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Aus dem Landkreis Wenn es nicht anders geht, dann kommt er
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Wenn es nicht anders geht, dann kommt er
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00:23 10.04.2015
Dieter Liebig ist bei den Stadtwerken für die harten Fälle zuständig. Quelle: wm
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Landkreis (wm)

Leibig ist Außendienstmitarbeiter der Abteilung „Mahnwesen“ und hat sein Büro am Bahnhofsweg. Er klingelt bei Kunden dann an der Haustür, wenn schon „Alarmstufe Rot“ ausgerufen, die übliche Mahnroutine ausgereizt und das sogenannte „Sperrverfahren“ angelaufen ist. Das heißt, Leibig kommt persönlich, wenn eine freundliche schriftliche Zahlungserinnerung nichts gebracht hat und auch eine Mahnung erfolglos war.

Bis der Mahner kommt, hatte ein Kunde nach der ersten Zahlungserinnerung rund sechs Wochen Zeit, um zu reagieren. Das heißt, bei den Stadtwerken anzurufen und zu sagen: „Lasst uns reden, ich habe ein Problem.“
Doch auch wenn Leibig schon an der Haustür steht, kann man noch verhandeln. „Meistens sind Schulden bei den Stadtwerken nur ein Loch von ganz vielen, die der Betroffene stopfen muss, aber nicht mehr kann“, weiß er. Zeigt der Kunde Kooperationsbereitschaft, gibt sich Leibig alle Mühe, das schlimmste aller Szenarien, nämlich Strom aus, zu vermeiden. „Wenn da eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern vor mir steht, die von ihrem Lebensgefährten einfach im Stich gelassen wurde, helfe ich auch über meinen Job hinaus und nehme Kontakt mit dem Jobcenter auf“, so Leibig.

Dabei haben die Stadtwerke als kommunales Unternehmen mehr Geduld als die freien Stromanbieter. Die drehen ihren Kunden oft schon den Strom ab, wenn die zweite Monatsvorauszahlung nicht eingetroffen ist. Doch auch bei den Stadtwerken ist irgendwann Schluss.

Wo ist also die rote Linie? Leibig sagt das komme ganz auf den Fall an: „Es gibt Kunden, da werde ich ab einem Fehlbetrag von 300 bis 400 Euro tätig, es gibt aber auch Kunden, da werde ich hellhörig, wenn die zweite Vorauszahlung über 30 Euro nicht geleistet worden ist.“

Nach so vielen Hausbesuchen gibt es für Leibig kaum noch Lebensumstände, die ihn noch überraschen könnten. Bei dem Gedanken an einen Hausbesuch muss der Außendienstmitarbeiter aber besonders schmunzeln. Ein 20-Jähriger habe die Tür geöffnet, halb verschlafen und sagte entschuldigend: „Tut mir leid, ich muss mich eben noch schminken.“ Leibig zuckt mit den Schultern. „Auch das macht meinen Job irgendwie aus."

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