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Zahl der Nichtschwimmer wächst „besorgniserregend“ an

Landkreis / Bäderschließungen und verändertes Freizeitverhalten Zahl der Nichtschwimmer wächst „besorgniserregend“ an

Die Schwimmfähigkeit von Kindern hat stark nachgelassen. Studien des DLRG-Bundesverbandes zufolge sind deutschlandweit rund 50 Prozent der Grundschüler nach der vierten Klasse nicht schwimmsicher. In Schaumburg ist das kaum anders.

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Beim Schwimmkurs in Obernkirchen lernen die Kinder sicheres Verhalten im Wasser.

Quelle: kil

Landkreis (kil). Schwimmschulen und -verbände führen dies auf den Rückgang von Schwimmbädern und ein verändertes Freizeitverhalten zurück. „Die Schwimmfähigkeit hat extrem nachgelassen“, berichtet Olaf Böhlke, Vorsitzender des DLRG-Ortsvereins Stadthagen. Eine Entwicklung, die sich seit zehn bis 15 Jahren schleichend vollzogen habe. „Immer mehr Schwimmbäder werden geschlossen und stattdessen Spaßbäder eröffnet“, sagt er. „So wird es für Schulen und Schwimmvereine schwieriger, Trainingszeiten zu bekommen.“

In ganz Schaumburg gebe es für sämtliche Schulen nur eine Handvoll Bäder. Außerdem fehlten den Lehrern oft die Vermittlungsfähigkeiten. „Ein Lehrer auf 30 Schulkinder“ – das sei nicht effektiv. Axel Kruse, Schwimmmeister im „Tropicana“ kann dies bestätigen. Ihm zufolge hat die Zahl der Nichtschwimmer heftig zugenommen. Der Bedarf an Schwimmkursen außerhalb der Schule sei dabei gestiegen.

Schwimmlehrer Marcus Reinecke, der Schwimmkurse im Bergbad Obernkirchen anbietet, berichtet Ähnliches. „Auf die Schule kann man sich nicht mehr verlassen“, meint er. „Viele Kinder haben noch nie richtig Wasser im Gesicht gehabt.“ Spielerisch müsse er sie daran gewöhnen, Wasser zu akzeptieren. Unter den Nichtschwimmern seien auch viele Kinder mit Migrationshintergrund. Schwimmbäder mit Badezeiten für muslimische Mädchen und Frauen gibt es im Landkreis nicht.

„Dabei heißt Schwimmfähigkeit Sicherheit“, betont Reinecke. „Das ,Seepferdchen‘ lässt sich nicht automatisch mit der Schwimmfähigkeit gleichsetzen“, denn das Abzeichen ist seiner Ansicht nach „nicht kindgerecht“. Die Prüflinge müssten sich dabei lediglich 25 Meter über Wasser halten. „Wie sie das schaffen, ist egal“, kritisiert er.

Auch Martin Janssen, Pressesprecher der DLRG-Bundesgeschäftsstelle in Bad Nenndorf, findet: „Die Entwicklung ist besorgniserregend.“ In 2004 habe die Schwimmfähigkeit noch bei 66 Prozent gelegen, in den Achtzigern und Neunzigern vermutlich noch höher. Auch er führt die Entwicklung einerseits auf die abnehmende Bäderstruktur zurück. „20 Prozent aller Grundschulen haben keinen Zugang zu einem Bad.“ Hinzu komme „das geringe Interesse der jungen Generation“, die mit Playstation und digitalem Fernsehen aufwachse. Aufgefallen sei ihm auch, dass mehr Kinder aus finanziell oder bildungsschwachen Familien nicht richtig schwimmen könnten. Böhlke zufolge liegen die Kosten für einen privaten Schwimmkurs zwischen 60 und 100 Euro.

Wann ist der Zeitpunkt, um mit dem Schwimmen zu beginnen? Böhlke meint: „Am besten ist es, sein Kind bereits beim Babyschwimmen ans Wasser zu gewöhnen.“ Im Alter von vier bis fünf Jahren könne man dann mit „Seepferdchen“ und Schwimmtechniken weitermachen.

Schwimmflügel sind Reinecke zufolge „nicht die optimale Lösung.“ Zur Sicherheit in natürlichen Gewässern seien sie zwar angebracht, die Schwimmausbildung förderten sie aber nicht. „Sind die Schwimmflügel dann plötzlich ab, tut das Kind oft keinen Schritt mehr ins Wasser“, gibt er zu bedenken.

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