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Vielleicht nicht geliebt, aber respektiert

Gleichstellungsbeauftragte Vielleicht nicht geliebt, aber respektiert

Undine Rosenwald-Metz macht sich keine Illusionen über Vorurteile, die es ihr gegenüber als Gleichstellungsbeauftragter des Landkreises gegeben hat und vielleicht auch heute noch gibt. „Die hat Haare auf den Zähnen und keine Freunde“, zählt die 60-Jährige lachend auf.

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Undine Rosenwald-Metz – dass sie nach der Hochzeit einen Doppelnamen tragen würde, habe nie zur Diskussion gestanden – gibt zum 1. Juli ihren Posten als Gleichstellungsbeauftragte ab.

Quelle: col

Landkreis. Doch Anfeindungen wie diese habe sie nie an sich herankommen lassen in den 27 Jahren. So lange hat sie als Frauen- beziehungsweise Gleichstellungsbeauftragte gearbeitet, die vergangenen 23 Jahre beim Landkreis Schaumburg.

Am 30. Juni endet diese Ära. Im SN-Gespräch blickt die Feministin zurück und gibt ihrer Nachfolgerin Nadine Parsel eines mit auf den Weg: „Du wirst in diesem Posten nicht geliebt, aber du musst es schaffen, respektiert zu werden.“ Es gehe heutzutage zwar nicht mehr darum, für das Wahlrecht der Frauen zu kämpfen. Aber für Gleichstellungsbeauftragte gebe es auch aktuell noch viele Aufgaben, ist Rosenwald-Metz überzeugt.

Dabei sei es wichtig, eine klare Haltung zu haben. „Dass Frauen in vielen Bereichen noch diskriminiert werden, da lasse ich nicht mit mir streiten, das ist so. Ebenso muss Gewalt gegen Frauen ausgeschlossen sein.“

Als im November 2016 bekannt wurde, dass im neuen Gesamtklinikum keine Antreibungen mit „sozialer Indikation“ mehr möglich sein sollten, reagierte Rosenwald-Metz sofort. Gemeinsam mit Entscheidungsträgern aus Politik und Verwaltung, der Awo Schaumburg und den Beratungsstellen ist sie gegen diese Entscheidung Sturm gelaufen.

„Denn egal, wie die persönliche Meinung zu diesem Thema lautet, es ist eine freie Willenserklärung der Frau und es ist auch eine Errungenschaft in diesem Landkreis, dass Frauen sich für die ,soziale Indikation‘ entscheiden können.“ Rosenwald-Metz weiß, dass auch die Umsetzung im Klinikum noch gut begleitet werden muss.

Keine Herzensentscheidung

Dass sie dann nicht mehr selbst eingreifen kann, sei keine „Herzensentscheidung“ gewesen, betont die 60-Jährige, „sondern eine der Vernunft“. Seit bereits elf Jahren ist Rosenwald-Metz auch Direktorin der Volkshochschule Schaumburg – die Doppelbelastung sei auf Dauer einfach zu viel gewesen.

Außerdem ist Rosenwald-Metz überzeugt, dass es der richtige Schritt ist, den Posten in jüngere Hände zu geben; an jemanden, der selbst als junge Mutter vor der Aufgabe steht, Beruf und Familie zu vereinbaren. Noch immer sei dies schwierig, obwohl der Ausbau der Kinderbetreuung auf einem guten Weg sei. „Aber es gibt noch immer keinen Anspruch auf einen Krippen- oder Hortplatz“.

Das Amt der Frauenbeauftragten wurde 1988 erstmals in Deutschland besetzt. 1991 übernahm die Soziologin Rosenwald-Metz das Amt der Frauenbeauftragten in ihrem Heimatort Seelze (Region Hannover). Dieser Entscheidung waren jedoch Gespräche mit ihrem Mann vorausgegangen, „denn einem muss klar sein, dass man ab dem Moment eine öffentliche Person ist und die ganze Familie vereinnahmt wird“.

Ihre Feuertaufe überstand die Mutter zweier Kinder nur wenige Woche nach ihrem Einstand in Schaumburg am 1. April 1994. Dabei ging es um das Historische Schützenfest in Stadthagen. „Die Deutsche Welle hatte um ein Interview gebeten und mir war sofort klar, dass ich den Löwen zum Fraß vorgeworfen werden sollte.“

Sie halte jedoch das Thema Schützenfest, das kulturell gewachsen sei, für eine wunderbare Sache. Die sogenannten „Schmierweiber“ hätten nichts zu tun mit der Unterdrückung der Frau.

Amt wird für überflüssig gehalten

Wenn es darum gehe zu erklären, welche Aufgaben eine Gleichstellungsbeauftragte überhaupt habe, „zäume ich das Pferd gerne von hinten auf und frage, in welchem Bereich wir denn nicht zuständig sind?“ Noch immer sei die Meinung, das Amt werde nicht gebraucht, weit verbreitet. Der damalige Baudezernent in Seelze habe beispielsweise auch gedacht, „ich hätte nichts mit ihm zu tun“. Dabei habe sie einen Vorschlag für einen geplanten Brückenneubau eingereicht.

 „Ich hatte dabei Punkte im Blick, wie etwa eine Frau mit Kinderwagen vom Bahngleis da hochkommt. Außerdem habe ich dafür plädiert, Notrufsäulen zu installieren. Inzwischen gibt es diese dort.“ Man müsse sich eben in viele Gebiete einarbeiten, „denn Frauen hinterlassen überall ihre Spuren“, sagt die 60-Jährige schmunzelnd. Nicht ohne Grund gebe es heutzutage kaum mehr Supermärkte auf mehreren Ebenen oder mit Drehkreuzen im Eingangsbereich, wo kein Kinderwagen durchpasse.

Ihr Schwerpunkt habe immer bei der Frauen- und Wirtschaftsförderung gelegen. „Ich muss mit denen reden, die Arbeit schaffen“. Deswegen war eines ihrer ersten Projekte ein Existenzgründerseminar.

„Dabei wurde schnell deutlich, dass es keinen fachlichen Unterstützungsbedarf, etwa bei der Buchhaltung, gab, sondern um mehr Selbstbewusstsein als sein eigener Chef. Ebenfalls 1995 fand die erste Schaumburger Frauenmesse statt. „Es war ganz interessant, am Wochenende kamen die Familien und am Montag und Dienstag kamen die Frauen alleine wieder, um sich beraten zu lassen.“

KIBA war "wichtiger Schritt"

Als einen wichtigen Schritt bezeichnet Rosenwald-Metz auch die von ihr konzeptionierte Einrichtung der Kinderbetreuungsagentur (KIBA), die seit 2005 in das Jugendamt integriert ist und Eltern Hilfe bietet. Bereits drei Jahre zuvor ist der große runde Tisch Biss eingeführt werden, bei dem das Thema „Häusliche Gewalt“ im Fokus steht.

Rosenwald-Metz will ihre Funktion aber nicht überbewerten. „Ich bin hier nur das Instrument, Gleichstellung ist Aufgabe des ganzen Landes und der Kommunen und die Entscheider müssen darüber wachen.“ So habe sie das Ziel, dass die Hälfte der Ämter beim Landkreis von Frauen geleitet werden, noch nicht erreicht. „Wir sind aber auf einem guten Weg“.

Zu häufig sei es so, dass Frauen zwar die besseren Abschlüsse vorzuweisen hätten, aber diese dennoch nicht oben landeten. Als „ganz wichtigen Meilenstein“ bezeichnet die Seelzerin die Gründung der Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft, die Frauen bei der beruflichen und betrieblichen Entwicklung fördert. col

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