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Wäscheklammern gegen den Klimawandel

Umweltminister zu Gast in Bad Nenndorf Wäscheklammern gegen den Klimawandel

Wenn die Energiewende gelingen soll, muss jeder im Rahmen seiner Möglichkeit daran mitwirken. So lautete das Fazit des Forums Bürgerenergiewende am Mittwochabend in der Bad Nenndorfer Wandelhalle.

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Jörg Farr (von links), Moderatorin Cosima Schmitt, Stefan Wenzel, Dr. Michael Kopatz und Manfred Görg, Vorstandsvorsitzender der Bürgerenergiewende Schaumburg, diskutieren.

Quelle: ber

Landkreis. Wie viel dabei auf dem Spiel steht, betonte Umweltminister Stefan Wenzel: „Wir sind die Generation, die noch eine Wahl hat – ob sich die Erde um fünf Grad erwärmt oder nur um zwei Grad.“ Die Folgen seien Extremwetterereignisse, das Aussterben vieler Arten und weltweite Konflikte beim Kampf um Energieressourcen. „Wenn wir das Zwei-Grad-Ziel erreichen wollen, müssen die fossilen Brennstoffe in der Erde bleiben.“

Um die Erde auch für die nachfolgenden Generationen lebenswert zu erhalten, sei eine Doppelstrategie von großer Bedeutung, erklärte Wenzel: Zum einen der Kampf um einen Klimavertrag, in dem sich alle Nationen auf ein konkretes Ziel festlegen. Zum anderen konkrete Projekte, um den Ausbau der erneuerbaren Energien voranzutreiben. „Dabei spielen die Kommunen, Energiegenossenschaften und Bürger eine gigantische Rolle.“

Was eine einzelne Kommune für einen Beitrag leisten kann, verdeutlichte Guido Wallraven, der das Projekt Klimakommune Saerbeck leitet. Die 7000-Einwohner-Gemeinde im nördlichen Münsterland habe es durch klimapolitische Aufklärungsarbeit, starke Bürgerbeteiligung und viel Mut geschafft, 375 Prozent des jährlichen Eigenbedarfs aus regenerativen Energien zu gewinnen. Sogar Vertreter aus Fukushima seien bereits nach Saerbeck gereist, um sich Anregungen für den Aufbau einer Kommune zu holen, die sich komplett eigenständig mit erneuerbaren Energien versorgt. Ein ehemaliges Munitionsdepot hat die Gemeinde gekauft und zu einem Bürgerenergiepark mit Windrädern, Photovoltaik- und Biogasanlagen ausgebaut. Die Bürger haben sich über eine Genossenschaft mit vier Millionen Euro an der Investition beteiligt und profitieren nun von den Erträgen.

Ganz so weit sind die Kommunen in Schaumburg noch nicht. Landrat Jörg Farr berichtete jedoch, dass das Klimaschutzkonzept des Landkreises bereits gefruchtet habe. Seit 1994 habe Schaumburg durch die Investition in die energetische Sanierung von mehr als 100 kreiseigenen Liegenschaften 48 000 Tonnen CO2 eingespart. Demgegenüber seien nur ein Prozent der privaten Gebäude im Landkreis energetisch auf dem neuesten Stand. Farr: „Deshalb bieten wir eine kostenlose Energieberatung an.“ Das Ziel sei, die Sanierungsquote privater Haushalte zu erhöhen.

All die Bemühungen zur Steigerung der Energieeffizienz werden jedoch umsonst sein, „wenn nicht jeder Bürger sein individuelles Verhalten ändert“, meinte Dr. Michael Kopatz vom Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt und Energie. „Wir brauchen technische Innovationen und kulturelle Veränderungen.“ Heute seien Gebäude, Autos und Haushaltsgeräte wesentlich effizienter als früher. „Aber was nützt das, wenn wir immer häufiger fliegen, mit dem Geländewagen zum Bäcker fahren und immer weitere Wohngebäude bauen, auch in schrumpfenden Städten?“ Selbst die Wäscheleine sei – zugunsten von energiefressenden Trocknern – auf dem Rückzug, beklagte Popatz, und verteilte Wäscheklammer im Publikum.

Wichtig seien klare Vorgaben der Politik wie zum Beispiel ein Straßenbau-Moratorium. „Warum sind die Straßen verstopft?“, fragte Kopatz das Publikum. Und antwortete selbst: „Weil die Produktion einer Lasagne auf 13 Länder verteilt ist, weil die Unternehmen ihre Lager auf die Straße verlagern und weil die Kartoffeln aus Ägypten kommen.“

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