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Übermorgen statt morgen

Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt integrieren Übermorgen statt morgen

Einen neuen Job zu finden – das ist häufig gar nicht so einfach. Kommen dann auch noch Sprachbarrieren dazu, ist es besonders schwierig, einen Arbeitgeber von sich zu überzeugen. Deshalb sei es auch kein Wunder, dass die Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt Zeit in Anspruch nehme.

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Ein Praktikumsplatz ist meist der erste Schritt, um eine Ausbildungsstelle oder einen Arbeitsplatz zu bekommen. Das gilt auch für Flüchtlinge, die auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen wollen.

Quelle: DPA

LANDKREIS. Cornelia Kurth, Geschäftsstellenleiterin der Agentur für Arbeit Schaumburg, spricht von mehreren Jahren, bis eine erfolgreiche Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt gelingen kann. Aus diesem Grund nennt Kurth die Menschen auch die „Fachkräfte von übermorgen“. Von den Asylsuchenden, die 2015 nach Deutschland kamen, würden nun die ersten auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen – von ersten Erfolgsgeschichten berichtet Nadine Wassermann, die bei der Arbeitsagentur für die Vermittlung der Flüchtlinge zuständig ist. Immer wieder konnten in den vergangenen Monaten Flüchtlinge in Betrieben untergebracht werden.

„Das wichtigste ist einfach erst einmal, die deutsche Sprache zu lernen“, macht Wassermann deutlich. Hier spielen Fördersprachketten eine wichtige Rolle. Neben den ersten Kursen gibt es im Anschluss unterschiedliche zertifizierte, aufbauende und berufsbezogene Lerneinheiten. Da es üblich ist, dass die Asylsuchenden mehrere Kurse belegen müssen, um einen gewissen Sprachschatz zu erreichen, reiche ein halbes Jahr bei Weitem nicht aus. Ein gutes Jahr sei deutlich realistischer, um auch schriftlich ein gewisses Level zu erreichen.

Vertrauen ist wichtig

Kurth betont, dass sie die Arbeit nicht als schleppend empfindet, sondern schlicht als umfangreich. „Auch wir mussten das Vermitteln zunächst lernen.“ Schließlich hätten sich einige Herausforderungen erst im Alltag herauskristallisiert. Gerade in Bezug auf Religionen oder Kultur mussten Kurth und Wassermann Erfahrungen sammeln.

Eine ganz wichtige Rolle spiele es, Vertrauen zu schaffen. Schließlich seien die Menschen auch von ihren Landsleuten häufig enttäuscht worden und demnach auch in Deutschland allen Menschen und Behörden zunächst kritisch gegenüber eingestellt.

Wassermann hat festgestellt, dass die Flüchtlinge, die zur Agentur für Arbeit kommen, sehr motiviert seien. Das liege auch daran, dass sie aus freiwilligen Stücken kommen, da sie noch nicht anerkannt sind. Die Asylberechtigten und bereits anerkannten Flüchtlinge dagegen arbeiten mit dem Jobcenter oder dem zugelassenen kommunalen Träger zusammen, erläutert Kurth. Im Schnitt haben sich die Arbeitsvermittler in den vergangenen Monaten im Schnitt um 320 bis 350 Menschen gekümmert. In Spitzenzeiten seien es sogar 430 Personen gewesen. Viele von ihnen seien mittlerweile aber auch beim Jobcenter angesiedelt. Die Zahlen verschieben sich also immer weiter – bei der Agentur für Arbeit werden es weniger beim Jobcenter mehr.

Vom Praktikanten schnell zum Auszubildenden

Es sei zwar wichtig, dass die Asylsuchenden Praktikumsplätze finden, um Arbeitsluft zu schnuppern. Dabei helfen beispielsweise sogenannte Sprint-Dual-Klassen. Hier gibt es Kooperationen zwischen Schulen und Betrieben. Ziel ist es, über ein Praktikum zu einem Ausbildungsplatz zu kommen. In Stadthagen hat das laut Wassermann zuletzt in zwei Friseursalons und einem Malerbetrieb funktioniert. In Rinteln seien fünf Flüchtlinge nach einem Praktikum übernommen worden. Kurth betont, dass die Flüchtlinge auf keinen Fall zu Dauerpraktikanten mutieren sollen.

Den meisten von ihnen sei es wichtig, rasch Geld zu verdienen. „Für Flüchtlinge gilt der Mindestlohn ebenfalls.“ Es sei auch möglich, dass die Menschen sich noch weiter qualifizieren, während sie in einem Job arbeiten.

Größere Unternehmen seien bisher noch zurückhaltend, Asylsuchende einzustellen. Sie hätten eher Interesse an gut ausgebildeten Facharbeitern. Am besten klappe die Vermittlung an mittel-große Betriebe, berichtet Kurth.

Generell habe die Geschäftsstellenleiterin festgestellt, dass sich die Flüchtlinge in Schaumburg wohlfühlen. Behörden und Vereine seien in einer eher ländlich geprägten Gegend meist offener und leichter zugänglich. Wohin der Weg für die Flüchtlinge am deutschen Arbeitsmarkt noch führe, kann Kurth nicht vorhersagen. Viele von den bereits angekommenen Menschen wollen ihre Familie noch nach Deutschland holen. Andere dagegen gehen freiwillig in ihr Heimatland zurück. jemi

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