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Zunehmender Männermangel im Lehrerkollegium

Landkreis / Frauen auf dem Vormarsch Zunehmender Männermangel im Lehrerkollegium

In der großen Pause ist das Lehrerzimmer voller Frauen: 17 Lehrerinnen unterrichten an der Grundschule in Heeßen. Der einzige Mann im Raum ist Schulleiter Joachim Preuß. Für Schaumburg und darüber hinaus ist der Anblick typisch: An Grundschulen sind Männer Mangelware.

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Viele Frauen, kaum Männer: Was an Grundschulen - wie hier in Heeßen - bereits lange Alltag ist, gilt zunehmend auch für weiterführende Schulen.

Quelle: lmh

Landkreis (lmh). „Im Sinne der Zusammenarbeit ist das kein Problem“, sagt Preuß. „Die andere Frage ist, was das für die männlichen und weiblichen Rollenbilder bedeutet, die die Kinder entwickeln.“

 

Petra Ammon, Leiterin der Grundschule am Sonnenbrink in Stadthagen, sieht das genauso: „Eine gute Mischung wäre auf jeden Fall wichtig.“ Das Problem: keine männlichen Bewerber. „Einmal war ein einzelner Herr dabei. Den hab’ ich versucht zu kriegen, aber er hat sich anders entschieden.“

 

Während der Männermangel an Grundschulen ein altbekanntes Problem ist, greift er zunehmend auch an weiterführenden Schulen um sich. Den Statistiken der Landesschulbehörde zufolge sind inzwischen zwei Drittel der Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen in Niedersachsen weiblich. Für Berufseinsteiger unter 30 Jahren galt das der aktuellsten Statistik von 2009 zufolge sogar für 88 Prozent – Tendenz steigend. „Bei den Neueinstellungen hatten wir in der Tat nur Frauen“, bestätigt Rotraud Becker, Leiterin der Schule am Schlosspark in Stadthagen. „Natürlich würde ich den Jungs auch mal wieder einen Sportlehrer gönnen, der richtig Fußball mit ihnen spielt“, sagt Becker. „Aber die Stellen werden eben nach Qualifikation vergeben.“

 

Die Gymnasien galten in Sachen Lehrer-Kollegium lange als Männerdomäne. „Vor 15, 20 Jahren lag die Verteilung noch bei 80/20 zugunsten der Männer“, berichtet Heiko Knechtel, Schulleiter des Wilhelm-Busch-Gymnasiums (WBG). „Die Zahl der männlichen Referendare ist aber ganz stark zurückgegangen.“ Ein gutes Beispiel ist das Stadthäger Ratsgymnasium: Das Verhältnis ist mit 54 Männern zu 51 Frauen fast ausgeglichen, bei den Referendaren jedoch sind es zwölf Frauen und nur drei junge Männer.

 

Am WBG haben die Lehrerinnen ihre Kollegen mengenmäßig schon mit 68 zu 44 überholt. Auch in Bad Nenndorf sind die Frauen im Stammkollegium bereits in der Überzahl. Angesichts der Tatsache, dass der Frauenanteil bei den Abiturienten ganz ähnlich liegt, findet Knechtel diese Entwicklung „nicht unnormal“.

 

Reinhold Lüthen vom Rintelner Ernestinum kann die Entwicklung allerdings nicht bestätigen. „Wir haben in den letzten Jahren mehr Männer als Frauen eingestellt.“ Der aktuelle Stand beträgt dort 50 Lehrer zu 34 Lehrerinnen. Einen besonderen Grund sieht Lüthen dafür nicht. „Das hat sich aus der Bewerbersituation einfach so ergeben. Vielleicht ticken die Uhren in Rinteln einfach noch ein bisschen anders.“

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