Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Wann kommt das schnelle Internet?

Thema des Tages Wann kommt das schnelle Internet?

Der Ausbau von schnellen Internetanbindungen ist ein wichtiges Ziel der Bundesregierung – zu viele weiße Flecken gibt es noch auf der Internet-Landkarte. Um die „weißen Gegenden“ anzuschließen, wollen sich Industrie und Staat die Kosten aufteilen.

Voriger Artikel
Mensa: Gemeinsam für ein gutes Essen
Nächster Artikel
„Allein die Ziffer ganz unten zählt“
Quelle: pr.

Von Thomas Thimm und Lars Lindhorst

Bundesregierung und Telekom-Unternehmen sind bereit, Milliarden auszugeben, um ganz Deutschland mit schnellen Anschlüssen zu versorgen. So sollen bereits im kommenden Jahr die Telekom-Unternehmen und Kabelnetzbetreiber acht Milliarden Euro in den Ausbau der Breitband-Internetversorgung stecken. Darauf einigten sich Industrievertreter mit dem Bundesinfrastrukturminister Alexander Dobrindt (CSU). Das ist auch dringend notwendig, wie ein Blick zum Beispiel ins Weserbergland zeigt. Wie schlecht die Internetanbindungen in der Region sind, zeigen folgende drei Beispiele:

  • Langsames Internet behindert Geschäfte: Im Raum Aerzen waren Chefs und Mitarbeiter einer Firma unglücklich, da sie viel Internetgeschäft abzuwickeln haben, aber die Geschwindigkeit mangelhaft war. Die Firma musste sich eine teure Extraleitung legen lassen.
  • Schneckentempo in der Internetleitung: Im Landkreis Schaumburg sind rund 18 000 Gebäude noch nicht mit schnellem Internet versorgt. Dort kommen Daten mit maximal 2 Mbit pro Sekunde an. Das reicht gerade einmal zum Verschicken von E-Mails. Videos im HD-Standard herunterladen und anschauen – davon kann keine Rede sein.
  • Hilfe kommt erst von Amts wegen: Im Raum Bad Münder klagte eine Firma über mangelnde Geschwindigkeiten beim Upload und Download. Zahlreiche Anfragen bei der Telekom nützten lange Zeit nichts. Erst als sich die Sachbearbeiterin Breitband vom Landkreis Hameln-Pyrmont, Jenny Vorberger, einschaltete, kam die Telekom in Bewegung – und die Geschwindigkeit der Internetleitung auch.

