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Vom Objekt zum Subjekt

Staatsanwaltschaft: Gute Erfahrungen mit dem Opferbericht Vom Objekt zum Subjekt

Die Zahlen sind erschreckend: Jede vierte Frau in Deutschland wird mindestens einmal im Leben Opfer von häuslicher Gewalt, unter die auch sexuelle Übergriffe durch Partner fallen. Das geht aus einer Studie des Bundesfamilienministeriums hervor.

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Beim Opferbericht arbeiten Tanja Mundt vom Justizsozialdienst und Timo Goldmann von der Staatsanwaltschaft zusammen.

Quelle: ly

BÜCKEBURG. . Nach einer Strafanzeige wegen häuslicher Gewalt hören Frauen häufig erst wieder von der Justiz, wenn die Gerichtsverhandlung ansteht, zu der sie als Zeuginnen geladen werden. Das kann Monate dauern.
Neuerdings finden Opfer schon früher Gehör: Staatsanwaltschaft und Ambulanter Justizsozialdienst (AJSD) in Bückeburg haben gute Erfahrungen mit dem standardisierten Opferbericht gemacht. Das einstige Pilotprojekt ist inzwischen Programm. „Die Justiz straft nicht nur, sondern interessiert sich auch für die Belange des Opfers“, erklärt Timo Goldmann von der Staatsanwaltschaft. „Opfer werden nicht allein gelassen.“ Zurzeit fordert die Anklagebehörde regelmäßig einen Opferbericht an. Nur in Bagatellfällen sieht sie davon ab.
Neben Gerichten, Staatsanwaltschaften und Justizvollzug ist der AJSD die vierte Säule der Strafrechtspflege in Niedersachsen. Er nimmt Aufgaben von Bewährungshilfe, Führungsaufsicht und – wie in diesem Fall – Gerichtshilfe wahr. Durch Opferberichte finden Betroffene Unterstützung, gleichzeitig erhält die Staatsanwaltschaft wertvolle Informationen, die später wichtig für die Strafzumessung sein können. Frauen äußern sich in dieser Atmosphäre freiwillig und ausführlich. Vor Gericht und bei der Polizei fällt es vielen schwer, offen zu sprechen.
Opfer häuslicher Gewalt sollen nicht zu Objekten degradiert werden, sondern eine „Subjektrolle“ einnehmen. Das heißt: Sie stehen bei den Ermittlungen im Mittelpunkt, dürfen Wünsche äußern, bekommen Informationen, wie das Verfahren läuft, wirken an der Entscheidung mit. Und sie werden von einem Netzwerk aufgefangen, zu dem im Landkreis beispielsweise die Stiftung Opferhilfe, das Frauenhaus, die Beratungsstellen „Biss“ und „Basta“ und vier Polizeikommissariate gehören. Wichtig ist, dass die Polizei die Sache sofort ins Rollen bringt.
Übrigens haben Opfer neuerdings einen gesetzlichen Anspruch auf kostenlose Prozessbegleitung. Im Landkreis übernimmt das die Opferhilfe. Außerdem haben misshandelte Frauen dank des Netzwerkes „ProBeweis“ die Möglichkeit, ihre Verletzungen gerichtsverwertbar im Klinikum Schaumburg feststellen zu lassen. „Zu einer Anzeige“, so Timo Goldmann, „muss es dann noch nicht kommen. Der Untersuchungsbericht wird archiviert und kann auch später hinzugezogen werden.“ Ärzte unterlägen der Schweigepflicht.
Zurück zum Opferbericht: Im Projektjahr 2014 sind 74 davon ausgewertet worden. Etwa 80 Prozent aller Opfer möchten über die Tat sprechen. „Das hilft ihnen“, berichtet AJSD-Leiterin Tanja Mundt. Sie und ihre Kollegen machen meistens Hausbesuche, bevor sie einen Bericht schreiben. Gespräche mit Tätern finden im Büro statt.
Unter anderem hilft all dies dabei, Feststellungen über die Schwere von körperlichen und seelischen Verletzungen oder etwaige Dauerfolgen treffen zu können. Vor allem aber verspricht sich die Staatsanwaltschaft davon, alle Umstände der jeweiligen Tat klären zu können, die für eine Bestrafung oder andere Sanktionen von Bedeutung sind.
Mehr als die Hälfte aller Fälle dreht sich um Körperverletzung, gefolgt von Bedrohung, Beleidigung und Sexualdelikten. Wenn die Beziehung wieder intakt scheint, haben Frauen häufig kein Interesse mehr, dass der Mann bestraft wird. Ihnen reicht ein „Denkzettel“.
Manchmal kann es sinnvoll sein, ein Verfahren vor oder während der Gerichtsverhandlung einzustellen, was zu etwa 50 Prozent geschieht. „Aber überwiegend gegen Auflagen“, wie Oberamtsanwalt Goldmann betont.
Ein Opferbericht kann auch neuen Taten vorbeugen, eine Deeskalation verhindern und helfen, den Rechtsfrieden wieder herzustellen. „Er macht es leichter, Fälle von häuslicher Gewalt mit dem nötigen Fingerspitzengefühl zu behandeln“, erklärt Nils-Holger Dreißig, Sprecher der Staatsanwaltschaft. ly

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