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Wo Denken tödlich sein kann

Landkreis / Iranische Fotografin Asrin Eskandari Wo Denken tödlich sein kann

Gott ist tot. Eine Anschauung, die in Deutschland provoziert, kann im Iran zu einem Todesurteil führen. Darum lebt Asrin Eskandari seit Jahresbeginn in Stadthagen. Ihre Wünsche für die Zukunft: Ehemann Hadi wieder in den Arm nehmen, Deutsch lernen – und mit ihren Fotos an einer Ausstellung teilnehmen.

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Eskandari und Sohn Rebin hoffen, dass Ehemann und Vater Hadi nachkommen darf. 

Quelle: jcp

Landkreis (jcp). Die Bilder waren Teil des Problems, das die iranische Regierung in Eskandari gesehen hat. Die Fotokünstlerin nimmt sich darin vor allem der Rolle der Frau in ihrer Heimat an – und der religiös begründeten Unterdrückung durch die Männer. Angeeckt ist die Kurdin aber auch schon früher und an anderen Stellen. In ihrer Schulzeit und an der Universität beteiligte sie sich an Demonstrationen. Das Literaturstudium durfte sie deshalb nicht beenden. Auch als Fotoredakteurin zweier kurdischer Tageszeitungen – die Kurden leben als Minderheit im persisch beherrschten Iran – stand die 27-Jährige unter Beobachtung durch die Polizei.

Eskandari floh in den Irak, gemeinsam mit Ehemann Hadi, nachdem dieser zu fünf Jahren Haft verurteilt worden war. „Glück“ gehabt: Auch ein Todesurteil oder das Abtrennen von Gliedmaßen wären möglich gewesen. Hadi hatte als Übersetzer philosophische Schriften ins Kurdische gebracht, unter anderem die Werke des deutschen Denkers Friedrich Wilhelm Nietzsche. Zu dessen bekanntesten Feststellungen gehört die vom Ableben des Allmächtigen.
„Gott ist tot“, sagt Hossein Zadim, ebenfalls Iraner und schon lange in Stadthagen. „Das geht im Iran gar nicht. Das ist lebensgefährlich.“ Als Alteingesessener unterstützt Zadim Eskandari, hat sie zum Beispiel in Minden für einen Deutschkurs angemeldet.

Nach dem Krieg, so mussten die Eskandaris feststellen, ist der Irak politisch nahe an den Iran gerückt – was sogar so weit führe, dass die iranische Polizei dort ungehindert ermitteln dürfe. Eine Veranstaltung im Ort Solaimanieh, die Asrin Eskandari mitorganisiert hatte, untersagte der Bürgermeister. Es hatte ein Gedenken für fünf Künstler werden sollen, die sich gegen die Verhältnisse im Iran ausgesprochen hatten und dafür dort hingerichtet worden waren.
Zusammen mit Sohn Rebin, der jetzt die Schule am Stadtturm besucht, schaffte Eskandari es über die Grenze in die Türkei. Sie durfte sich als Schwester des Schleppers ausgeben. Hadi wurde von der türkischen Grenzpolizei zurückgeschickt.

Jetzt hofft Eskandari, ihren Mann über die Familienzusammenführung nach Deutschland holen zu können. Ihr zweitwichtigster Wunsch: Schnell Deutsch lernen, um Nietzsche einmal im Original lesen zu können.
 

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