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Wirtschaftsmotor Apotheke in Bedrängnis?

Medis aus dem Internet Wirtschaftsmotor Apotheke in Bedrängnis?

Der Wegfall der Preisbindung für verschreibungspflichtige Medikamente stößt bei Johannes Padberg, der in Rehren eine Apotheke führt, auf Unverständnis. Es sei ein Beispiel dafür, dass die Rahmenbedingungen für seinen Berufsstand immer schlechter werden. Seine Kollegen warnen vor den Auswirkungen.

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Schaumburger Apotheker sind unterschiedlicher Meinung zum Wegfall der Preisbindung.

Quelle: dpa

Landkreis. Dass sich Krebspatienten oder an Parkinson Erkrankte ihre Medikamente bei einer Online-Apotheke im Ausland bestellen, ist für  Padberg eine abstruse Vorstellung. Vor 40 Jahren hat er sich  mit der Rehrener Apotheke selbstständig gemacht. Seit damals seien die Rahmenbedingungen für seinen Berufsstand immer schlechter geworden. Der Wegfall der Preisbindung für verschreibungspflichtige Medikamente, den der Europäische Gerichtshof jetzt entschieden hat, sei ein weiteres Beispiel dafür.

Warnung vor den Auswirkungen

Apotheker Klaus Bellwinkel nimmt das Urteil, das Versandapotheken im EU-Ausland vor einem Wettbewerbsnachteil schützen soll, als „sportliche Herausforderung“. Der Inhaber der Hirsch-Apotheke in Bückeburg warnt jedoch vor den wirtschaftlichen Auswirkungen, die die Entscheidung haben könnte. Und zwar nicht nur auf den einzelnen Apotheker, sondern auf die Bundesrepublik. „Schließlich sind Apotheken mit ihren Angestellten und allem, was dahinter steht, ein starker Wirtschaftsmotor. Ob man diesen Weg gehen sollte, nur damit der Einzelne zwei Euro an einem Medikament spart, ist die Frage.“

Schließlich sinke die Zahl der inhabergeführten Apotheken schon seit Jahren, wie die Apothekenkammer Niedersachsen bestätigt. Ende Juni 2016 waren in Niedersachsen 1978 Apotheken verzeichnet, vor sieben Jahren waren es noch 2107. Die Dichte bestehe nur noch, weil viele Pharmazeuten mehrere Filialen hätten. Wenn diese aufhörten, sei es jedoch schwer, einen Nachfolger zu finden.

Der einzige Weg, um Kunden an sich zu binden, sei die gute Beratung und ein besonderer Service, sind sich Bellwinkel und seine Kollegen sicher. „Wir bieten eine schnelle Verfügbarkeit und eine gesicherte Herkunftsqualität. Das letzte Wort hat aber der Kunde“, so Bellwinkel.

"Schnäppchenjäger werden wohl wegfallen"

Auch Padberg gibt zu, von dem Urteil geschockt gewesen zu sein, große Sorgen mache er sich allerdings nicht. Denn er könne sich nicht vorstellen, dass chronisch Kranke, die eine Dauermedikation bräuchten, auf die Beratung vor Ort verzichten würden. Aber: „Die Schnäppchenjäger werden wohl wegfallen.“ Welchen Einfluss dies auf die Apotheken speziell auf dem Land haben werde, wage er jetzt nicht vorauszusagen.

Dass viele ansässige Apotheken auf der Strecke bleiben könnten, diese Sorge beschäftigt Karin Grund schon. Seit 2008 leitet sie die Apotheke am Park in Bad Nenndorf und appelliert an die Kunden, nicht nur über die Preise zu schimpfen, „sondern auch den Service zu berücksichtigen, den wir bieten“. Dies sei nicht nur die intensive Beratung, sondern auch das Anmischen von Rezepturen und die kostenlose Lieferung.

„Da würde manch einer den Kopf schütteln, wenn er sehen würde, wie lange diese Prozedur dauert, die dann mit fünf Euro abgerechnet wird.“ Eine Versandapotheke könne ihre Preise natürlich ganz anderes kalkulieren. „Ich muss jeden, der hier steht, bezahlen. Das sollte auch honoriert werden.“ col

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