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Stolz und Scham

Grundsicherung hilft Senioren Stolz und Scham

Immer mehr Senioren sind davon betroffen, aber aus Scham reden die allerwenigsten darüber: Altersarmut. Deutlich wurde die Not jetzt wieder bei der Herzenswunsch-Aktion von der Rintelner Silvesterinitiative und der Sparkasse Schaumburg.

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Die Grundsicherung steht Menschen zu, die weniger als 800 Euro Rente im Monat beziehen.

Quelle: dpa

Landkreis. In den Bankfilialen in Rinteln und erstmals auch in Stadthagen hingen Wünsche von Menschen im Alter von 50 bis 93 Jahren. Auffällig dabei: Gebeten wurde in vielen Fällen einfach nur um Lebensmittel. Woher kommt diese Not?
Schließlich gibt es Mittel und Wege für Rentner, um aus der finanziellen Notsituation zu entkommen, wie beispielsweise die Grundsicherung. Doch einige Schaumburger verzichten freiwillig auf die Zuschüsse.
Anja Keller, Schuldenberaterin bei der Verbraucherberatung Schaumburg, beschreibt von der Altersarmut betroffene Personen als Menschen, denen es mit ihrer Rente nicht gelingt, „allen Verpflichtungen nachzukommen“ – darunter etwa die Miete oder die Rate eines Darlehens. Oftmals seien auch Rentner betroffen, die ein Eigenheim besitzen, aber die Kosten für eventuelle Reparaturarbeiten nicht stemmen können.

Viele geraten in die Schuldenfalle

Dadurch geraten viele Senioren in die Schuldenfalle. Der Zuwachs der über 70-Jährigen ist mit 16,4 Prozent der stärkste in der aktuellen Schuldnerstatistik. Zwar ist ihr Anteil mit einer Quote von 1,3 Prozent (174 000 Senioren in Deutschland) im Vergleich zu anderen Altersgruppen gering, doch Experten warnen vor einer deutlichen Zunahme durch das sinkende Rentenniveau bei gleichzeitig steigenden Mieten.
Die Rentenerhöhung liegt 2017 voraussichtlich zwischen 1,5 und zwei Prozent. Mit wie viel mehr Geld Rentner genau rechnen können, wird erst im Frühjahr feststehen. 2016 waren die Renten im Westen um 4,25 Prozent und im Osten um 5,95 Prozent gestiegen – und damit so stark wie seit 23 Jahren nicht mehr.
Genaue Zahlen, wie viele Schaumburger von Altersarmut betroffen sind, gebe es nicht, sagt Keller. Allerdings stehe es Betroffenen jederzeit offen, die Grundsicherung zu beantragen. Jene kann dann zum Einsatz kommen, wenn die Rente unter einen gewissen Betrag fällt (in der Regel etwa 800 Euro) und der Antragsteller, je nach Geburtsjahr, zwischen 65 und 67 Jahre alt ist. Die Höhe der Grundsicherung ist vom Einzelfall abhängig.
Es spielt einerseits der Bedarf für den notwendigen Lebensunterhalt eine Rolle. Andererseits ist für die Höhe der Zuschüsse das vorhandene Einkommen und Vermögen entscheidend: Nur wenn der Grundbedarf nicht durch das vorhandene Einkommen und Vermögen gedeckt ist, besteht ein Anspruch auf Grundsicherung. Etwa eine Million Menschen in Deutschland beziehen diese Sozialleistung, in Schaumburg sind es 1949 Personen.
Allerdings sind dort auch Bedürftige eingerechnet, die aufgrund einer Erwerbsunfähigkeit keinen Beruf mehr ausüben können. Und die Zahl wird angesichts des demografischen Wandels noch steigen.

„Wir schaffen das jetzt auch“

Es könnten aber jetzt schon viel mehr sein. „Die Menschen haben ja ihr Leben lang gearbeitet und es immer allein geschafft“, sagt Keller. Entsprechend stehen Schamgefühl und Stolz dem Weg zum Sozialamt oft im Wege. Diese Beobachtung hat Karl-Heinz Hansing, Vorsitzender des Kreisseniorenrats, ebenfalls gemacht: „Viele denken: ,Wir sind bisher immer zurechtgekommen, das schaffen wir jetzt auch.‘“
Dabei wurde die Grundsicherung auch deswegen eingeführt, um die „verschämte Altersarmut“ zu bekämpfen, da sich viele Rentner nicht getraut hatten, „Sozialhilfe in Anspruch zu nehmen“, erklärt Klaus Heimann, Pressesprecher des Landkreises. Doch auch heute ist das Problem noch nicht aus der Welt geschafft. Jeder, der weniger als 800 Euro Rente bekommt, „sollte keine Scheu haben, zum Sozialamt zu gehen“, sagt Heimann.

Die Öffnungszeiten des Sozialamtes Schaumburg: montags und dienstags von 8.30 bis 12 Uhr, donnerstags von 8.30 bis 12 Uhr und von 13.30 bis 15.30 Uhr sowie freitags von 8.30 bis 12 Uhr. js

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