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Zivis werden schmerzlich vermisst

Landkreis Zivis werden schmerzlich vermisst

Nicht erst der enorme Einsatz für Tausende Flüchtling macht es deutlich: Hilfsorganisationen sind dringend auf kontinuierliche Mitarbeit Ehrenamtlicher angewiesen. Der Vorsitzende des DRK-Kreisverbandes, Bernd Koller, fordert darum ein verpflichtendes Soziales Jahr für alle jungen Männer und Frauen, die die Schule verlassen.

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Quelle: Symbolfoto

Landkreis. Koller sagte während der Hauptversammlung des DRK-Kreisverbandes: „Wir brauchen schnellstens eine politische Diskussion darüber.“

Bis 2010 standen dem DRK Schaumburg vier bis sechs Zivildienstleistende zur Verfügung, die sich ein Jahr in Pflegeheimen, in der Tafel, in mobilen sozialen Diensten engagierten. Außerdem leisteten 16 junge Männer Ersatzdienst in den Rettungsbereitschaften, wo sie zwar nicht täglich, dafür aber über mehrere Jahre mit einer bestimmten Stundenzahl vertreten waren.

Letzteres mehrjähriges Ersatzdienstmodell galt ebenso für die Freiwillige Feuerwehr und das Technische Hilfswerk (THW). Mit der Abschaffung der Wehrpflicht fiel auch der Wehrersatzdienst weg – und damit die genannten jungen Einsatzkräfte in Pflege, Rettung und Katastrophenschutz. Bis 2010 gab es bundesweit jährlich rund 9000 DRK-Zivildienstleistende.

Bedarf gibt es auch im Brandschutz. Noch fänden sich ausreichend Freiwillige, die bei der Feuerwehr ehrenamtlichen Dienst täten. Aber „der Wegfall des Ersatzdienstes hat auch der Feuerwehr weh getan“, sagte Kreisbrandmeister Klaus-Peter Grote in einem Grußwort während der DRK-Versammlung.

Um 35 Prozent ist die personelle Einsatzkraft des THW-Ortsverbandes Stadthagen seit 2010 geschrumpft, zeigte dessen Leiter Detlef Schröter im Gespräch mit dieser Zeitung auf. 15 bis 18 Ersatzdienstleistende fehlten nun in der Stadthäger Gruppe. Dabei gehe es nicht nur um die Anzahl, sondern auch darum, dass gerade die jungen und im wahren Wortsinn tatkräftigen jungen Leute fehlten. „Wir vermissen sie schmerzlich“, sagte Schröter und sprach sich grundsätzlich für ein Pflichtjahr aus. Der THW-Leiter fügte an, dass die Ersatzdienstleistenden im THW nicht nur etwas gaben sondern auch bekamen. Zum Beispiel konnte der Lkw-Führerschein gemacht werden. Viele Ersatzdienstleistende seien nach den absolvierten Dienstjahren aus Freude an der Sache dabeigeblieben. Schröter gehörte selbst zu dieser Gruppe.

Koller zitierte während der DRK-Versammlung aus einem Report der „Zeit“ aus dem Jahr 2014. Demnach habe eine Studie des Familienministeriums 2011 ergeben, dass der Zivildienst eine „gelungene Instanz der persönlichen und sozialen Entwicklung junger Männer“ sei. Egal, mit welcher Einstellung die Dienstzeit angetreten worden sei, am Ende hätten die Zivis bessere soziale Kompetenzen, seien teamfähiger und selbstständiger, hätten mehr Verständnis für andere gesellschaftliche Gruppen und übernähmen mehr soziale Verantwortung.

Koller zeigte außerdem auf, dass es ihm bei einem verpflichtenden sozialen Jahr – ersatzweise einer mehrere Jahre langen Verpflichtung, die stundenweise neben Ausbildung oder Beruf geleistet werden kann – nicht um billige Pflegekräfte oder schlecht bezahlte Helfer gehe. Ihm gehe es um „gelebte Demokratie, um gelebte Menschlichkeit“, auch um „eine nachhaltige gesellschaftliche Daseinsvorsorge durch Verständnis für hilfsbedürftige Menschen.“ sk

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