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Zoff bei den Linken – immer mehr Austritte

Landkreis Zoff bei den Linken – immer mehr Austritte

Zoff und Erosion bei den Linken in Schaumburg: Erst brauchte es zwei Versammlungen, um einen neuen Vorstand zu wählen. Und seither mehren sich die Austritte: Der alte Vorsitzende Sören Hartmann verlässt den Kreisverband. Dessen Stellvertreterin Melanie Böger und der frühere Kassierer Robert Schipke traten ebenso wie der Rintelner Ratsherr Zlatko Stevic gleich ganz aus der Partei aus. Hartmanns Schwester und Mutter wollen folgen.

Landkreis (dil). Vordergründig versuchen alter und neuer Vorstand, den Ball flach zu halten, doch der im Herbst 2011 ausgetretene Heinz Josef Weich aus Rinteln gießt Öl ins Feuer. Er lästerte gestern per E-Mail, dass im Dezember die Teilnehmer einer Kreisversammlung mit Vorstandswahl „in massivem Streit und Chaos auseinandergelaufen“ sind. Hierzu erklärte gestern der alte Vorstand, er habe damals schon nicht mehr für eine neue Amtszeit zur Verfügung gestanden. In der Versammlung gab es dann Differenzen mit den voraussichtlichen Nachfolgern. Sechs Mitglieder verließen den Raum, neun blieben, wählten aber nicht.

Am 23. Februar gab es einen neuen Anlauf – wegen verschlossener Türen am Rintelner Bürgerhaus in der nahen „Marktwirtschaft“. Zehn Mitglieder waren dort. Hartmann, seine Stellvertreter Melanie Böger und Jens Christian Möller sowie Kassierer Robert Schipke waren nicht da. Renate Engelmann aus Exten tritt die Nachfolge von Sören Hartmann an, Jutta Witt und Olaf Buschmann sind ihre Stellvertreter, Volker Riehs wurde Schatzmeister. Dem neuen Vorstand gehören außerdem Elke Ryzek, Florian Lehmann und Robert Ryzek als Beisitzer an. Bis auf die Vorsitzende kommen alle aus dem Ortsverein Bad Nenndorf.

„Für das neue Team ist der Kampf gegen Nazis, Rassismus und jede Form der Ausgrenzung sozialer Gruppen weiterhin eine zentrale Aufgabe“, teilt Engelmann mit. In den kommunalen Parlamenten und in verschiedenen Bündnissen wie „Bad Nenndorf ist bunt“ oder der „Copy and Paste“-Kampagne, die sich gegen Nazigewalt in Bückeburg einsetzt, wollen sie mitarbeiten. Beratung in sozialen Fragen ist geplant. Benachteiligte Menschen sollen im Kampf um ihre Rechte unterstützt werden. So findet laut Engelmann in Bad Nenndorf bereits regelmäßig eine Hartz-IV-Beratung statt, und in Rinteln soll demnächst eine Hilfe von Betroffenen für Betroffene folgen. Das Sozialticket, die solidarische Umsetzung der Energiewende und das Thema Bürgerhaushalt seien weitere kommunalpolitische Schwerpunkte, die sich die Linken in Schaumburg, auch im Hinblick auf die Landtagswahl im Januar 2013, setzen, so Engelmann gegenüber unserer Zeitung.
Eine der ersten Aktionen ist die Beteiligung der Kreisorganisation am ersten Ostermarsch im Weserbergland. Am Ostersamstag rufen die Linken dazu auf, nach Holzminden zum Friedensmarsch zu kommen.

Zwei Tage nach der Wahlversammlung traten Stevic, Schipke und Böger bei den Linken aus. Letztere wollen politisch nach sechs Jahren bei den Linken erst mal nicht mehr aktiv sein. Stevic macht im Rintelner Stadtrat als Parteiloser weiter.
Hartmann will zum Kreisverband Hameln wechseln, zieht sich aber erst einmal aus der Kommunalpolitik zurück. Er habe derzeit privat viel um die Ohren, und in Kürze werde er ein Auslandssemester in Argentinien verbringen, begründet er den Zeitpunkt seines Rückzugs, sagt aber, mit dem aktuellen Vorstand und der Vorsitzenden nichts mehr zu tun zu haben.

Engelmann findet eine Beteiligung an der Versammlung von nur zehn der nach ihren Angaben noch rund 61 Mitglieder normal: „Die Resonanz war früher auch nicht besser.“ Sie kam erst im August 2009 aus Berlin (Prenzlauer Berg) zu den Schaumburger Linken, setzte dann kurzzeitig aus, kehrte Anfang 2010 zurück. Laut ihrem Facebook-Profil fühlt sie sich durch „Goethe, Lenin und Karl Marx“ inspiriert. Sie hat bisher kein politisches Mandat. Gestern sagte sie, in den letzten drei Jahren hätten rund 15 Mitglieder den Kreisverband verlassen, zum Teil aber auch wegen Umzugs. Nun kommen weitere Austritte hinzu. Aber Engelmann blickt unverdrossen in die Zukunft: „Wir möchten keine Konfrontationen mit anderen Strömungen bei den Linken in Schaumburg. Wir wollen lieber für die Menschen hier arbeiten.“

Weich dagegen zählt (sich selber mitgerechnet) acht Parteiaustritte in Schaumburg in den vergangenen Monaten auf, darunter ein Stadtratsmitglied in Stadthagen und mit Stevic eins in Rinteln. Weich: „Zlatko Stevic ist nicht der erste und wird nicht der letzte Austretende sein.“

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