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VW-Abgasskandal auch in Schaumburg zu spüren

Schadensbegrenzung VW-Abgasskandal auch in Schaumburg zu spüren

Der VW-Abgasskandal schlägt auch in Schaumburg hohe Wellen. Während Händler aus der Region um Schadensbegrenzung bemüht sind, rät ein Rechtsanwalt aus Stadthagen betroffenen Kunden, rechtliche Schritte einzuleiten.

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Quelle: dpa

Landkreis (ber). „Das Thema ist allgegenwärtig“, sagt Ercan Horoz, Geschäftsführer der Autohaus Schulze GmbH, die als VW-Vertragspartner in Stadthagen und Wunstorf Niederlassungen betreibt. „Aber 90 Prozent unserer Kunden haben nach wie vor großes Vertrauen in VW.“
Vereinzelt seien verärgerte Kunden auf ihn zugekommen, die ihr gekauftes Auto wieder zurückgeben wollten. „Aber als VW deutlich gemacht hat, dass sich der Konzern um alles kümmert und für den Kunden kein Schaden entstehen wird, hat sich das gelegt“, betont Horoz.
Auch die Autohaus Schulze GmbH gehe das Problem offensiv an und prüfe bei jedem Kunden anhand der Fahrgestellnummer, ob möglicherweise Handlungsbedarf bestehe, versichert der Geschäftsführer. Er betont: „Kosten für die Kunden entstehen in keinem Fall.“
Auch den Vertragswerkstätten habe der Mutterkonzern zugesagt, sämtliche Kosten für die Umrüstung betroffener Fahrzeuge zu erstatten. „Das ist aber knapp kalkuliert. Verdienen tun wir daran nichts“, betont Horoz, der mit dem Vorwurf aufräumen will, die Werkstätten würden sich durch den Skandal gesund stoßen.
Gerade durch die Insolvenz des Autohauses Sölter, deren Standort an der Vornhäger Straße Schulze übernommen hat, seien die Auftragsbücher voll, erklärt Horoz. „Wir sind daher personell sehr gut aufgestellt.“ Dies habe den Nebeneffekt, dass der Werkstatt nun kein Kollaps drohe, wenn verstärkt Fahrzeuge umgerüstet werden müssten.
Dass es in Schaumburg vermehrt zu Klagen gegen VW und die Vertragshändler kommen könnte, glaubt Horoz nicht. „Hier im Norden wissen alle, wieviele Menschen für VW arbeiten. Sie wollen der Region nicht schaden.“ Zumal der Konzern sich sehr schnell um Transparenz bemüht habe.
Den Aufklärungswillen vermisst die heimische Bundestagsabgeordnete Katja Keul (Grüne) dagegen bei der Bundesregierung. Bereits Ende September habe sie wissen wollen, ob die Gefahr bestehe, dass Millionen von Fahrzeugen die Betriebserlaubnis entzogen werden müsse, so Keul. Man kenne die „Sachzusammenhänge“ noch nicht, habe ihr der Parlamentarische Staatssekretär für Verkehr geantwortet – für Keul ein „Ausweichmanöver“.
Auch den Bericht über die Konsequenzen aus dem VW-Skandal sei die Bundesregierung trotz dreimaliger Nachfrage schuldig geblieben. „Der VW-Vorstand und das Verkehrsministerium agieren in puncto Skandalträchtigkeit so langsam auf Augenhöhe“, kritisiert die Schaumburger Abgeordnete.
Inzwischen habe das Kraftfahrtbundesamt den Rückruf der betroffenen Wagen angeordnet, und nun könnten Tausende Verbraucher zeitweise ohne Auto dastehen. Die Frage, wie die Regierung den Betroffenen Klarheit verschaffen und sie in Zukunft besser schützen wolle, sei nach wie vor offen, beklagt Keul.
Künftig müssten „in Deutschland Abgaswerte von unabhängigen staatlichen Stellen geprüft werden“. Das Kraftfahrtbundesamt, bei dem nie kontrolliert werde, was in Zulassungsdokumenten bescheinigt sei, könne nicht einfach so weitermachen, fordert die Grünen-Abgeordnete.
„Für uns ist nach wie vor entscheidend, was in den Fahrzeugbriefen der Zulassungsstelle steht“, bestätigt Hans-Werner Vischer, Sprecher des für die Eintreibung der Kfz-Steuer zuständigen Hauptzollamtes Hannover auf Anfrage der SN. Ob Halter betroffener Fahrzeuge künftig mehr Steuern zahlen müssen, weil der Co2-Ausstoß ihrer Autos höher ist, als im Fahrzeugbrief angegeben, weiß Vischer nicht. „Wir haben noch keine Erkenntnisse, in welche Richtungen das geht. Aber VW hat ja verkündet, sich um alles kümmern zu wollen.“

Anwalt rät VW-Kunden zur Rechtshilfe

Der Stadthäger Rechtsanwalt Sebastian Müsing von der Kanzlei Jordan & Berndt rät betroffenen VW-Kunden, sich dringend einen Anwalt zu suchen. Ansonsten drohten „fatale Rechtsnachteile wie die Verjährung sämtlicher gewährleistungsrechtlicher Ansprüche gegen den Verkäufer“.
Vordergründig sei entscheidend, ob der Mangel im Gewährleistungszeitraum aufgetreten ist. Dieser betrage bei Neufahrzeugen zwei Jahre, bei Gebrauchtwagen ein Jahr nach Übergabe des Fahrzeuges. Innerhalb dieses Zeitraums müsse der Verkäufer dafür sorgen, dass der Käufer ein mangelfreies Auto erhält – sei es durch Nachbesserung oder durch die Nachlieferung eines neuen, mangelfreien Fahrzeugs. Außerhalb des Gewährleistungszeitraums stünden dem Kunden dagegen in der Regel nur noch Schadensersatzansprüche gegen den Hersteller zu, wenn beispielsweise der Wert des Autos gemindert sei.
Nach Auffassung von Müsing spiele der VW-Konzern auf Zeit, „um so den Käufer ins Verderben laufen zu lassen, da dessen Gewährleistungsrechte zwei Jahre nach Ablieferung des Autos verjährt sind“. Diese „banale Taktik“ werde durch die „Untätigkeit und Planlosigkeit der deutschen Politik, insbesondere von Bundesverkehrsminister Dobrindt, befeuert“.
Die Stadthäger Anwaltskanzlei vertritt nach Angaben von Müsing derzeit rund 50 Käufer eines VW, „die uns mit der Durchsetzung von Gewährleistungs- und Schadensersatzansprüchen beauftragt haben, weil sie sich zu Recht vom Hersteller im Stich gelassen fühlen“.

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