 Möglicherweise gibt es aber auch generell rechts und links der Weser bald eine Verbesserung bei der Internetversorgung. Die Kreisverwaltung Schaumburg prüft derzeit, inwieweit sie möglicherweise selber Aufträge zur Verlegung von Glasfaserkabeln erteilt – dies unter anderem auch, um den Schaumburger Gewerbebetrieben schnelles Internet flächendeckend zu ermöglichen. Die Kabel könnten durch den Landkreis in der Erde verlegt werden, diese könnten dann an Netzbetreiber verpachtet werden, so der Plan. Mit Glasfaserverbindungen wird das Internet um den Faktor 500 schneller – dann wäre Surfen mit 1000 Mbit pro Sekunde möglich. Ob es in Schaumburg so weit kommt, ist noch unklar: Das Breitbandzentrum in Osterholz-Scharmbeck hat dazu in den vergangenen Monaten Befragungen von potenziellen Kunden und Besichtigungen vor Ort angestellt. Mit ersten Ergebnissen ist erst Ende des Jahres zu rechnen.
 Der Landkreis Hameln-Pyrmont hat ebenfalls eine solche Befragung durchgeführt, die Ergebnisse sollen hier bis Ende Januar vorliegen. Die IBZ Neubauer GmbH & Co. KG aus Zeulenroda-Triebes soll auch auf Basis der zu erwartenden Daten eine Breitband-Strukturplanung vorlegen, deren Kosten von der stellvertretenden Landkreis-Pressesprecherin Nikola Stasko auf 130 000 Euro beziffert werden. Stasko: „Dann wissen wir, wie viel Aufwand, Kosten und
Anschlüsse not-
wendig sind. Der Plan soll auch Vorschläge für die Realisierung des Ausbaus enthalten.“
 Dasselbe Thema allerorten: Auch die Region Hannover muss den Breitbandausbau in ihren 21 Städten und Gemeinden vorantreiben. Eine Strukturplanung soll auch hier helfen, unterversorgte Gebiete ans Netz zu bekommen. Hier wurde die Firma mWerk GmbH mit dieser Strukturplanung beauftragt, deren Kosten mit 174 000 Euro veranschlagt wurden.
 Die Bundesregierung werde den Ausbau für die letzten Haushalte massiv fördern, kündigte Infrastrukturminister Dobrindt an. So sollen eben auch besonders ländliche Gegenden ans Netz gebracht werden. Erklärtes Ziel der Berliner Regierung ist es, bis 2018 alle Haushalte in Deutschland mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von 50 Megabit pro Sekunde zu versorgen. Aktuell ist diese Geschwindigkeit nach Regierungsangaben nur für 64 Prozent der Haushalte verfügbar.
 Die letzten Haushalte zu erreichen, gilt als besonders teuer. Im ländlichen Raum gibt es Gegenden, in denen kaum Breitbandinternet verfügbar ist. Das zeigt auch der Breitbandatlas der Bundesregierung. Die Industrie werde den Ausbau auf 80 Prozent der Haushalte selbst finanzieren, kündigte Dobrindt an. Der Ausbau von 80 auf 100 Prozent „muss begleitet werden mit einer Förderung, die wir vonseiten des Bundes zur Verfügung stellen wollen“. Wie hoch die Kosten sind, mit denen der Bund für den Breitband-Ausbau rechnet, wollte Dobrindt nicht sagen: „Wir haben keine Zahl fixiert.“ Der TÜV Rheinland schätzt, dass es mindestens 20 Milliarden Euro kosten würde, alle Haushalt mit 50 Mbit pro Sekunde zu versorgen. In diesem Szenario werden neben Glasfaserkabeln auch schnelle Funkverbindungen über LTE eingesetzt. So wollen nun auch die Telekommunikationsanbieter und die Bundesregierung vorgehen.
 Der Verband der Telekom-Wettbewerber fordert jedoch genauere Informationen zu den in Berlin gemachten Plänen. „An manchen Punkten sehen wir noch Präzisierungsbedarf“, erklärte Geschäftsführer Jürgen Grützner. Kommunen und Unternehmen müssten wissen, „wie viele Fördermittel wann und wofür konkret zur Verfügung gestellt werden“. Das ist auch etwas, was Jenny Vorberger vom Landkreis Hameln-Pyrmont erfahren möchte. Sie fragt: „Das politische Ziel ist erstrebenswert, aber 2018 ist schon bald. Wie soll das so schnell gehen? Und wer soll das bezahlen?“

Geschwindigkeit ist keine Hexerei

Schnelles Internet ist zu einem extrem wichtigen Standortfaktor für Unternehmen und Wirtschaftsregionen geworden. Doch was ist schnell? Markt und Technik des Netzes potenzieren immer schneller ihr Können. Ein Beispiel: Während die Regierung in Berlin ein Milliardenprogramm für den Internetausbau per Glasfaser auflegt und dabei eine Übertragungsgeschwindigkeit von 50 Megabit pro Sekunde als Ziel für ganz Deutschland ausgibt, sind andere schon viel weiter. Techniker von Samsung haben vor einiger Zeit eine Download-Geschwindigkeit von 1,2 Gigabit pro Sekunde erreicht – und zwar mit einem mobilen Gerät, das selbst mit einer Geschwindigkeit von 110 Stundenkilometern unterwegs war. Das sind gleich mehrere Welten Unterschied auf einmal.
 Nichtsdestotrotz würden sich Millionen Internetnutzer in Deutschland freuen, wenn sie schnell schnelles Internet bekommen könnten. Denn schon eine Geschwindigkeit von 50 Megabit pro Sekunde klingt für viele wie Futur zwei. In der Gegenwart sind die „weißen Flecken“ auf Deutschlands Internet-Karte viel zu viele und zu groß: Nur jedes vierte Unternehmen mit zehn und mehr Beschäftigten verfügt über „schnelles Internet“ mit einer vertraglich festgelegten Datenübertragungsrate von mindestens 30 Megabit pro Sekunde.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg