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Aus dem Landkreis Suche nach Lehrlingen wird immer schwieriger
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Suche nach Lehrlingen wird immer schwieriger
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00:29 04.03.2018
Körperlich anspruchsvoll: Das Handwerk hat Nachwuchssorgen und muss aktiv um Azubis werben. Quelle: dpa
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Landkreis

 Der Personalmangel verstärke sich noch wie aktuell in Zeiten der grassierenden Grippewelle.

 Elektrotechnikmeister Martin Wanjura aus Stadthagen hat festgestellt, dass junge Leute häufig eher eine kaufmännische Laufbahn einschlagen wollen. „Wir haben das Problem, dass das Handwerk in den vergangenen Jahren unter seinem schlechten Ruf gelitten hat.“ Dieses Image müsse aufgearbeitet werden.

 Wanjura, der auch Lehrlingswart der Kreishandwerkerschaft ist, versucht bei Informationsveranstaltungen, junge Menschen für das Handwerk zu begeistern. „Wir müssen stärker als früher die Werbetrommel rühren“, meint er. Auch der Elektrotechnikermeister habe davon gehört, dass einige Betriebe in Niedersachsen bereits zu besonderen Maßnahmen greifen, um Auszubildende zu gewinnen.

Viele springen während der Lehre ab

Kleine Unternehmen hätten aber gar nicht die Möglichkeit, beispielsweise den Führerschein für Lehrlinge zu bezahlen oder einen Firmenwagen zu stellen. Aber auch er versuche, seinen Nachwuchskräften etwas zu bieten. „Kleine Leckerlis, wie der Besuch von Messen, motivieren zwischendurch einfach“, sagt Wanjura.

 Ein weiteres Problem sei häufig, dass Auszubildende während der Lehre abspringen oder gute Leute von größeren Betrieben abgeworben werden. Um das zu vermeiden, müsste man heutzutage für beide Seiten interessante Verträge aufsetzen. Der Betrieb könne sich etwa dazu bereit erklären, die Mitarbeiter bei beruflichen Weiterbildungen und dem Absolvieren der Meisterschule zu unterstützen. „Ich würde wirklich gerne meine Lehrlinge übernehmen. Wir haben ja die Kapazität“, betont Wanjura. Die Auftragsbücher seien voll.

Anspruchsvolle und interessante Arbeit

Er versuche, die junge Generation für das Handwerk zu gewinnen, indem er ihr erläutere, dass die Arbeit durch die technische Entwicklung stets interessanter und anspruchsvoller werde. „Wir müssen die Durststrecke überwinden.“ Aber für die nahe Zukunft sehe er schwarz, was das Thema Ausbildung im Handwerk und Fachkräfte angehe.

 Auch der Zimmermeister Heiko Weidemann hat festgestellt, dass die Zahl der Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz in den vergangenen Jahren in seinem Betrieb in Stadthagen abgenommen hat. Auch die Zeugnisse der Bewerber seien meist nicht berauschend. Er könne in seinem Einmann-Laden zwar keine Auszubildenden annehmen. Da aber regelmäßig Praktikanten bei ihm reinschnuppern, habe er festgestellt, dass die Schüler häufig vermittelt bekommen, Handwerk sei nur etwas für Verlierer. Dabei gebe es im Handwerk durch den Bau-Boom gute Aufstiegsmöglichkeiten.

 Weidemann bemängelt zudem die fehlenden Praxiseinheiten in den Allgemeinbildenden Schulen. Werkunterricht gebe es nicht mehr. „Viele Praktikanten haben keine Ahnung, wie ein Hebel funktioniert oder wissen nicht, was eine Stichsäge ist.“

Junge Menschen tief mit Region verwurzelt

Seine Lehrlinge noch nicht locken müsse der Stadthäger Hochbaubetrieb von Denis Haase. Aber auch dort sei die Zahl der Bewerbungen gesunken. Im Baubereich sei es sehr wichtig, dass die Mitarbeiter Spaß an der Arbeit haben. Es sei körperlich anstrengend auf dem Bau. Dessen müsse sich jeder bewusst sein. Viele seien aber nicht bereit, diese Arbeit zu leisten. Nicht selten kämen die Azubis nach ein paar Monaten zum Chef und beklagten sich etwa über Rückenschmerzen.

 Fritz Pape, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft in Schaumburg, sieht die Probleme im Landkreis noch nicht so ausgeprägt. Die Unternehmen in den Ballungszentren hätten deutlich mehr Schwierigkeiten, an Auszubildende heranzukommen. „Die jungen Menschen aus Schaumburg sind tief mit der Region verwurzelt und möchten häufig hier bleiben.“

Da sie die Kontakte zu Freunden, Verein und Familie nicht verlieren möchten, bleiben sie dem Landkreis treu, hat Pape beobachtet. Aber auch er höre, dass die Schüler vermittelt bekommen, dass einzig das Abitur ein guter Abschluss sei und das Studium zu einem guten Job führe. Das müsse man aus den Köpfen heraus bekommen. jemi

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