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Süßwaren-Beschaffung im Dorf

Landleben / Was der Kürbis mit Schokolade zu tun hat Süßwaren-Beschaffung im Dorf

Als Kind habe ich früher im November Matten Matten Mähren gesungen. Das war auf dem Dorf so üblich. In manchen Regionen werden andere Lieder gesungen, doch das Prinzip bleibt gleich: Viele Kinder laufen durch das Dorf und singen vor Haustüren, um schnell an viele Süßigkeiten zu kommen.

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Zu Halloween stellen manche Leute Kürbisse vor die Haustür. Dabei geht es in Wirklichkeit um sehr viel Süßigkeiten.

Quelle: Anke Weber

Das so genannte Martinssingen ist ein norddeutscher Brauch, um den sich verschiedene Geschichten ranken. Und immer wieder entbrennt ein Streit unter Kindern und Müttern, ob nun eigentlich am 10. oder am 11. November gesungen wird. Wer sehr viele Süßigkeiten braucht, geht einfach zweimal.
Inzwischen hat sich für Kinder eine dritte Süßigkeiten-Quelle aufgetan – ein Brauch aus den USA hat es bis in das Schaumburger Land geschafft. Es geht um jede Menge Kürbisse und um eine noch etwas direktere Form der Süßwaren-Beschaffung. Es wird nicht mehr zart gesungen, sondern lautstark gedroht. Als Geist oder blutendes Horror-Monster schreien die hungrigen Kids „Süßes, sonst gibt‘s Saures“ in den Raum. Da ist es ratsam, an Halloween ein paar Schoko-Riegel im Haus zu haben, um die Meute ruhig zu stellen.
In dörflicher Randlage ansässig, muss ich mir um solche Dinge normalerweise keine Gedanken machen. Aber ich gehe lieber auf Nummer sicher. Am Mittwoch war Halloween und ich beschloss, mich für alle Situationen zu wappnen. Beim Durchstreifen der Supermarkt-Regale erinnerte ich mich an klebrige Bonbons und Schokolade mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum, die damals beim Martinssingen in meinem Stoffbeutel landeten. Die beste Beute wurde bei den Müttern anderer Kinder gemacht. Die kannten sich aus. Bei den Omas wurde es grenzwertig – oft gab es dort die Bonbons, die hinterher großzügig der kleineren Schwester überlassen wurden. Jedes Dorf hatte auch seine merkwürdigen Kauze, um deren Häuser die erfahrene Kinder-Schar einen großen Bogen machte. Schließlich gab es noch einige ältere Herren, die sich mit Kindern nicht auskannten – und mit Süßigkeiten auch nicht. Dennoch kam ihre Gabe immer sehr gut an – sie zückten ihr Portemonnaie. Dennoch: Ich wollte nicht zu den Kauzen und Merkwürdigkeiten gehören. Also kaufte ich ein. Ganz frisch. Ohne Ekel-Effekt beim Auspacken.
Ich nahm die gängigen Schoko-Riegel. Das geht immer. Marke. Nicht die Nachgemachten. Mit sehr vielen Süßigkeiten fuhr ich nach Hause. Wie gesagt – bei mir singen fast nie Kinder. Ich packte das Süßzeug in Schüsseln und wartete. Der Hund schnupperte neugierig. Ich umrundete die Schalen mit gierigem Blick und stibitzte schon mal einen Schoko-Riegel. Dann noch einen. Gegen Abend war mir schlecht.
Kein einziges Kind hatte bei mir gesungen. Aber zum Glück gibt es ja noch Matten Matten Mähren. Da haben meine restlichen Schoko-Riegel eine zweite Chance. Wenn ich sie bis dahin nicht verspeist habe. Oder ist das sogar meine Pflicht? Ich weiß ja, dass die Kinder diese alte Schokolade total eklig finden!  
Anke Weber

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