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Wie die Profis

Langfinger greifen in Schaumburger Regale Wie die Profis

Spätestens die Inventuren bringen es an den Tag: Es fehlt Ware, Langfinger haben in den Geschäften wieder Beute gemacht. Das gilt auch für Schaumburg.

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Gerade Jungs lassen gern CDs oder Videospiele mitgehen. Aber auch Ältere suchen manchmal den Adrenalinkick.

Quelle: rg

Landkreis. Täter können Jugendliche sein, die unter Konsumdruck stehen. Aber auch der eine oder andere Senior greift ins Regal. Viele Diebstähle scheinen auf den ersten Blick geringfügig. Die Polizei vermutet aber: Es greifen auch professionelle Auftragsdiebe in Schaumburger Regale.

Dass 85-jährige Damen ein Fläschchen Champagner oder Sekt im Mantel verschwinden lassen, kommt im Stadthäger Feinkosthaus Tietz durchaus vor. Das Gros der Diebstähle lässt sich aber nicht dieser Tätergruppe anlasten, sagt Marktleiter Christian Schulz. Ladendiebe fänden sich in allen sozialen Schichten und Altersgruppen. Vor allem aber habe Schulz eine Zunahme des professionellen Diebstahls registriert. Professionell bedeutet: Der Dieb versucht zum Beispiel im Auftrag eines Dritten, sechs Flaschen hochwertigen Whiskeys zu besorgen.

Und dann? „Hehlerware“, sagt Schulz. „Und heutzutage wird man die auch sehr viel leichter los, über das Internet.“ Für Schulz ist das einer der Gründe für eine gefühlte Zunahme von Ladendiebstahl. Der andere sei eine „gesunkene Hemmschwelle“. Der Kaufmann ist überzeugt: „Vor zehn Jahren war das weniger.“

Die Polizei in Stadthagen teilt diese Ansicht nicht. „Das ist ein Phänomen, das es gegeben hat, das es gibt, und das es wohl auch immer geben wird“, sagt Sprecher Axel Bergmann. „Mädchen stehlen Kosmetika, Jungen CDs und Videospiele.“ Ursache sei zumeist sozialer Druck. Eine Schere klafft zwischen dem Geld, das Kinder und Jugendliche zur Verfügung haben, und dem Standard, der in der Clique verlangt wird. „Das können auch Turnschuhe von einer bestimmten Marke sein“, so Bergmann. Bei den etwas älteren jungen Leuten seien es dann zumeist Genussmittel, die „mitgehen“ – vor allem alkoholische Getränke und Zigaretten.

Und dann, bestätigt Bergmann, gibt es den organisierten Ladendiebstahl. Wobei er „organisiert“ auf die Professionalität der Coups beziehe und nicht auf eine tatsächliche Anbindung der Diebe an etwaige mafiöse Strukturen. Allerdings, räumt der Polizeisprecher ein: „Mag sein. Ich weiß es nicht.“

Die Täter kundschaften gezielt Geschäfte ohne ausreichende Sicherung aus. Es gibt einen Fahrer und einen, der Schmiere steht. Mutmaßlich steht eine regelrechte Logistik hinter diesen Dieben, eine Beschaffungs- und Verkaufsorganisation. Wie im Falle der Zigarettendiebstähle, die sich um die Jahreswende im Landkreis auffällig gehäuft hätten. „Der Ablauf der Taten legt nahe, dass sie die Zigaretten nicht in irgendeinem Schuppen selbst geraucht haben“, sagt Bergmann.

Begehrte Hehlerware sind zum Beispiel auch teure Parfums. „Oft kommen die Diebe in Gruppen ins Geschäft“, erklärt Gabriela Homeier von der Parfümerie Koulen in Rinteln. „Während der Verkäufer in ein Beratungsgespräch verwickelt wird, verteilt sich der Rest der Bande im Geschäft und stiehlt.“

Hans-Jürgen Rambow, Geschäfstführer des Handelsverbands Deutschland (HDE) in Hannover, empfiehlt Einzelhändlern, auch kleine Delikte zu ahnden: „Es handelt sich hier ja nicht um ein Kavaliersdelikt. Die meisten Diebstähle beginnen sehr klein. Wenn der Dieb dabei nicht erwischt wird, gibt das eine Art Schlüsselerlebnis, das die folgenden Diebstähle immer größer und wertvoller werden lässt.“ Man solle zudem die vermutlich sehr hohe Dunkelziffer im Bereich Ladendiebstahl nicht vergessen. Dadurch schätzt der HDE den Gesamtschaden durch Inventurdifferenzen im deutschen Einzelhandel auf vier Milliarden Euro pro Jahr.

Die Kostenfrage kann auch der Geschäftsführer des Expert-Elektronikmarktes in Stadthagen, Stefan Tegeler, beantworten. Dort stehen vor allem Tablets und Smartphones bei Langfingern hoch im Kurs. Konkrete Zahlen nennt Tegeler nicht. Der Schaden, der durch Ladendiebstahl entstehe, sei aber von einer „durchaus beachtenswerten Höhe“. Und: Der Markt schützt sich, mit Detektiven, Kameras, Spiegeln. Ein Posten, der im Etat auffällt. Tegeler: „Wenn ich den nicht hätte, könnte ich drei Leute mehr einstellen.“

Von Sabrina Kleinertz und Jan-Christoph Prüfer

Zeuge werden

Auch Bodo Budde, Wachleiter und stellvertretender Geschäftsführer im Sicherheits- und Dienstleistungsunternehmen Schaumburg (SDS), kennt sich mit dem Thema Ladendiebe aus. Es gebe die Jugendlichen mit der Mutprobe, und auch Ältere suchten manchmal den Adrenalinkick. Dann seien da noch die Profis.

Aber, räumt Budde ein: „Es gibt genauso viele Diebe, die aus der Not heraus stehlen.“ Und was ist zu tun, wenn man als Unbeteiligter einen Diebstahl bemerkt? Budde empfiehlt: „Nichts riskieren, nicht einmischen.“ Besser: Vorfall an das Ladenpersonal melden und sich als Zeuge zur Verfügung zu stellen.   r

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