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„Süßes Gift“ kann „Dorfgemeinschaft weiter entwickeln“

Landkreis „Süßes Gift“ kann „Dorfgemeinschaft weiter entwickeln“

„Ist ,das süße Gift‘ der EU-Fördermittel sinnvoll eingesetzt worden?“ Mit dieser Frage hat Projektmanager Christian Wiegand das diesjährige „Leader-Forum Schaumburger Land“ am Donnerstag im Kreishaus eröffnet. Antworten aus dem Kreis der 90 Teilnehmer von zahlreichen Initiativen vor Ort stellten ein „positives Zwischenfazit“ dar, wie Landrat Jörg Farr zusammenfasste.

Landkreis (ssr). „Das wertvolle Fachwerkhaus ,Hülshagen1‘ wäre sonst abgerissen worden“, erzählte Niederwöhrens Samtgemeindebürgermeister Fritz Anke. Beim Erhalt und (noch anstehenden) Wiederaufbau habe er die „Verzahnung zwischen Konzeptarbeit des Projekt-Managements und der konkreten Umsetzung durch lokale Akteure vor Ort als sehr effektiv erlebt“.
Ähnlich sah das mit Blick auf das Projekt „Badewonne“ die Nordsehler Bürgermeisterin Hanna Mensching-Buhr. Durch die Arbeit an dem Badprojekt, das mittlerweile jährlich 50000 Besucher zähle, sei „die Dorfgemeinschaft in wundervoller Weise weiterentwickelt“ worden.

Volker Wehmeyer, ehrenamtlicher Beauftragter für Baudenkmalpflege, schwärmte davon, „dass durch die Leader-Projekte viele Menschen zu ehrenamtlichem Mittun motiviert worden sind“. Die Leader-Struktur gewährleiste zudem „eine enge zielführende Kooperation zwischen vielen relevanten Beteiligten an einem Einzelprojekt“.

Auf der Ebene der Kommunen bestätigte das Olaf Boegner vom Schaumburger Land Tourismusmarketing e.V. Ohne den Leader-Impuls gäbe es die mittlerweile fruchtbare Zusammenarbeit von etlichen Städten und Gemeinden im Tourismusbereich gar nicht. Das „Reisemagazin Schaumburger Land“ und der gemeinsame Status als Reiseveranstalter seien konkrete Auswirkungen dieses neuen Miteinanders, so Boegner.

„Die Weiterentwicklung vielfältiger Partnerschaften vor Ort und über die Gemeindegrenzen hinweg ist ein Wert an sich“, charakterisierte Landrat Farr die Wirkung von Leader zusätzlich zum Geldfaktor. Insofern sei das Programm auch ein Beitrag zur Auseinandersetzung mit regionaler Identität.

4,3 Millionen Euro investiert

• Für das Leader-Programm „Kulturregion Schaumburger Land“ (2007 bis 2013) stehen rund zwei Millionen Euro an EU-Geld zur Verfügung. Durch Ko-Finanzierung aus anderen Fördertöpfen, wie etwa der Bingo-Stiftung, sollen dadurch insgesamt 4,3 Millionen Euro Investitionen ausgelöst werden.

Bislang sind 66 Projekte abgewickelt worden. Davon 32 im Bereich Tourismus und Kultur (0,5 Millionen Euro EU-Geld), 20 Vorhaben unter dem Motto Bauen und Dorf (0,7 Millionen Euro) sowie 14 Maßnahmen zum Thema Umwelt und Landwirtschaft (0,4 Millionen Euro). Projektmanager Christian Wiegand ist zuversichtlich, dass der Restbetrag bis Ende 2013 voll abgerufen werden könne.

Entscheidendes koordinierendes Gremium der grundsätzlich vor Ort gestalteten Projekte ist die kreisweite „Lokale Aktionsgruppe“, in der zehn Kommunen, der Landkreis und 24 so genannte Wirtschafts- und Sozialpartner sitzen. ssr

Was ist „Leader“?

• Leader“ (frz. Liaison entre actions de développement de l‘économie rurale, dt. Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft) ist ein Förderprogramm der EU, mit dem modellhaft innovative Aktionen im ländlichen Raum gefördert werden. Lokale Aktionsgruppen erarbeiten mit den Akteuren vor Ort maßgeschneiderte Entwicklungskonzepte für ihre Region. Ziel: ländliche Regionen Europas auf dem Weg zu einer eigenständigen Entwicklung unterstützen. Wikipedia

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