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Zahl der Koch-Auszubildenden hat historischen Tiefstand erreicht

Fahnenflucht am Kochlöffel Zahl der Koch-Auszubildenden hat historischen Tiefstand erreicht

Junge Leute zieht es nicht mehr zur Ausbildung an Töpfen und Pfannen. Von denen, die sich für eine Ausbildung in der Gastronomie entscheiden, schmeißen 60 Prozent nach kurzer Zeit wieder hin, berichten die Berufsbildenden Schulen (BBS) Stadthagen.

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Unbezahlte Überstunden und wenig Freizeit haben einen üblen Beigeschmack. Darum entscheiden sich immer weniger junge Menschen für eine Ausbildung in der Gastronomie. Foto: DPA

LANDKREIS. „Im letzten Ausbildungsjahr haben 15 junge Leute ihre Kochausbildung angetreten, mittlerweile sind noch sechs übrig“, weiß Renate Steltner von den BBS. Das sei der niedrigste Stand seit fast 20 Jahren.

Die meisten würden schon innerhalb der vierwöchigen Probezeit ihre Kochmütze wieder an den Nagel hängen. „Vielen ist nicht richtig bewusst, dass sie in der Küche noch arbeiten müssen, wenn alle anderen Feierabend haben“, beobachtet Steltner. Aber auch die schlechten Bedingungen in vielen Betrieben wären ausschlaggebend.

„Die jungen Köche bekommen wenig oder keine freien Tage, Überstunden werden nicht bezahlt“, schildert Steltner. „Da entscheiden sich viele eher für das Büro und den Feierabend um 17 Uhr, als bis 24 Uhr in der Küche zu stehen, wenn sie um sechs Uhr wieder aufstehen müssen.“ Freie Ausbildungsplätze in anderen Branchen gebe es schließlich zur Genüge.

Im Ergebnis hätten einige Betriebe mittlerweile ihre Mühe, die Plätze überhaupt zu besetzen. Wo früher zwischen 30 und 40 Bewerbungen eingegangen waren, käme jetzt auch mal keine einzige mehr an.

Die BBS steckten ihre Köche aus dem ersten Lehrjahr in die Klasse der fortgeschritteneren, weil die Klassen nicht voll werden. Für das nächste Jahr seien zwei Berufschulklassen geplant, Steltner glaubt aber, nur eine füllen zu können.

Dabei könnte es so einfach sein. Sowohl Familienbetriebe, als auch größere Ketten schafften es durchaus, ihren Nachwuchs bei der Stange zu halten. „Es sind überhaupt keine großen Anreize nötig. Hin und wieder ein Lob oder eine Prämie für die geleistete Arbeit helfen viel“, meint Steltner. Auch Betriebsausflüge und Feiern würden Auszubildende an ihren Arbeitsplatz binden.

Die Gastronomen betrachten den hohen Anteil an Abiturienten bei den Schulabsolventen und die höheren Erwartungen an das Arbeitsleben als Problem. Die Einsatzbereitschaft für den anstrengenden Kochberuf würden nur wenige aufbringen.

„Es ist niemand mehr übrig, der die Berufe erlernen will, die Deutschland stark gemacht haben“, meint Frank Döppner vom Stadthotel mit dem Restaurant „Kleine Sinfonie“ in Stadthagen. Der Geschäftsführer lockt mit Extras und Prämien, hat damit bei der Nachwuchswerbung aber keinen Erfolg. „Von sechs Bewerbern haben wir zwei eingeladen und niemand kam. Für die Küche haben wir schließlich eine Kandidatin gefunden, die sich vorher schon mit unserem Betrieb vertraut gemacht hatte“, sagt der Geschäftsführer.

Das Fischhaus Blanke in Stadthagen verzichtet in diesem Jahr ganz auf neue Auszubildende. „Wir kommen mit den bisherigen Kräften aktuell gut zurecht“, sagt Inhaber Michael Blanke. „Der Beruf fordert viel Einsatz und die Arbeitszeiten sind schwierig. Viele bringen die Motivation dafür nicht mehr auf“, beobachtet er. geb

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