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Aus dem Landkreis Überzeugungsarbeit ist die größte Hürde
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Überzeugungsarbeit ist die größte Hürde
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15:08 02.08.2011

Landkreis (kil). „Vom aktuellen Aufschwung am Arbeitsmarkt konnten sie noch nicht profitieren“, berichtete Astrid Hahner, Mitarbeiterin der Arbeitsagentur.

Im Vergleich zum gesamten Agenturbezirk sei die Situation in Schaumburg etwas schlechter. Ein Team speziell geschulter Mitarbeiter ist für die Integration Schwerbehinderter in den Arbeitsmarkt zuständig. Ein wesentlicher Unterschied zur „normalen“ Vermittlung: „Wir arbeiten viel individueller“, erzählte Hahner. Überzeugungs- und Aufklärungsarbeit in den Betrieben zählten zu den wichtigsten Aufgaben. „Die Vorurteile der Arbeitgeber sind oft groß“, sagte sie.

Davon abgesehen haben Arbeitgeber eine gewisse Pflicht. Die sogenannte „Fünf Prozent-Regel“ besagt, dass in einer Firma ab 20 Mitarbeitern, mindestens fünf Prozent Schwerbehinderte beschäftigt sein müssen. Für jede nicht besetzte Pflichtstelle sind Ausgleichsabsatzabgaben zu zahlen, was Teamleiterin Kathrin Schwerdtfeger zufolge öfters vorkommt. Die größte Gruppe der Kunden bildeten die über 50-Jährigen sowie Menschen mit Behinderungen des Stütz- und Bewegungsapparates.

Zu den Aufgaben der Arbeitsagentur gehöre außer aufklärerischen und beratenden Tätigkeiten auch die Übernahme von Lohnkostenzuschüssen an Arbeitgeber sowie von Kosten für Umrüstungen am Arbeitsplatz. „Ich schaue mir die örtlichen Gegebenheiten genau an und gucke, ob sie den Leistungsfähigkeiten des Kunden entsprechen,“ erklärte Hahner. So müssten zum Beispiel für einen Hörgeschädigten, der eine Maschine bedient, lautliche Signale auf visuelle umgestellt werden.

Aktuell laufe zudem ein Sonderprogramm des Landes Niedersachen zur Beschäftigung Schwerbehinderter. Für eine befristete Beschäftigung für drei bis sechs Monate können Unternehmen mit Betriebssitz in Niedersachsen eine Förderung erhalten. „Einstellungen müssen bis zum 31. Dezember 2011 erfolgen“, betonte Hahner, die in dieser Probephase eine Möglichkeit für beide Seiten sieht, herauszufinden, ob die Arbeitsstelle die richtige ist.

Als schwerbehindert gelten Schwerdtfeger zufolge Menschen mit einem Behinderungsgrad von 50 Prozent. Die Dunkelziffer liege vermutlich höher als die Zahl der Gemeldeten, denn es bestehe in der Regel keine Pflicht, den Arbeitgeber über seine Behinderung zu informieren.

In den Kundenkreis fielen darüber hinaus Personen, die nicht im eigentlichen Sinn als schwerbehindert gelten, aber einer ähnlichen Vermittlungsarbeit bedürften. Hierzu zählten unter anderem Menschen mit Lernbehinderungen und psychischen Erkrankungen, so Hahner.