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Wölfe bleiben noch auf Abstand

Experten bestätigen Videobeweis Wölfe bleiben noch auf Abstand

Es ist tatsächlich ein Wolf gewesen, der am Osterwochenende in Sommersell bei Barntrup im Kreis Lippe mehrere Zwergziegen getötet hat. Darin seien sich Experten vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz nach der Auswertung von Videoaufnahmen der Wildtierkamera sicher, bestätigte das nordrhein-westfälische Umweltministerium.

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Seit 2008 leben in Niedersachsen wieder Wölfe. Grundsätzlich könnten die Tiere in allen Landesteilen und zu jeder Zeit auftauchen, heißt es beim Umweltministerium in Hannover. In Nordrhein-Westfalen sind jetzt vier Fälle seit 2009 bestätigt.

Quelle: Archiv

Auch im benachbarten Calenberger Land soll ein Wolf gesichtet worden sein. Drohen Schaumburg jetzt auch solche Übergriffe? Experten gehen zumindest davon aus, dass der Vierbeiner dem Landkreis in absehbarer Zeit einen Besuch abstattet. „Über kurz oder lang ist es schon wahrscheinlich, dass wir bei uns auch mal einen Wolf zu Gesicht bekommen“, erklärt Lothar Seidel vom Kreisforstamt. So eine Sichtung könnte aber auch nur darauf hindeuten, dass ein Tier das Gebiet durchwandert hat und wäre kein Beweis für eine Ansiedelung.

Bei den regionalen Viehzüchtern ist derzeit also keine besondere Vorsicht geboten. Das Mufflon, das vermeintlich im vergangenen Herbst bei Wendthagen von Wölfen gerissen wurde, stellte sich später als Opfer streunender Hunde heraus. „Wir könnten in dieser Hinsicht durchaus mehr Probleme mit entlaufen Hunden bekommen, als mit wilden Wölfen“, vermutet Seidel.

Gehege wolfssicher machen

Heiko Brede, einer von zwei für den Nachbar-Landkreis Hameln-Pyrmont zuständigen Wolfsberater des Landes Niedersachsen, rät zur Gelassenheit. Zum einen seien Wölfe potenziell für Menschen nicht gefährlich, betont er. Zum anderen gehe er davon aus, dass es sich bei dem Angreifer aus Sommersell um ein jüngeres durchziehendes Tier handele. „Auf dem Weg von A nach B ist es natürlich auf Futter angewiesen, und je leichter eine Beute zu erlegen ist, um so eher wird es sie reißen“, sagt er und rät Nutztierhaltern, ihre Gehege wolfssicher zu machen. „Aber grundsätzlich findet ein Wolf in unseren Wäldern genug natürliche Beute, um sich zu ernähren – also Wild“, so Brede.

Das Verhalten des Wolfes am Osterwochenende wertet Brede als normal, sowohl was das Auftauchen in unmittelbarer Nähe des Dorfes angehe, als auch einen möglichen Beutezug in zwei aufeinanderfolgenden Nächten. Der Experte betont, dass es bislang im Weserbergland bisher keinen bestätigten Fall einer Wolfssichtung gegeben habe, auch wenn sich die Menschen immer wieder sicher gewesen seien. Dass sich Wölfe aber auch im Rudel im relativ dicht besiedelten Weserbergland ansiedeln könnten, hält Brede für möglich. „Eine dichte Besiedlung ist für den Wolf kein Problem. Wichtig ist, dass die Nahrungsbasis vorhanden ist, und die ist im Weserbergland sehr gut.“

Speichelproben ausgewertet

Der Vorfall vom vergangenen Wochenende ist der vierte Nachweis eines Wolfes in Nordrhein-Westfalen seit 2009. Um die Herkunft und das Geschlecht zu ermitteln, wurden Speichelproben sichergestellt und zur Auswertung an das Nationale Referenzzentrum für genetische Untersuchungen von Luchs und Wolf in Gelnhausen übergeben. Dem betroffenen Landwirt in Sommersell werden laut Ministerium die vom Wolf gerissenen Ziegen entschädigt. Der Wolf hatte am Osterwochenende mehrere Zwergziegen gerissen und war dabei in einem Fall von einer Wildtierkamera gefilmt worden.

Zur potenziellen Beute von Wölfen gehören neben Ziegen auch Schafe, und die gibt es auch im Weserbergland reichlich. Die Schafzüchtervereinigung hatte immer wieder gewarnt, dass die wilden Tiere früher oder später zur Gefahr für die Herden werden könnten. Die Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände und der Bundesverband Deutscher Ziegenzüchter haben einen Forderungskatalog zum Schutz ihrer Tiere aufgestellt. „Wir fordern Unterstützung für die Erarbeitung und Umsetzung von Strategien, die nicht nur der ,Arterhaltung Wolf“ dienen“, heißt es unter anderem.

Mehr Probleme mit Hunden, als mit Wölfen

Im Schaumburger Land haben sich die grauen Wanderer noch nicht sonderlich blicken lassen. „Über kurz oder lang ist es schon wahrscheinlich, dass wir bei uns auch mal einen Wolf zu Gesicht bekommen“, erklärt Lothar Seidel vom Kreisforstamt. So eine Sichtung könnte aber auch nur darauf hindeuten, dass ein Tier das Gebiet durchwandert hat und wäre kein Beweis für eine Ansiedelung. Bei den regionalen Viehzüchtern ist derzeit also keine Vorsicht geboten. Das Mufflon, das vermeintlich im vergangenen Herbst in Wendthagen von Wölfen gerissen wurde, stellte sich später als Opfer streunender Hunde heraus. „Wir könnten in dieser Hinsicht durchaus mehr Probleme mit entlaufen Hunden bekommen, als mit wilden Wölfen“, vermutet Seidel.

Und weiter: „Wir fordern, dass die Bevölkerung über unsere Sorgen, Ängste und die zusätzlichen Aufwendungen, die sich aus dem Herdenschutz ergeben aufgeklärt wird.“ Zu Letzterem haben sich zumindest in Bad Pyrmont die im Hegering vereinigten Jäger bereits erneut bereit erklärt. gbr, uk

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