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Vorstandschef muss gehen

Hans-Ulrich Born verlässt im Oktober die Weserbergland AG Vorstandschef muss gehen

Die Weserbergland AG trennt sich von ihrem Vorstandsvorsitzenden Hans-Ulrich Born. Wie Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Kexel gegenüber den Schaumburger Nachrichten bestätigte, soll Born bereits im Oktober seinen Stuhl räumen und zu seinem alten Dienstherrn, dem Landkreis Schaumburg, zurückkehren.

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Beim Unternehmerfrühstück zu Jahresbeginn im Stadthäger Kreishaus hatte die Weserbergland AG Wirtschaftsminister Olaf Lies zu Gast. Damals ahnte Vorstandschef Hans-Ulrich Born noch nicht, dass der Aufsichtsrat kurz darauf über eine Trennung beraten würde.

Quelle: rg

Landkreis. Wer die Nachfolge bei der Weserbergland AG antritt, steht noch nicht fest. Zunächst soll es eine Übergangslösung geben.

 Schon im März dieses Jahres war die Abberufung Borns im Aufsichtsrat diskutiert worden, das heikle Thema wurde jedoch zunächst vertagt. Im Juli kamen die Mitglieder des Kontrollgremiums erneut zu einer – diesmal außerordentlichen – Sitzung zusammen. An deren Ende stand der Beschluss, den seit sieben Jahren amtierenden Vorstandschef spätestens zum 31. März 2016 abzulösen.

 Nicht, weil der 57-Jährige sich etwas zuschulden kommen lassen habe, wie Kexel betont. Das Gegenteil sei der Fall. „Wenn es darum ging, Förderprojekte aufzusetzen, hat er hervorragende Aufbauarbeit geleistet und sehr viel für die Kommunen bewegt.“ Warum dann die Entlassung? Kexel begründet die Entscheidung mit einer angestrebten Kurskorrektur der Weserbergland AG. Nach Auslaufen der siebenjährigen EU-Förderperiode sei es erklärter Wille der Gesellschafter, die Arbeit künftig stärker auf die Belange der Wirtschaft auszurichten. Die Weserbergland AG solle sich auf das besinnen, was bei ihrer Gründung im Jahr 2004 als vorrangiger Zweck vereinbart worden sei: Dienstleister zu sein für heimische Unternehmen.

 „Der Zeitpunkt für einen personellen Wechsel erscheint uns vor diesem Hintergrund günstig“, sagt Kexel. Einer Antwort auf die Frage, ob der Aufsichtsrat Born diese Neupositionierung nicht zutraut, weicht Kexel aus. „Kritik gibt es immer – nicht jede ist berechtigt.“

 Born selbst will seine Entlassung „nicht weiter kommentieren“, wie er im SN-Gespräch erklärt. „Aber ich akzeptiere die Entscheidung des Aufsichtsrates, so wie sie getroffen ist.“

Von Marc Fügmann

 Tatsache ist, dass es bei der Weserbergland AG, zu deren Aktionären die Landkreise Schaumburg, Hameln-Pyrmont und Holzminden gehören, schon länger rumort. In den elf Jahren ihres Bestehens sei wenig Nachhaltiges bewirkt worden, zudem fehlten tragfähige Zukunftskonzepte, heißt es in Teilen von Politik und Wirtschaft. Verantwortlich gemacht wird dafür nicht zuletzt Born als Vorstandschef.

 Zu den Kritikern gehört auch Hameln-Pyrmonts Landrat Tjark Bartels, der öffentliche Vorwürfe jedoch vermeidet. Er habe „hohe Erwartungen“, sagt Bartels nur. Die Weserbergland AG sei ein wichtiges Instrument für die Wirtschaftsförderung in der gesamten Region.

 Doch während Bartels grundsätzlich an dem Konstrukt festhalten will, gibt es unzufriedene Gesellschafter, die am liebsten einen Schlussstrich ziehen würden. Sie halten die Weserbergland AG inzwischen für überflüssig. Aus Hameln komme schlicht zu wenig, heißt es hinter vorgehaltener Hand.

 Auch in Schaumburg mehren sich die Stimmen, die das Gemeinschaftsprojekt infrage stellen. „Brauchen wir die Weserbergland AG überhaupt noch, wenn sich in elf Jahren doch so wenig getan hat“, stellt ein einflussreicher Kreistagspolitiker fragend in den Raum. Und auch die kommunalen Wirtschaftsförderer murren. Ein Großteil der Arbeit bleibe an ihnen hängen, so der Tenor.

