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Aus dem Landkreis Syrische Flüchtlinge ziehen bald ein
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Syrische Flüchtlinge ziehen bald ein
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12:55 07.09.2015
Am Blumenweg in Gelldorf steht die Übergangswohnung für bis zu drei Familien.  Quelle: tw
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Landkreis/Gelldorf.

Aber: Anders als vom Landkreis Schaumburg zunächst gemutmaßt, handelt es sich bei beiden Flüchtlingsfamilien nicht um Menschen aus Südosteuropa, sondern aus Syrien.
Zur Sprache gekommen ist das bei einer Einwohnerversammlung, die etwa 20 Bürger sowie zehn Vertreter aus den Rathäusern Stadthagens und Obernkirchens sowie dem Ortsrat Geldorf im Dorfgemeinschaftshaus vereint hat. Neben Bergstadt-Bürgermeister Oliver Schäfer und seinem Gelldorfer Kollegen Andreas Hofmann waren es allen voran zwei Fachleute, die den Gelldorfern Rede und Antwort standen: Klaus Böhm, Leiter Sozialamt, Fachdienst Eingliederungshilfe (Stadthagen), und Sozialarbeiter Norbert Rose (Rinteln). Rose ist aktuell für 160 bis 170 Flüchtlinge zuständig – auch für die in Obernkirchen, Bad Eilsen und dem Auetal.
Nach Auskunft des Leiters Sozialamt gibt es im Landkreis Schaumburg aktuell zwischen 950 und 990 Asylbewerber; bis zum Ende des dritten Quartals 2015 müssen weitere 814 aufgenommen werden. Neben diversen Großobjekten wie einem früheren Bahnhof und einer früheren Schule sowie einem ehemaligen Altenheim hat der Kreis 124 Wohnungen angemietet – darunter auch die drei in Gelldorf.
Wenn die Syrer ab Montag die Aufnahmeeinrichtung des Landes verlassen und Gelldorf erreichen, wird eine zehnstündige Anfahrt voller Aufregungen und Behördenbesuchen hinter ihnen liegen; in der Einrichtung selbst werden sie zuvor zwei bis drei Wochen verbracht haben. „Allen voran die Kinder“, weiß Rose aus Erfahrung, „werden platt sein“.
Schon lange vorher hat die Schaumburger Beschäftigungsgesellschaft im Auftrag des Landkreises Möbel in den Wohnungen aufgestellt. Die Familien finden außerdem eine Haushaltsgrundausstattung, Bettlaken und Handtücher vor.
Als Erstes heißt es dann, für Orientierung zu sorgen. Der Sozialarbeiter zeigt den Syrern die nächsten Lebensmittelgeschäfte, transportiert das dort Eingekaufte mit dem Auto zum Blumenweg. Dort hinterlässt er Zettel mit Namen und Anschriften von Ansprechpartnern. Wichtig ist auch, dass die Flüchtlinge wissen, wo sie einen Arzt finden. Dabei räumt Rose mit einem Irrtum auf, der sich hartnäckig hält: nämlich dem, dass alle Asylbewerber auf Kosten des Steuerzahlers ihre Zähne saniert bekommen. „Die Leistungen in Sachen Medizin sind eingeschränkt“, sagt der Sozialarbeiter. Sie gingen in der Regel nicht über die akute Schmerzbehandlung hinaus.
Ihrer Zeit in Gelldorf wird für die syrischen Eltern von zweierlei Dingen geprägt sein: Von Untätigkeit geprägte Phasen zermürbenden Wartens – Flüchtlinge dürfen drei Monate nicht arbeiten – werden sich mit ausgedehnten Behördengängen und abermaligen Fahrten in die Landesaufnahmeeinrichtung abwechseln. Die Kinder werden den Leerlauf weniger spüren: Sie sind bis zum 18. Lebensjahr schulpflichtig.
Wie lange die zehn Menschen schließlich am Blumenweg bleiben, das ist heute schwer zu sagen und hängt von der Dauer der Anhörung ab, die sich sechs Monate ziehen kann. In der Zwischenzeit werden sie von Rose angehalten, sich selbst eine eigene Wohnung zu suchen.
Bleibt am Ende die Frage, wie die Gelldorfer den Neubürgern aus Syrien helfen können: Ergänzende Haushaltsgegenstände sollten die Bürger am Besten direkt zu den Familien bringen. Kleiderspenden sollten im DRK-Shop, Neumarktstraße 23, abgegeben werden. „Am wichtigsten aber“, so der Sozialarbeiter, „sind für die Flüchtlinge Fahrräder“. Denn der Gelldorfer Blumenweg ist zu Fuß vergleichsweise abgeschnitten – und Busfahrten kosten Geld. tw

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