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„Verhandlungstisch ersetzt Schlachtfeld“

Ortsversammlung der Volksbank „Verhandlungstisch ersetzt Schlachtfeld“

Die Volksbank in Schaumburg hat zu ihrer Ortsversammlung den Journalisten Rolf-Dieter Krause eingeladen. Der frühere, langjährige Leiter des ARD-Europastudios (Brüssel) gab eine Einschätzung zur Situation der EU.  Experten der Volksbank informierten über die Digitalisierung im Bankwesen.

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Rolf-Dieter Krause ist als Referent geladen.

Quelle: WK

GELLDORF. „Welche Zukunft hat Europa?“ Angesichts etlicher ungelöster wirtschaftlicher Schwierigkeiten innerhalb der EU sowie zunehmender nationalistischer Bestrebungen in manchen Mitgliedsstaaten ist dies eine Frage, die derzeit viele Menschen beschäftigt. Zumal sich durch den von Großbritannien angekündigten Austritt aus der Gemeinschaft („Brexit“) erste reale Auflösungserscheinungen zeigen. Ein wichtiges Thema also, weshalb die Volksbank in Schaumburg den Journalisten Rolf-Dieter Krause zu ihrer Ortsversammlung eingeladen hat, um von dem früheren, langjährigen Leiter des ARD-Europastudios (Brüssel) eine Einschätzung zur Situation der EU zu erhalten.

Eine große Gesamtkrise

Dank der jüngsten Wahlniederlagen der Rechtspopulisten in Österreich, den Niederlanden und Frankreich sei Europa in diesem Jahr zwar „noch einmal davongekommen“, dennoch sei der Zustand Europas „nicht gut“, berichtete der Experte. Denn die grundlegenden Probleme seien weiterhin nicht gelöst. So hätten sich Einzelkrisen (etwa Euro, Banken und Flüchtlinge) sowie die innerhalb des EU-Raumes bestehenden wirtschaftlichen Unterschiede zu einer „großen Gesamtkrise“ verdichtet, deretwegen die allgemeine Zustimmung zum Projekt Europa gesunken sei. Und das nicht nur bei einer „nicht mehr zu vernachlässigenden Minderheit in der breiten Bevölkerung“, sondern zum Teil auch seitens der politischen Akteure. Zudem böten nationale Interessen der EU-Mitgliedsstaaten reichlich Potenzial für Konflikte.

Krause hob hervor, dass die multilaterale Zusammenarbeit in Europa allen Mitgliedsstaaten Wohlstand gebracht und nun schon über viele Jahrzehnte auch den Frieden in Europa gesichert habe. Mit der EU seien nämlich Institutionen geschaffen worden, in denen man auf Augenhöhe miteinander rede, Kompromisse finde und Konflikte ohne Blutvergießen austrage. Europa habe somit „das Schlachtfeld durch den Verhandlungstisch ersetzt“.

„Ungleichgewichte“ seit Einführung des Euros

Wenn schon Politiker polemisch über das europäische Projekt herziehen, um bei ihren Wählern „billig“ zu punkten, warum sollen sich dem dann nicht normale Bürger anschließen, kritisierte der Referent. Gleichwohl, räumte er ein, gebe es seit Einführung des Euro durchaus „Ungleichgewichte“ innerhalb der EU (etwa die Staatsverschuldung und die Wettbewerbsfähigkeit südlicher Mitgliedsländer), was den dortigen Nationalismus nähre.

Mit den viel beschworenen gemeinsamen Werten innerhalb der europäischen Gemeinschaft ist es laut Krause bisweilen auch nicht weit her. So strebe beispielsweise Ungarn eine illiberale Demokratie an, wofür das Land unter anderem „die Pressefreiheit fast ganz und die Unabhängigkeit der Justiz weit ausgehöhlt“ sowie „ein System der Korruption und Vetternwirtschaft“ geschaffen habe. „Auf dem gleichen Weg“ sei die polnische Regierung, die bislang aber noch auf den Widerstand der Bevölkerung stoße. In beiden Fällen fehle der EU eine wirksame Handhabe, um Einhalt zu bieten.

Krause fordert klärende Debatte

Mit Blick auf die Zukunft Europas forderte Krause „eine klärende Debatte darüber, was wir unter Europa verstehen und wie wir es damit halten wollen“. An die Nationalisten gerichtet, betonte er: „Kein europäischen Land wäre allein in der Lage, in Handelsvereinbarungen mit den großen Wirtschaftsmächten seine Interessen zu wahren. Nur die EU als Ganzes bringt das dafür erforderliche Gewicht auf die Waage.“ Für die Ewig-Gestrigen hatte er noch diese Botschaft parat: „Die Globalisierung ist nicht mehr aufzuhalten.“

Wenn jedoch einzelne Mitgliedsstaaten wie aktuell beispielsweise Großbritannien die EU verlassen wollen, sei dies nicht per se schlimm, da sich die Stärke der (verbleibenden) Gemeinschaft aus deren „innerer Geschlossenheit“ ergebe, meinte Krause.

Experten der Volksbank informierten bei der Ortsversammlung über die zunehmende Digitalisierung im Bankwesen. Diese biete den Kunden durchaus viele Vorteile, etwa wenn es darum geht, sich über das Immobilienangebot des Geldinstitutes zu informieren oder Geld per Online-Banking zu überweisen. „Wir müssen als Volksbank am Ball bleiben, damit wir nicht den Anschluss verlieren“, kommentierte Vorstandsmitglied Reinhard Schreeck das Thema Digitalisierung. wk

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