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Aus dem Landkreis Wer kauft Tönsmeier?
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Wer kauft Tönsmeier?
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14:50 20.06.2018
Im Weserbergland ist Tönsmeier groß im Recycling-Geschäft: Hier werden die gelben Säcke eingesammelt und verwertet. Quelle: dpa
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Genannt werden als mögliche Käufer immer wieder die Branchengrößen Remondis und Veolia – wobei dies kein Wunder sein dürfte, schließlich kommt für eine Tönsmeier-Übernahme wohl nur ein Großer der Branche in Frage, und das sind die beiden zweifelsohne.

Der Konzern mit Stammsitz in Porta-Westfalica und einer Dependance in Stadthagen ist mit Informationen zum Verkaufsprozess eher zurückhaltend. Pressesprecher Boris Ziegler sagt auf Anfrage unserer Zeitung: „Zum Stand der Dinge gibt es nichts Neues. Wir liegen mit unserem Zeitplan gut im Rennen und sind optimistisch, dass wir Nachrichten im Zeitplan veröffentlichen können.“

Als Verkaufszeitraum war im März das erste Halbjahr 2018 genannt worden. Ziegler spricht nunmehr von „Juni/Juli“. Somit müssten die Verkaufsgespräche offenbar weit fortgeschritten sein. Wer also macht das Rennen um Tönsmeier?

150 Millionen Euro Investitionsstau

Es muss jedenfalls jemand sein, der nicht nur den Kaufpreis stemmen kann, sondern auch den Investitionsstau, den Tönsmeier selbst mit 150 Millionen Euro beziffert hat. Quellen wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) oder auch der „Europäische Wirtschaftsdienst“ (Euwid) nennen Veolia, die nach eigenen Angaben zu den drei größten privaten Entsorgungsunternehmen in Deutschland gehört.

Immer wieder genannt wird aber auch Remondis. Nach FAZ-Informationen soll Remondis jedoch nur Interesse an der Müllverbrennungsanlage in Bernburg haben, die als Ertragsperle bezeichnet wird. Das Ersatzbrennstoff-Heizkraftwerk Bernburg dient als Industriekraftwerk der Energieversorgung eines benachbarten Werkes der Solvay GmbH. Es wird von der Energie Anlage Bernburg GmbH betrieben, einer Tochtergesellschaft von Solvay und Tönsmeier.

Größter Abfallverwerter der Niederlande

Der in der Branche umtriebige „Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung“ beruft sich ebenfalls auf die FAZ, um die Gesellschaft Waterland ins Spiel zu bringen, die angeblich Interesse an Tönsmeier hat und das Unternehmen inklusive Schulden mit mehr als 300 Millionen Euro bewerten soll.

Waterland hält nach diesen Informationen unter anderem einen Mehrheitsanteil an Attero, einem niederländischen Unternehmen für Abfallmanagement, das Dienstleistungen aus dem gesamten Bereich der Abfallverwertung bietet, also Verbrennung, Kompostierung, Recycling und Deponierung. Das Unternehmen ist demnach der größte Abfallverwerter in den Niederlanden. tt

Der Tönsmeier-Konzern:

Der Entsorgungs-, Verwertungs- und Recyclingkonzern wurde 1927 von Karl Tönsmeier als „Bahnamtliche Spedition“ in Porta Westfalica gegründet und wird mittlerweile in dritter Generation als Familienunternehmen geführt. Heute ist Tönsmeier

mit einer breiten Leistungspalette europaweit als Umweltdienstleister und Energielieferant tätig. 1958 stieg Tönsmeier in die Hausmüllentsorgung ein, 1971 in die Industrie- und Gewerbeabfallentsorgung, 1973 kam Glas hinzu, 1989 Schrott und Altmetall. 1991 wurde Tönsmeier Partner des Dualen Systems. 1996 eröffnete Tönsmeier seine erste Niederlassung in Polen. Seit 1998 arbeitet Tönsmeier im Kunststoff- und Holzrecycling. Und seit 2005 ist der Konzern im Glasrecycling zur Gewinnung von Ersatzbrennstoffen tätig. Über 3000 Mitarbeiter

betreuen mit 1100 Fahrzeugen kommunale Auftraggeber, duale Systemträger und Kunden aus Industrie und Gewerbe. Tönsmeier unterhält 30 Aufbereitungs-, Sortier- und Recyclinganlagen, hat Standorte in Deutschland, in den Niederlanden und in Polen. Die Tönsmeier-Gruppe

ist an 70 Standorten aktiv – darunter auch in Porta Westfalica, Stadthagen, Hameln, Herford, Gütersloh, Lemgo, Espelkamp, Detmold, Halle, Paderborn, Petershagen und Rheda-Wiedenbrück. Der Umsatz des Tönsmeier-Konzerns

lag im Jahr 2016 bei 437,8 Millionen Euro (im Vorjahr waren es 403,1). Der Jahresüberschuss des Konzerns stieg im Jahr 2016 von 4,1 auf 7,1 Millionen Euro. r

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