Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Weniger Bäckereien im Kreis

Mit Qualität punkten Weniger Bäckereien im Kreis

Kleinen inhabergeführten Bäckereien fällt es immer schwerer, sich gegen die großen Ketten durchzusetzen. Die Zahl der Bäckereien hat sich im Landkreis Schaumburg drastisch verringert. 16 Bäckereien gehören derzeit noch der Bäcker- und Fleischerinnung Schaumburg an.

Voriger Artikel
Verkehrsmeldungen für Freitag, 21. Oktober
Nächster Artikel
Neue Bevollmächtigte bei der IG Metall

Maurice Viertel (vorne) und sein Mitarbeiter Jörg Keil backen frisches Brot.

Quelle: rg

Landkreis. Es gibt doch kaum etwas Schöneres als am Wochenende mit einer Tüte Brötchen – bestenfalls noch warm – an den gedeckten Frühstückstisch zu schreiten. Doch in manchen Orten ist es gar nicht mehr so einfach, an richtig frische Brötchen vom Bäcker des Vertrauens zu kommen, denn das Bäckerei-Gewerbe schrumpft.

Vor gut drei Jahrzehnten lag die Zahl  der Bäckereien in der Bäcker- und Fleischerinnung Schaumburgnoch bei knapp unter 100. Heute sind es nur noch 16. Die großen Bäckereiketten warten mit Parkplätzen und günstiger Ware auf. Aber nicht alle Traditions-Handwerke lassen sich von dem Wandel beeindrucken und kämpfen mit ihren Mitteln gegen die erdrückende Konkurrenz.

Erkennungsmerkmal für guten Teig

Bäckermeister Wilhelm Planert aus Suthfeld beispielsweise, der seine Lehre 1968 begann, setzt auf ein Erkennungsmerkmal: Einen besonders guten Sauerteig nach einem alten Rezept, der „seine Zeit braucht, um sich zu entfalten“. Die richtige Zusammensetzung aus Wasser und Roggenmehl sei das Geheimnis. „Wir als kleiner Betrieb haben den Vorteil, dass wir echte Qualität anbieten können“, meint Planert.

Außerdem schätzen seine Kunden, dass er immer wieder neue Brot-Rezepte testet und sich nach den Geschmäckern seiner Käufer richtet. „Wir können nicht jeden Tag alle möglichen Brote anbieten, so wie das große Bäckereien machen.“ Stattdessen gebe es etwa einen Vollkornbrot-Tag oder einen Überraschungs-Tag.

Der 64-Jährige betreibt seine Bäckerei gemeinsam mit seinem Sohn. Der hat sich trotz einer ebenfalls abgeschlossenen Ausbildung zum Kfz-Meister für den Beruf des Bäckers entschieden. Somit hat Planert Glück, dass die Nachfolge erst einmal geregelt ist. „Was er letztendlich daraus macht, da mische ich mich nicht ein“, so der Bäckermeister.

Aber er wolle noch eine Weile weiterarbeiten. Der Beruf mache ihm nach wie vor Spaß und das frühe Aufstehen nichts mehr aus: „Das ist eine Sache der Gewöhnung.“ Aber natürlich sei das nicht für jeden was und für die jungen Menschen bedeute der Beruf häufig Verzicht. Disko-Besuche seien weniger vereinbar mit dem Bäckerhandwerk.

Klaus Lohmeier hat noch einige Arbeitsjahre mehr auf dem Buckel als Wilhelm Planert. Seine Bäckerei in der Stadthäger Innenstadt muss sich noch stärker gegen die großen Ketten durchsetzen als die Betriebe in den kleinen Dörfern.

Er sieht das Problem nicht nur in der Bäcker-Branche, sondern ärgert sich über den generellen Strukturwandel. „Die Innenstädte sterben, auch hier in Stadthagen“, sagt Lohmeier und spielt auf diverse Leerstände an. Die großen Bäckerei-Ketten siedelten sich meistens in großen Einkaufszentren an, wo sich viele kauffreudige Menschen tummeln.

Bürokratie wird immer aufwendiger

„Natürlich haben wir viele Stammkunden“, berichtet der 75-Jährige. Doch damit folgt das nächste Problem: „Diese Kunden werden immer älter und sterben aus.“ Die Situation stimme ihn traurig, zumal auch die Bürokratie immer komplizierter und aufwendiger würde. 1000 Seiten über eine Verordnung über Allergien sei da nur ein Beispiel. Aber Lohmeier denkt noch nicht Aufhören. Eine Nachfolge zu finden sei schwierig. Da mache er eben einfach weiter.

Als Jungspund würden die beiden Urgesteine des Bäckerhandwerks sicherlich Maurice Viertel beschreiben. Dabei hat sich der 25-Jährige bereits 2010 in Meerbeck selbstständig gemacht – drei Monate nach dem Abschluss seiner Ausbildung. Ein halbes Jahr später hat er zusätzlich seinen Meister begonnen. Dass er das Bäckerhandwerk erlernt, habe für ihn nie zur Debatte gestanden.

Seine Eltern arbeiten in der gleichen Branche; sein Vater in der Backstube, seine Mutter im Verkauf. „Mein Vater hat meinen Bruder und mich schon als wir klein waren mitgenommen und wir haben mit Teig gespielt.“ Für Viertel steht fest: „Man muss diesen Beruf mit Leidenschaft ausüben und mir liegt es im Blut.“

120 verschiedene Produkte

Ihm habe seine Familie bei der Existenzgründung natürlich in allen Bereichen beratend und anpackend zur Seite gestanden. Und mittlerweile habe er sich soweit etabliert, dass er vor zwei Jahren eine zweite Filiale in Bückeburg eröffnet hat. Alle Produkte –immerhin täglich 120 verschiedene Produkte – werden in der Backstube in Meerbeck hergestellt. Ab Mitternacht steht Viertel, Vater von drei Kindern, dort mit vier Mitarbeitern. Für das Familienleben sieht der 25-Jährige seine Arbeitszeiten sogar als Vorteil: „Ich habe bestimmt mehr von meinen Kindern als viele andere Berufstätige. Zumindest bin ich tagsüber zu Hause.“

Zukunftsängste habe er nicht. „Ich bin überzeugt, dass wir mit Qualität überzeugen können. Das unterscheidet uns von den großen Ketten.“ Natürlich fände er es schön, wenn er im Alter in der Familie einen Nachfolger finden würde. Denn der Nachwuchs im Bäckerhandwerk sei deutlich zurückgegangen, weiß Viertel, der als Lehrlingswart bei der Innung tätig ist und Prüfungen abnimmt. Aber er hat ja für die eigene Nachfolge mit drei Kindern ja bereits einen Grundstein gelegt. col, jemi

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg