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Versorgungsstärkungsgesetz:Skepsis bei Schaumburger Medizinern

Klagen bis kein Arzt kommt Versorgungsstärkungsgesetz:Skepsis bei Schaumburger Medizinern

 Mit dem „Gesetz zur Stärkung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung“ (GKV-Versorgungsstärkungsgesetz) will Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) den Ärztemangel auf dem Land bekämpfen. Doch bei den Medizinern in Schaumburg stößt der Maßnahmenkatalog auf Skepsis.

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Dass sich durch das Versorgungsstärkungsgesetz mehr Mediziner auf dem Land niederlassen, bezweifeln die Ärzte in Schaumburg.

Quelle: dpa

Landkreis. Frank Keller, Facharzt für Allgemeinmedizin mit einer Praxis am Markt in Stadthagen, hält „nichts“ von dem Gesetz. Dass die kassenärztlichen Vereinigungen frei werdende Arztsitze in überversorgten Gebieten aufkaufen sollen, bezeichnet Keller als „planwirtschaftliche Steuerung. Das geht in die Hose.“

Auch der Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen, Dr. Uwe Köster, hält dies nicht für zielführend. „Damit ist nicht gesagt, dass ein Arzt, der in der Stadt nicht zum Zug kommt, sich auf dem Land niederlässt. Es wird vielmehr einen Run auf die wenigen Arztsitze in den Städten geben. Und wer leer ausgeht, wechselt ans Krankenhaus.“

Dass künftig eine Praxis in einem überversorgten Gebiet nur dann nachbesetzt werden soll, wenn dies für die Versorgung der Patienten sinnvoll ist, sei problematisch. „Die Bedarfszahlen, die ein Gebiet als über- oder unterversorgt ausweisen, basieren auf Berechnungen aus den siebziger Jahren“, erklärt Keller. Seitdem habe sich die Situation völlig verändert. „Die Bevölkerung wird immer älter, die Menschen leben heute mit Erkrankungen, die früher nicht mehr therapierbar waren.“

Dadurch, dass die Bevölkerung immer älter werde, steige auch der Bedarf an ärztlicher Versorgung. Das heißt: Heute müsste es mehr Ärzte pro Einwohner geben als in den siebziger Jahren.Erschwerend hinzu komme das sogenannte Regelleistungsvolumen. Köster: „Ein Arzt darf nur eine festgelegte Zahl an Kassenpatienten behandeln und abrechnen. Die meisten Ärzte liegen schon darüber. Aber das lässt sich nicht unbegrenzt ausweiten.“ Dies führe dazu, dass ein Arzt beispielsweise nur vier Tage in der Woche seine Praxis für Kassenpatienten öffne – und den fünften Tag für Privatpatienten reserviere.

Statt durch Verbote in den Markt einzugreifen, da sind sich Keller und Köster einig, sollte der Staat für Ärzte mehr Anreize schaffen, sich niederzulassen. Keller beklagt die fehlende Planungssicherheit durch sich ständig ändernde Gesetze. Außerdem sehe sich ein niedergelassener Arzt schnell Regressforderungen der Krankenkassen ausgesetzt. „Man wird als Krimineller und Pfuscher abgestempelt.“

Auch Ekkehard Dahm, Hausarzt in Beckedorf, ist der Ansicht, dass die Gesundheitspolitiker „an der Situation vor Ort vorbei regieren. Die Leistungserbringer kriegen den Druck. Junge Mediziner trauen sich oft gar nicht mehr, eine Praxis zu eröffnen.“ Pro Patient stehe ihm ein festes Budget zur Verfügung, um Medikamente, Heil- und Hilfsmittel zu verordnen. „Für Heilmittel wie Krankengymnastik oder Ergotherapie sind das 4,80 Euro pro Quartal. Liege ich darüber, drohen mir Regressforderungen der Krankenkassen. Ganz egal, ob ich Patienten habe, die die Behandlung zur Heilung benötigen.“ Die Folge sei ein „Verlust der Mitmenschlichkeit im Gesundheitssystem. Daran wird auch das Versorgungsstärkungsgesetz nichts ändern.“ ber

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