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Total tödlich oder reine Routine?

Krankenhauskeime in Mindener Klinikum Total tödlich oder reine Routine?

Auf der Intensivstation des Johannes Wesling Klinikums sind vergangene Woche MRSA-Keime bei sieben Patienten festgestellt worden.

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Mit Abstrichen wurden 200 Mitarbeiter des Klinikums auf MRSA-Keime getestet. Sieben waren positiv.

Quelle: dpa

MINDEN. Die auch als Krankenhauskeime bezeichneten Erreger sind an sich nicht ungewöhnlich, etwa vier Prozent der Bevölkerung sollen sie in sich tragen. Bei schwerkranken Menschen mit geschwächtem Immumsystem können diese Keime aber gefährlich werden, da sie gegen viele Antibiotika resistent sind. Drei der sieben Patienten, die die Keime in sich trugen, sind verstorben. Laut Steffen Ellerhoff, Pressesprecher des Klinikums, „wären diese Patienten nach Einschätzung der behandelnden Ärzte aber so oder so verstorben.“

Patienten, die auf die Intensivstation des Johannes Wesling Klinikums kommen, werden laut Ellerhoff grundsätzlich auf diese Keime getestet, die viele gesunde Menschen ohne Symptome in sich tragen. Zusätzlich führe man zweimal wöchentlich ein Routinescreening durch, und teste auf MRSA-Keime. Wie dabei festgestellt wurde, wiesen sieben Patienten den Keim auf, die ihn beim Eintreffen in das Klinikum noch nicht in sich trugen. Vier davon gehörten zum selben Erregertyp, was auf eine gemeinsamen Überträger hinweißt, erklärt Franz-Josef Schmitz, Direktor des Instituts für Labormedizin, Mikrobiologie, Hygiene, Umweltmedizin und Transfusionsmedizin der Klinik.

7 Mitarbeiter positiv getestet

Daher leitete das Klinikum umgehend umfangreiche Mitarbeiteruntersuchungen ein, um mögliche Überträger zu identifizieren. Nach einem ersten Zwischenergebnis sind sieben der 200 Mitarbeiter positiv auf MRSA-Keime getestet worden. Das müsse aber nichts mit der aktuellen Übertragung zu tun haben, betont Schmitz.

Zeitgleich wandte sich das Klinikum an die Öffentlichkeit. „Beim Gesundheitsamt, an das wir uns ebenfalls gewandt haben, hat man uns groß angeschaut, als wir meinten, eine Medieninformation sei sinnvoll“, sagt Ellerhoff, „das sei doch alles reine Routine.“ Doch beim Klinikum vertrat man die Ansicht, Tests bei 200 oder mehr Mitarbeitern würden sofort „eine riesige Gerüchtewolke produzieren“, der man mit einer transparenten Öffentlichkeitsarbeit entgegenwirken wollte.

Jene Mitarbeiter des Klinikums, die positiv auf MRSA-Keime getestet wurden, werden jetzt ohne Patientenkontakt eingesetzt. Sie werden mit Antibiotika behandelt und im regelmäßig auf eine weiter bestehende Belastung hin überprüft, so Schmitz: „Ich beschäftige mich seit 20 Jahren mit MRSA und habe schon einige derartige Ausbrüche miterlebt.“

Er streicht auch heraus, dass nur aufgrund der beiden freiwilligen Maßnahmen des Mindener Klinikums, dem Eingangsscreening und dem Routinescreening auf MRSA, die Belastung durch die Keime überhaupt erst festgestellt worden sei. „Unter normalen Umständen, in fast jeder anderen Klinik, würde man eine derartige Besiedlung gar nicht feststellen.“ jak

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Was sind MRSA-Keime?

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Die Abkürzung MRSA steht für „Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus“. Es ist einer der am häufigsten auftretenden multiresistenten Erreger. Darunter versteht man Bakterientypen, die unterschiedlich ausgeprägte Resistenzen gegen Antibiotika entwickelt haben. Je nach Typ stehen noch mehr oder weniger Medikamente zur Verfügung, die man zur Therapie verwenden kann.
Bei dem im Mindener Klinikum festgestellten Stamm handelt es sich laut einer Genomanalyse um „t10159“, einen sehr seltenen MRSA-Stamm. Er soll aber noch relativ gut auf Antibiotika ansprechen, erklärte Prof. Dr. med. Franz-Josef Schmitz. Dieser Keim, so wie alle multiresistenten Erreger, können gesunde Menschen ein Leben lang in sich tragen, ohne daran zu erkranken. Experten sprechen in diesem Fall von einer Besiedelung, nicht von einer Infektion. Der Keim besiedelt häufig den Mund- und Rachenraum. Problematisch kann ein solcher Keim werden, wenn er in Körperregionen bei immungeschwächten Menschen gelangt, sich unkontrolliert vermehrt und dort eine Infektion auslöst.
Die Übertragung erfolgt vorwiegend über direkten körperlichen Kontakt. Eine Übertragung durch die Luft bei einer reinen Besiedlung der Haut findet nicht statt, der Keim „springt“ im Krankenhaus also nicht von Patient zu Patient.  red

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