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Aus dem Landkreis Wenn die Rente hinten und vorne nicht reicht
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Wenn die Rente hinten und vorne nicht reicht
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18:17 09.09.2011
Das Phänomen der Altersarmut nimmt auch in Schaumburg merklich zu. © dpa

Landkreis (ssr). Vor vier Jahren hatten 1538 Rentner diese Zahlung erhalten, wie Sozialamtsleiter Heinz Kraschewski vorrechnete. Aus den Daten errechnet sich seitdem ein jährlicher Anstieg von etwa drei Prozent. Allerdings: „Wir erwarten für die kommenden Jahre nicht nur einen linearen, sondern sogar einen noch stärker kletternden Anstieg“, prognostiziert der Sozialdezernent des Landkreises, Klaus Heimann.

Der Anteil der „Aufstocker“ an der Gesamtzahl der Rentner in Schaumburg beträgt derzeit 3,6 Prozent – Tendenz steigend. Die Gesamtaufwendungen für die „Grundsicherung im Alter“ belaufen sich im Jahr 2011 im Landkreis auf voraussichtlich 9,4 Millionen Euro. Im Durchschnitt erhält hier jeder „Rentenaufstocker“ pro Monat 475 Euro „Grundsicherung im Alter“.

Als Hauptursachen der zu niedrigen Renten nannte Heimann drei Aspekte: Spürbar würden nunmehr die Auswirkungen der langen Phasen der Arbeitslosigkeit für viele Arbeitnehmer in der wirtschaftlichen Krisenzeit um die und nach der Jahrtausendwende. Im vergangenen Jahrzehnt habe es für etliche Jahre zudem einen Trend gegeben, „Mitarbeiter schon mit 50 oder 55 Jahren freizustellen“, so Heimann. Alles das habe die betroffenen Personen nicht in die Lage versetzt, ausreichend Rentenbeiträge zu zahlen.

Mehr noch: Viele Arbeitnehmer seien mit ihrem Erwerbseinkommen so knapp über dem Existenzminimum angesiedelt – „durchaus oberhalb der diskutierten Mindestlöhne übrigens“ –, dass in diesen Fällen ebenfalls eine viel zu geringe Rentensumme zu Stande komme, erläuterte der Sozialexperte weiter. Der Kreis dieser Personengruppe drohe deutlich größer zu werden, fügte Heimann hinzu.
Das Phänomen der „Altersarmut“ sei auch in Schaumburg angekommen und drohe sich zu verschlimmern, räumte Heimann ein. Daher komme es für die Kreispolitik darauf an, so der Erste Kreisrat, mit bildungs-, familien- und arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen gegenzusteuern.

Damit dies aus einer Hand geschehen könne, habe der Landkreis sich entschieden, die Regie über das Job-Center zu übernehmen, was mit Beginn des kommenden Jahres in Kraft treten werde.