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Aus dem Landkreis Unmut über Seniorentaxi-Bons
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Unmut über Seniorentaxi-Bons
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20:21 10.02.2014
Der Düdinghäuser Wolff Marhenke weist beim Bon-System auf „unzumutbaren Bürokratismus“ hin. Quelle: ssr
Von Stefan Rothe Landkreis

Die Firmen Taxi-Kallinich (Auhagen) und Taxi-Meuter (Hagenburg) zeigen dem Bon-System nämlich die kalte Schulter und machen dabei nicht mehr mit. Und dafür hat Marhenke sogar großes Verständnis.

 Mit den Bons können Senioren innerhalb des Kreises verbilligt Taxi fahren. Bis zu 25 Euro im Jahr können eingesetzt werden, jeweils höchstens bis zur Hälfte eines Fahrpreises. Das Ganze gilt für die Abendstunden, für Wochenenden und Feiertage – also ganz bewusst als Ergänzung außerhalb der klassischen ÖPNV-Zeiten, denn dieser soll durch das Seniorentaxi keine Konkurrenz bekommen.

 „Einen unzumutbaren bürokratischen Aufwand für die Taxiunternehmen“ stelle das Bon-System dar, kritisiert Marhenke. Dass dies für ihn der Grund für die Kündigung des Bon-Vertrages mit dem Landkreis ist, bestätigt Taxiunternehmer Gunnar Kallinich: „Viel zu viel Aufwand für zu wenig Ertrag.“ Noch im Taxi müsse er in Anwesenheit des Kunden teils mehrere Bons ausfüllen und unterschreiben lassen. Taxinummer, Datum, Uhrzeit, Preis und die genaue Fahrtstrecke müssen angegeben werden. „Das dauert in Einzelfällen so lange, dass mir andere Fahrten entgehen“, berichtet Kallinich.

 Ähnlich sieht das Michael Meuter, Verkehrsleiter der gleichnamigen Taxifirma Meuter, die nach Übernahme eines Hagenburger Unternehmens nicht in das Bon-System einsteigen mag. „Zu viel Arbeitszeit für Bürokratie, das rechnet sich nicht.“ Denn sämtliche Bon-Fahrten müssten auch noch in eine Liste eingetragen, das Ganze dann zur Kreisverwaltung geschickt werden.

 Was Marhenke darüber hinaus stört: „Was geht den Landkreis an, wann ich mit einem Taxi von exakt hier nach exakt da fahre?“ Da entstünden regelrechte „Bewegungsprofile“, das sei aus Sicht des Datenschutzes höchst bedenklich, beschwert sich der Düdinghäuser.

 „Der bürokratische Aufwand hält sich nun wirklich in Grenzen“, entgegnet auf Anfrage der Erste Kreisrat Klaus Heimann. Dieser sei aber nötig, um „stichprobenartig kontrollieren zu können“, dass die Bon-Fahrten in den vorgesehenen Zeiträumen und innerhalb des Kreisgebietes bleiben. Als man das in früheren Zeiten laxer handhabte, sei prompt vielfach Missbrauch getrieben worden.

 Heimann betont, dass es sich bei den Seniorentaxi-Bons um „ein gänzlich freiwilliges Angebot“ des Landkreises handele, das Senioren, aber auch Taxi-Unternehmen durch die Chance auf zusätzlichen Umsatz zugute kommen solle. „Wenn es um öffentliches Geld geht, muss aber ein Verwendungsnachweis sichergestellt werden“, so Heimann. Wenn im Norden des Kreises nun einzelne Unternehmen aussteigen oder nicht einsteigen, „müssen wir das akzeptieren“, so Heimann. Doch kreisweit 25 Unternehmen seien seit Langem und auch weiter dabei, „von denen hören wir keinerlei Kritik“.

 Zum Datenschutz: Alle Nutzer des Bon-Systems müssen laut Heimann zuvor eine Einverständnis-Erklärung unterschreiben. „Wir garantieren dabei, dass die Daten auf den Bons nur intern verwendet und streng vertraulich gehandhabt werden.“