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Aus dem Landkreis Wer zahlt?
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Wer zahlt?
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00:17 30.12.2017
Stundenlanger Stau, nichts geht mehr. Dann kommt der DRK zu Versorgung der Fahrzeuginsassen. Quelle: tol
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LANDKREIS/AUETAL

Ein Stau kann sich zum Albtraum für Autofahrer entwickeln. Über Stunden bewegt sich die Stahlkolonne keinen Millimeter, die Sonne knallt herunter, die eigenen Trinkwasservorräte sind schon lange verbraucht. Vielleicht sitzt sogar noch ein Kind auf der Rückbank. Dann das erlösende Klopfen am Fenster: Eine Hand in orangener Uniform reicht eine Flasche Wasser, vielleicht noch ein belegtes Brötchen oder Windeln für den Säugling auf der Rückbank. Immer wieder rückt der Einsatzzug des DRK-Kreisverbands zu Versorgungseinsätzen auf die Autobahn aus. Teilweise bewegt sich dann schon seit sechs Stunden gar nichts mehr.

Die Ehrenamtlichen verteilen nicht nur Wasser und Essen, sie reden auch beruhigend zu und versorgen kleine Verletzungen. „Einmal streckte uns sogar eine Frau ganz verzweifelt ihr Baby entgegen“, berichtet Kreisbereitschaftsleiter Thomas Knolle. „Sie konnte einfach nicht mehr.“

Auch wenn es sich bei den Mitgliedern um Ehrenamtliche handelt, kostet so ein Einsatz dennoch Geld. Allerdings wollen die Kommunen – die nach dem Gesetz für Gefährdungssituationen zuständig sind – die Rechnung nicht begleichen. Früher, so berichtet der Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands Thomas Hoffmann, hätten die Versicherungen der Autohalter anstandslos gezahlt. Doch seit der Versicherungsmarkt umkämpfter und die Gewinnmargen nicht mehr so traumhaft sind, würden diese immer öfter die Kosten nicht mehr übernehmen wollen. Seit 2014 klaffe daher beim Kreisverband eine Finanzierungslücke für Stau-Einsätze auf der Autobahn.

„Für uns ist klar: Wenn Leute in Not sind, helfen wir“, betont Knolle. Da frage er vorher nicht nach Geld. Aber problematisch sei es schon, wenn bei so einem Einsatz Kosten in Höhe von 5000 bis 10000 Euro entstünden. „Wasser ist ja nicht so teuer“, sagt Hoffmann. „Aber schwierig wird es beim Pfand.“ Den bekomme man nach einem Autobahneinsatz nicht zurück – die Ehrenamtlichen könnten ja nicht neben dem Auto stehen bleiben und auf die Rückgabe der leeren Flaschen drängen.

Nicht nur Lebensmittel, auch Hygieneartikel werden verteilt. Viehtransporter müssen zudem mit großen Mengen Frischwasser versorgt werden.

Dabei hat der Kreisverband in der Vergangenheit noch Glück gehabt: So habe etwa das Edeka-Zentrallager in Lauenau die Helfer bei einem großen Stau im Juni 2016 sofort mit Material versorgt – und wollte es nicht einmal in Rechnung stellen. 1000 Aufbackbrötchen, 400 Fladenbrote und 40 Kilogramm Schnittkäse sowie 40 Kilogramm Wurst konnten die Helfer daher verteilen. Noch einmal so viel Lebensmittel holten die Helfer aus der eigenen DRK-Küche in Steinbergen ab.

„Für solche Fälle haben wir die Handynummer von ,Notfallmanagern‘ etwa bei Edeka oder bei BauernGut“, erklärt Knolle. Da rufe man dann an und eruiere, wer so kurzfristig große Mengen Material bereitstellen könne. „Die Hilfsbereitschaft ist hier glücklicherweise enorm – und sehr unbürokratisch“, so Hoffmann.

Nach drei Jahren scheint aber Bewegung in die Sache zu kommen. Der Auetaler Bürgermeister Heinz Kraschewski signalisierte bereits die grundsätzliche Bereitschaft seiner Kommune, sich zu beteiligen. „Wir haben in der Bürgermeisterrunde mit dem DRK darüber gesprochen, allerdings ohne Ergebnis.“ Der Landkreis wolle das Thema jetzt aber aufarbeiten, da es ja mehrere Anrainerkommunen gebe. „Die wissen auch, was die Vorstellung des Roten Kreuzes ist.“

Zwar sei klar, dass Gefahrenabwehr – und darunter fällt auch ein Langzeit-Stau – Sache der Kommunen sei. Aber gerade für eine finanzschwache Gemeinde wie das Auetal sei die Situation vertrackt. Der Bund argumentiere zwar, wer auf seinem Gebiet eine Autobahn habe, profitiere auch durch höhere Gewerbesteuereinnahmen. Allerdings sehe man im Auetal, dass man zwar einen langen Autobahnabschnitt auf dem eigenen Gebiet habe, von der Gewerbesteuer aber nicht so massiv profitiere.

Dabei seien Versorgungseinsätze auf der Autobahn auch nur einer von mehreren Punkten. Teuer seien auch die Feuerwehreinsätze auf der Autobahn. So müssten die Ortsfeuerwehren deutlich leistungsfähigere Fahrzeuge und mehr Material vorhalten als andere Orte vergleichbarer Größe. Auch die Einsatzdichte sei in der Nähe der Autobahn deutlich höher.

Kraschewski sagt: „Wer die Musik bestellt, der soll sie auch bezahlen.“ Es sei nicht richtig, wenn über den Kopf der Kommune Aufträge erteilt würden, die diese dann bezahlen müsse. Zwar fordert in einem derartigen Fall die Autobahnpolizei bei der Rettungsleitstelle Hilfe wegen Gefahr in Verzug an – als Auftraggeber sehen sich aber weder Polizei noch Rettungsleitstelle. „Natürlich muss eine Lösung gefunden werden“, stellt Kraschewski klar.

Für DRK-Geschäftsführer Hoffmann könnte die so aussehen: Alle vier Anrainerkommunen zahlen in einen gemeinsamen Topf ein, aus dem dann das DRK für Einsätze bezahlt werde. Dabei könnte er sich eine Jahrespauschale sowie kleinere Beträge für die einzelnen Einsätze vorstellen, so Hoffmann.

Er ist auch zuversichtlich, dass man gemeinsam mit den Gemeinden eine Lösung für Schaumburg finden werde – die ersten Gespräche seien vielversprechend.

Bis dahin werde das DRK weiterhin ausrücken, wenn es gerufen werde. „Das gebietet uns schon unser Selbstverständnis“, sagt Hoffmann.

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