 Tatsache ist: Einige Projekte haben nicht recht gezündet. Andere funktionieren zwar gut – aber mittlerweile ohne großes Zutun und weitgehend selbstfinanziert, wie beispielsweise die Koordinierungsstelle Frau & Wirtschaft. Andere Projekte sind ausgelaufen, ohne dass Neues angeschoben wurde: So endete die Fachkräfteinitiative am 30. Juni dieses Jahres, ebenso das sogenannte Glascluster. Das Projekt Bioenergie-Region lief am 30. Juli aus.

 Die Weserbergland AG, so heißt es, beschränke sich auf die Finanzierung von Kleinprojekten. Möglicherweise auch, weil das Geld inzwischen knapper wird. Ursprünglich hatten die drei Landkreise eine stattliche Anschubfinanzierung geleistet. Allein aus Schaumburg flossen zum Start 160000 Euro in die Weserbergland AG. Die Beträge wurden sukzessive abgesenkt. Die Politik will sich weiter zurückziehen, das Unternehmen soll sich langfristig selbst tragen beziehungsweise von der Wirtschaft unterhalten werden. So wurden für dieses Jahr aus Schaumburg nur noch 80000 Euro überwiesen.

 Born ist es nur bedingt gelungen, neue Geldquellen aufzutun. Mehr noch: In einem Fall wurden SN-Informationen zufolge von der N-Bank bereitgestellte Fördermittel in Höhe von 40000 Euro nicht abgerufen, weil die Projekte fehlten.

 Hinzu kommt: Die Weserbergland AG ist an sich nicht eben preiswert. In Spitzenzeiten wurden dort bis zu 20 Mitarbeiter beschäftigt, aktuell sind es dem Vernehmen nach noch etwa ein halbes Dutzend.

 Bei dem Gerangel um den künftigen Weg spielen auch machtpolitische Interessen eine Rolle. Wer hat das Sagen bei der Weserbergland AG? Vor allem Hamelner Politik, Verwaltung und Wirtschaft beanspruchen eine Führungsrolle. Dort sähe man es am liebsten, wenn die Wirtschaftsförderung für alle Kreise zentral aus der Weserstadt erfolgen würde. In Schaumburg stößt eine solche Strategie nicht auf Gegenliebe.

 Hier mehren sich inzwischen die Zweifel, ob der „Wirtschaftsraum Weserbergland“ als Fundament der AG überhaupt Relevanz hat oder nicht doch eher ein künstliches Gebilde ist. Aus Schaumburger Sicht hat vor allem die Ost-West-Achse eine zentrale Bedeutung. Traditionell ist die Orientierung nach Minden und Hannover deutlich größer als in Richtung Hameln oder gar Holzminden – allein schon aufgrund der verkehrlichen Anbindung mit A2, B65 und der Bahntrasse Hannover-Minden.

 Dass Born, der erst im Juli von seiner Entlassung erfahren hat, nicht wie ursprünglich geplant zum 31. März 2016, sondern schon sehr kurzfristig sein Büro räumen wird, hat zwei Gründe. Zum einen soll es ihm erspart werden, mehr als ein halbes Jahr Vorstand auf Abruf zu sein. Zum anderen „kann ich ihn gut gebrauchen“, sagt Landrat Jörg Farr. Born wurde bei seinem Weggang aus der Schaumburger Kreisverwaltung ein Rückkehrrecht vertraglich zugesichert. Wo genau er ihn künftig einsetzen wird, will Farr frühestens nächste Woche bekannt geben. Fest steht, dass es nicht an seinem alten Arbeitsplatz im Amt für Wirtschaftsförderung sein wird.

 Bei der Weserbergland AG will der Aufsichtsrat anstelle von Born zunächst einen Interims-Nachfolger einsetzen. „Um einen Schnellschuss zu vermeiden“ soll erst im Frühjahr nach einer Ausschreibung ein neuer Vorstandschef bestellt werden, kündigt Aufsichtsratsboss Kexel an. „Und das muss jemand sein, der die Wirtschaft kennt.“ mf

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Zurückhaltend kommentieren Aktionäre der Weserbergland AG die Trennung von Vorstandschef Hans-Ulrich Born. „Unter den gegebenen Rahmenbedingungen hat Herr Born gute Arbeit geleistet“, sagte etwa der Schaumburger Landrat Jörg Farr.

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