Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Stoppt Seeadler Windradpläne im Wesertal?

Landkreis fordert Investor zur Überarbeitung seines Gutachtens auf Stoppt Seeadler Windradpläne im Wesertal?

Die Seeadlerbrut am Taubenberg stellt nun auch die beantragte Baugenehmigung für zwei Windenergieanlagen zwischen Ahe und Westendorf in Frage (siehe auch Thema des Tages in unserer Mittwoch-Ausgabe).

Voriger Artikel
7760 Menschen in Schaumburg pflegebedürftig
Nächster Artikel
EU-Millionen fließen erneut nach Schaumburg

Thomas Brandt vom Nabu zeigt ein Seeadlerweibchen, das 2008 in der Nähe des Steinhuder Meeres seinen Tod in einer Windkraftanlage fand. Das Tier steht jetzt ausgestopft in der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer.

Quelle: pr.

Rinteln/Landkreis. Der Landkreis Schaumburg hat dem Investor Planet Energy, einer Tochterfirma der Umweltschutzorganisation Greenpeace, bereits im März schriftlich aufgegeben, sein sogenanntes avifaunisches Gutachten (Auswirkungen auf Vogel- und sonstige Tierwelt) zu überarbeiten. Insbesondere geht es um den Seeadler. Dessen Auftauchen war vom Gutachter bisher als nur sehr sporadisch beurteilt worden, weshalb Planet Energy weiter auf eine Baugenehmigung hofft.

„Uns liegen aber weitergehende Informationen des Naturschutzbundes (Nabu) vor, das Vorkommen des Seeadlers ist schon ein bedeutender Aspekt“, teilte Kreissprecher Klaus Heimann gestern auf Anfrage dieser Zeitung mit. „Wir sind für die immissionsschutzrechtliche Genehmigung zuständig. Und unser positiver Bauvorbescheid hatte die Artenschutzuntersuchung ausdrücklich ausgeklammert.

Wir sehen uns bei einer Änderung der Sachlage durch den Seeadler deshalb auch nicht in einer Pflicht zu Schadenersatz an den Investor, wenn der Antrag auf Baugenehmigung nun scheitert.“ Planet Energy hatte sich die Bauvorbescheide quasi vom vorherigen Projektbetreiber gekauft und seither Planungs- und Gutachterkosten gehabt. „Das, was Planet Energy bisher eingereicht hatte, reicht nicht aus“, sagte Heimann: „So eine Untersuchung müsste man am besten jetzt durchführen, wo doch gerade gebrütet wird.“

Der Rintelner WGS-Ratsfraktionsvorsitzende Gert Armin Neuhäuser hatte sich an den Landkreis gewandt. Bei einer Baugenehmigung riskiere dieser Niederlagen vor Gerichten und geschredderte Seeadler. Dass Forstamtsleiter Christian Weigel in dieser Zeitung den Seeadler als faul bezeichnet hatte und ihm genug Nahrungsangebot bei Wennenkamp zusprach, verwunderte nicht nur Neuhäuser.

Dieser erwidert: „Es entspricht naturschutzfachlicher Praxis, einen Radius von mindestens 3000 Metern um den Brutplatz von Windenergieanlagen freizuhalten, empfohlen werden sogar 6000 Meter.“

Nick Büscher (Nabu Rinteln) widerspricht Weigel ebenfalls: „Der Seeadler meidet Windenergieanlagen nicht, kann ihre Geschwindigkeit nicht einschätzen. Auch die Jungen kommen in die Nähe der Anlagen. Wir haben schon 2014 das Seeadler-Pärchen im Wesertal jagen sehen und dazu Daten an das Gutachterbüro und den Landkreis geschickt. Von den großen Greifvögeln ist der Seeadler außerdem die Art, die am häufigsten durch Windräder zu Tode kommt.“

Thomas Brandt, Nabu und Ökologische Schutzstation Steinhuder Meer (ÖSSM), bestätigt dies an einem Beispiel: „Wir haben schon 2008 ein elf Jahre altes, unser erstes Weibchen, das jahrelang erfolgreich am Steinhuder Meer gebrütet hat, durch eine Windenergieanlage in 14 Kilometer Entfernung vom Horst verloren. Das vom Jagdpächter gefundene Tier steht jetzt ausgestopft in einer Vitrine in der ÖSSM.“

Brandt ist enttäuscht, dass im bisherigen Gutachten von Planet Energy die allein aus 2014 resultierenden mehr als 175 Beobachtungen des Seeadlers im Wesertal keine Berücksichtigung fanden, obwohl sie von Planet Energy angefragt wurden: „Daraus leite ich ganz klar eine Tendenz zugunsten des Windrad-Projekts ab. Wir stellen deshalb in Frage, ob das bisherige Gutachten wirklich objektiv ist. “

Julian Tiencken von der Firma „Planet Energy“ erklärte gestern: „Wir bewerten gerade, ob und in welchem Umfang zusätzlichen Untersuchungen nötig sind. Bisher schien uns der Seeadler dort durch unsere Windräder nicht gefährdet.“ dil

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg