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Vom Schicksal in die Schulden getrieben

Beratung Vom Schicksal in die Schulden getrieben

Ein tragischer Unfall endet nicht selten in einem finanziellen Desaster. Von heute auf morgen verändert sich das ganze Leben, eine stabile Existenz bröckelt. Wenn die finanziellen Sorgen wachsen, wird daraus häufig ein Fall für Wilhelm Leising. Er ist Schuldnerberater der Diakonie Schaumburg-Lippe und kümmert sich in Stadthagen um die finanziellen Probleme von Menschen, die Sozialhilfe empfangen.

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Das Geld ist weg: Viele Menschen brauchen dann Hilfe von der Schuldenberatung.

Quelle: dpa

STADTHAGEN. „Verschuldung ist kein Einzelfall“, sagt Leising. Bei der Diakonie hätten 328 Personen aus Schaumburg wegen finanzieller Probleme das Beratungsangebot der sozialen Schuldnerberatung im vergangenen Jahr in Anspruch genommen. Mehr als die Hälfte seien davon aus der Kreisstadt. Die Zahl ist damit leicht angestiegen. Im Jahr 2015 nahmen 274 Schaumburger die Hilfe der Schuldnerberatung in Anspruch. Die beiden Jahre zuvor waren es 273 beziehungsweise 230 Menschen.

Die Schuldenhöhe der beratenen Personen habe 2016 durchschnittlich gut 22600 Euro betragen, was etwa dem 32-fachen ihres Monatseinkommens entspreche. Hauptursachen für die Überschuldung seien Arbeitslosigkeit, längerfristiges Niedrigeinkommen, gesundheitliche Probleme, Sucht, Trennung oder Tod des Partners. Auch Asylsuchende kommen immer häufiger in die Sprechstunden der Schuldnerberater, berichtet Leising. Hier sei der Beratungsbedarf erhöht, wenn sie in der Konsumgesellschaft angekommen seien. Ein dickes Brett seien die sprachlichen Barrieren, die einen Start in die Berufswelt verzögerten.

Kein Unterschied zwischen Stadt und Land

Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Regionen sieht er nicht. Schulden gebe es in beiden Bereichen gleichmäßig verteilt. Einziger Unterschied sei, dass die Menschen im ländlichen Raum häufiger eine Immobilie besitzen. Aber die Ursachen, die zum finanziellen Engpass führen seien die gleichen.

Auffällig am Landkreis Schaumburg seien die beschwerlichen Wege zu den Beratungsstellen – letztendlich seien sie durchaus ein Hindernis für die Menschen. Die Wege in einer Stadt seien zwar teilweise auch weit, aber die Anbindung besser und günstiger. „Wer hier in einem kleinen abgelegenen Dorf wohnt, hat ein echtes Problem nach Stadthagen in die Sprechstunde zu kommen“, so Leising.

Um auf das Thema aufmerksam zu machen und Hemmschwellen abzubauen, hatte sich die Schuldnerberatung bis gestern an der bundesweiten Aktionswoche mit dem Motto „Überschuldete brauchen starke Beratung“ beteiligt. „Gut wäre ein Rechtsanspruch auf ausreichende, niedrigschwellige und offene Beratungsangebote für überschuldete Menschen“ fordert Leising. Wenn Menschen in finanzielle Not geraten, bräuchten sie – unabhängig von der Einkommens-und Lebenssituation – Unterstützung. Überschuldung destabilisiere die Betroffenen in verschiedener Weise, nicht nur durch oft ungeklärte rechtliche, wirtschaftliche und soziale Fragen, sondern auch in psychischer und gesundheitlicher Hinsicht, hat Leising die Erfahrung gemacht.

Energieversorgung gehört zur Existenzsicherung

Nicht selten entstehe ein Teufelskreis, den die Betroffenen oft ohne Begleitung nicht durchbrechen könnten. Gerade vor dem Hintergrund der speziellen Beratungsangebote der Diakonie in Stadthagen können die Ursachen der Überschuldung im ganzheitlichen Kontext betrachtet und häufig auch behoben werden.

Leising fordert zudem, dass der Anteil für Strom im Regelbedarf der Grundsicherung höher bemessen wird. „Die Grundversorgung mit Energie gehört zur Existenzsicherung. Die gestiegenen Kosten für Energie führen dazu, dass immer mehr Menschen diese nicht mehr zahlen können.“ jemi

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