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„Zeit für ein klares Zeichen“

Homo-Ehe „Zeit für ein klares Zeichen“

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist vom klaren „Nein“ der CDU zur Homo-Ehe öffentlich abgerückt. Bisher können Homosexuelle eine eingetragene Partnerschaft, nicht aber eine Ehe eingehen.

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Die vollständige Gleichstellung homosexueller Paare kommt in greifbare Nähe.

Quelle: dpa

LANDKREIS. Und sie können keine Kinder adoptieren. Die vollständige Gleichstellung homosexueller Paare kommt damit in greifbare Nähe. Merkel hat den Fraktionszwang für die Abstimmung aufgehoben, die eventuell noch diese Woche stattfindet. Damit stünde es einzelnen Abgeordneten frei, eine Entscheidung zu treffen. Merkel wünsche sich eine Debatte „die eher in Richtung einer Gewissensentscheidung gehe.“

Direkt betroffen von dieser Entwicklung ist der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete Maik Beermann. Auf Anfrage erklärt er, noch nicht am Ende seiner Meinungsbildung zu sein. Er lässt aber schon eine klare Tendenz durchblicken: „Zwei Väter oder zwei Mütter sind keine schlechteren Eltern als Mann und Frau.“ Da sich die Gesellschaft ändere, müsse man auch als konservativer Politiker mit der Zeit gehen. Demnächst wolle er seine 6500 Facebook-Fans zu Stellungnahmen zu dem Thema aufrufen.

Etwas kritischer sieht es Horst Sassenberg, CDU-Fraktionsvorsitzender in Obernkirchen. „Ich tue mich da gerade bei der Kindeserziehung schwer“, sagt er. Allerdings habe er sich noch nicht intensiv mit dem Thema beschäftigt. „Ich würde mich gerne mal mit einem homosexuellen Paar unterhalten und mich informieren“, zeigt sich der Politiker gesprächsbereit. Die neue Haltung Merkels sieht er vor allem möglichen Koalitionsverhandlungen geschuldet.

Für den Rintelner CDU-Fraktionsvorsitzenden Veit Rauch ist die Frage dagegen „kein großes Thema.“ Für ihn sei das in Ordnung, „wenn einer meint, er soll das tun, dann soll er es tun“.

Ähnlich sieht es der Bückeburger CDU-Fraktionsvorsitzende Axel Wohlgemuth: „Ich glaube, dass es gute Leute gibt, die in einer gleichgeschlechtlichen Ehe ein Kind großziehen.“ Er habe vollstes Vertrauen in die zuständigen Stellen, die sowieso eine Einzelfallprüfung durchführen.

Matthias Wehrung, CDU-Stadtverbandsvorsitzender von Rinteln, sagt: „Für mich persönlich ist die Ehe die Verbindung zwischen Mann und Frau.“ Eine homosexuelle Partnerschaft sei nicht exakt das Gleiche. Daher sei er mit der derzeitigen rechtlichen Regelung eigentlich zufrieden gewesen. Die Adoption sieht er kritisch, gerade da es genügend Heterosexuelle mit Adoptionswunsch gebe. „Ich persönlich würde heterosexuellen Paaren den Vorzug geben“, so Wehrung. Jörn Lohmann

 Der jüngste CDU-Kreistagspolitiker aus dem Auetal findet, dass niemand wegen seiner sexuellen Orientierung ungleich behandelt werden dürfe. „Ich finde es auch diskriminierend, wenn man es nicht Ehe nennen darf.“ Er fordert eine vollständige Gleichstellung. Dagmar Söhlke

Die CDU-Fraktionssprecherin von Eilsen, , fordert in erster Linie Toleranz. „Es steht niemandem zu, zu bestimmen, wie andere glücklich werden.“ Noch unsicher ist sie sich bei der Frage der Adoption. „Da fehlen mir auch einfach die Erfahrungswerte.“

 

Zeichen gegen dieweltweiten Anfeindungen

In der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers, zu der auch der Kirchenkreis Grafschaft-Schaumburg gehört, werden Segnungen bereits praktiziert. Diese unterscheiden sich aber noch von einer Trauung, wie der Superintendent des Kirchenkreises, sagt Andreas Kühne-Glaser. Er selbst hat nichts gegen eine Ehe unter Gleichgeschlechtlichen. „Ich finde, es ist an der Zeit, dass der Staat die Möglichkeit bietet. Insofern kann ich das auch begrüßen.“ Dennoch sei die evangelische Kirche eine Volkskirche, in der es diverse Haltungen gebe. „Deswegen müssen wir auch all diejenigen mit ins Boot holen, die ein Problem damit haben.“ Es sei aber auch an der Zeit, ein klares, eindeutiges Zeichen gegen die weltweiten Anfeindungen von Homosexuellen zu setzen.

Wichtig bei jedem Bund, den zwei Menschen miteinander eingehen, sei, dass dies in Liebe, Würde und gegenseitiger Verantwortung geschehe. Bislang gebe es aber auch in der Landeskirche Hannover einen Unterschied bei der heterosexuellen Ehe und der Partnerschaft von Homosexuellen, die anstelle einer Hochzeitszeremonie eine Fürbittenandacht feiern könnten. „Da ist eine Abstufung dabei.“ Wenn aber die Politik jetzt handle, sei das auch für seine Landeskirche ein Ansporn zu handeln und beide Lebensformen gleichzustellen.

Er nehme aber auch Menschen ernst, die diese Entwicklung mit Sorge betrachten. „Man darf sie nicht verurteilen“, sagt Kühne-Glaser. Auch bei der Adoption durch homosexuelle Paare sieht er kein Problem. „Es kommen erwiesenermaßen keine schlechteren Menschen dabei raus.“

Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Schaumburg-Lippe reagiert mit vorsichtiger Distanz auf den politischen Vorstoß. Landesbischof Karl-Hinrich Manzke will sich auf keine Position festlegen, ohne die Details eines neuen Gesetzentwurfes zu kennen: „Der in unserem Grundgesetz hoch angesetzte Schutz von Ehe und Familie muss gewahrt bleiben. Ich begrüße aber die Entwicklung zum Ende der Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften.“

Manzke lobt Merkels Haltung, den Fraktionszwang bei einer Abstimmung darüber im Bundestag zugunsten einer Gewissensentscheidung der Abgeordneten von CDU und CSU aufzuheben. „Die Entwicklung bei der CDU war überfällig“, meint Manzke. Derzeit befasst sich auch die Landessynode ergebnisoffen mit der Frage der Segnung homosexueller Paare. „Es gibt dazu sehr unterschiedliche Positionen in unsere Kirche. Wir wollen bei dem Thema daher viel Sorgfalt walten lassen“, erklärt der Landesbischof.

jak/geb/bab

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