hatte fallen sollen. Begründet wurde diese Entscheidung mit „veränderter Kundenanforderungen, schärferen Reglementierungen, technologischen Veränderungen und einem aggressiveren Wettbewerb“ in der Branche. Mit dem Ergebnis, „dass Faurecia seine Prioritäten für den Standort Stadthagen neu setzen muss“, wie eine Sprecherin im November 2016 erklärte.

Bei dieser Ansage ist es bis heute geblieben. Inzwischen wächst der Zweifel, ob die neue Zentrale, die eine Investition von mindestens 30 Millionen Euro bedeutet hätte, überhaupt noch kommt. Das Wirtschaftsministerium hatte eine Förderung in Höhe von zehn Prozent der Summe in Aussicht gestellt.

Doch es geht um mehr als nur ums Geld. Auf dem Spiel stehen nach Einschätzung von Branchenkennern auch die knapp 1000 Arbeitsplätze in Stadthagen. Sollte der Neubau nicht kommen, könnte dies über kurz oder lang den Abschied Faurecias aus der Kreisstadt bedeuten, fürchtet man auch im Umfeld von Betriebsrat und IG Metall. Möglicherweise müsse dies dann als Indiz für die irgendwann bevorstehende Aufgabe des Standortes gewertet werden.

So machen in der Firma bereits Spekulationen die Runde, wonach in der Konzernzentrale bei Paris eine Verlagerung nach Osteuropa oder ins Mutterland Frankreich erwogen werden könnte. Nicht ausgeschlossen wird auch, dass zwar irgendwann doch noch in Schaumburg neu gebaut wird – aber deutlich kleiner als die bisherigen Pläne es vorsehen.

Nicht nur Wirtschaftsminister Olaf Lies, auch der heimische Landtagsabgeordnete Karsten Becker ist deshalb seit Monaten im Hintergrund bemüht, den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen und für eine Umsetzung des Anfang 2016 angekündigten Vorhabens zu werben.

Zu Beginn dieses Jahres hatte die örtliche Geschäftsleitung noch ein kleines Jubiläumsfest angekündigt. Denn genau vor einhundert Jahren, 1917, kam die Firma Rentrop als Vorgänger von Faurecia nach Stadthagen.

Zu einer Feier eingeladen wurde bislang nicht, vielen Beschäftigten ist danach derzeit auch nicht zumute. „Die Gemütslage schwankt zwischen Verunsicherung und Resignation“, berichtet ein Mitarbeiter. Gerade die Älteren unter ihnen hätten in den vergangenen Jahrzehnten schon viele Höhen und Tiefen erlebt. „Manch einer kann sich gar nicht vorstellen, dass hier mal tatsächlich die Lichter ausgehen, für andere ist das irgendwie schon abgemachte Sache“, erzählt ein anderer.

IG Metall und Betriebsrat zeigen sich angesichts dieser Ausgangslage denn auch durchaus verhandlungsbereit. So hatte die Faurecia-Geschäftsführung die Neubau-Investition von einer Aufweichung der Arbeitszeit-Regelung abhängig gemacht, um größere Teile der Belegschaft im Rahmen einer 40-Stunden-Woche beschäftigen zu können.

Die tarifvertraglich vereinbarte Obergrenze deckelt dies bislang auf 18 Prozent. Die IG Metall hatte sich zu Zugeständnissen bereit erklärt – wenn im Gegenzug der Neubau realisiert und eine befristete Arbeitsplatzgarantie gegeben wird.

mf

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