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Weißer Ring feiert und informiert

Verein begeht 40-jähriges Bestehen Weißer Ring feiert und informiert

Der Weiße Ring hilft nicht nur im Nachhinein Opfern von Verbrechen, er macht sich auch stark dafür, dass Menschen erst gar nicht zu Opfern werden. Aufklärung und Prophylaxe heißt die Zauberformel.

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Erfrischungspause in der Beach-Bar: Bodega-Betreiber Arif Sanal (rechts) empfängt Thomas Weißhaupt (links) vom Weißen Ring und die übrigen Helfer und Gäste mit einem Cocktail.

Quelle: cm

RINTELN/LANDKREIS. Die vom Verein problematisierten Situationen sind brandaktuell. So hatten die Schaumburger Aktiven des Weißen Rings am Sonnabend Informationsmaterial zu den Themen Cybermobbing, K.o.-Tropfen und Zivilcourage an Bord. Der Begriff „an Bord“ konnte durchaus wörtlich genommen werden. Denn zum 40. Geburtstag ihrer Mutterorganisation hatten die regionalen Mitstreiter eine besondere Idee: Öffentlichkeitsarbeit von der Weser aus. Beach-Bar und Doktorsee hießen die Ziele. Und weil man an einem Geburtstag ja nicht nur arbeiten, sondern auch feiern sollte, gab es am „Strand“ unter Palmen auch Cocktails und Geburtstagsgäste.

Im Gespräch mit Thomas Weißhaupt, dem Vorsitzenden der Schaumburger Abteilung, wurde deutlich: Flyer sind gut und nützlich, aber mit jemandem zu sprechen, der wie Weißhaupt mit der Materie vertraut ist, das wirkt doch stärker. Wenn er sich über Zivilcourage auslässt, dann werden die beschriebenen Szenen richtig lebendig. „Sie sollen sich, wenn Sie auf eine körperliche Auseinandersetzung zukommen, ja nicht ins Kampfgetümmel stürzen“, erläuterte er. „Aber machen Sie sich bemerkbar! Rufen Sie dem Opfer zu ‚He, Sie! Ich hole Hilfe!‘ und warnen sie den Angreifer ‚Sie da, in der roten Jacke, ich rufe jetzt die Polizei! Ich habe Sie im Blick!‘“

Bewusstsein von Jugendlichen schärfen

Genauso temperamentvoll wird Weißhaupt, wenn er auf Fallstricke für junge Leute im Internet zu sprechen kommt. „Sie sind 13 und verliebt. Da werden dann Fotos an den Freund geschickt, die wirklich nicht für alle Augen bestimmt sind“, weiß der Experte. „Doch liegt es in der Natur der Sache, dass Beziehungen in diesen jungen Jahren am Ende doch nicht so lange halten. Und dann müssen die jungen Leute feststellen, dass manche alte große Liebe gehässig oder prahlerisch die ganz privaten Bilder weitergibt.“ Mit Besuchen in den Schulen bemüht sich der Weiße Ring, bei den Jugendlichen ein Bewusstsein für solche Gefahren zu wecken.

Beim dritten Thema, das Weißhaupt an diesem Tag im Gepäck hat, handelt es sich um eine perfide Methode, um Menschen hilflos zu machen: die heimliche Beigabe von K.o.-Tropfen in ein Getränk. Unter Einfluss von K.o.-Tropfen, die man in einem Getränk weder sieht noch schmeckt, verliere man die Kontrolle über sich selbst. „Sie bekommen dann noch mit, was ihnen geschieht, können sich aber nicht mehr wehren. Nicht einmal um Hilfe rufen“, erklärte Weißhaupt. So müsse man heute dazu raten, bei geselligen Veranstaltungen das eigene Glas oder die eigene Flasche nicht aus der Hand zu geben. Eine tolle Idee: Es gibt – und in der Bodega-Bar werden sie genutzt – Bierdeckel mit entsprechenden Verhaltensempfehlungen.

Außerdem möchte Weißhaupt noch einen weit verbreiteten Irrtum aus der Welt räumen: „Wir helfen auch, wenn keine Anzeige erstattet wird. Manchmal brauchen die Menschen erst einmal Zeit. Es gibt Möglichkeiten, Fotos, Diagnosen und so weiter sichern zu lassen, ohne gleich die Polizei einzuschalten. Die Organisation ‚Pro-Beweis‘ bietet an, anonym Beweise aufzubewahren. Dann sind die Betroffenen, was die Beweislast angeht, auf der sicheren Seite, und können sich in Ruhe entscheiden, ob sie es zu einer polizeilichen Ermittlung kommen lassen wollen.“ Für Hilfe bei diesen Entscheidungsprozessen steht der Weiße Ring zur Verfügung.

Ratsuchende könnten sich beim Opfertelefon unter der Nummer 116 006 täglich von 7 bis 22 Uhr Hilfe holen. cm

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