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Aus dem Landkreis Zwist zwischen Agdas und Grünen schwelt weiter
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Zwist zwischen Agdas und Grünen schwelt weiter
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00:16 31.10.2013
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Landkreis. In einer E-Mail vom 13. Oktober hat Agdas „freundlich um die Begründung der Ablehnung des Kreisvorstandes gebeten“, wie der GJS-Chef auf SN-Anfrage bestätigte. Bislang habe dieser darauf nicht reagiert, „ich warte verzweifelt auf eine Antwort“. Warum der Kreisvorstand sich nicht rühre, sei ihm ein Rätsel.

Grünen-Kreisvorsitzender Christoph Ochs bestätigte, dass sich der Vorstand während seiner Sitzung Mitte August mehrheitlich gegen eine Aufnahme von Agdas ausgesprochen hat. „Jeder der Beteiligten hat seine eigenen Beweggründe dafür gehabt, die können wir gegenüber Herrn Agdas nicht alle einzeln aufzählen.“ Agdas werde aber ein schriftliches Protokoll dieser Sitzung erhalten. Dass dies bisher noch nicht passiert ist, liege daran, „dass es noch nicht genehmigt werden konnte“.

Maßgebend für die Ablehnung des Aufnahmeantrags sei ohnehin das Mehrheitsvotum der Kreismitgliederversammlung Anfang Oktober gewesen. Eine Entscheidung durch die Parteibasis habe Agdas selbst beantragt. Bei dieser Sitzung sei er auch dabei gewesen. Gleichwohl werde er auch davon ein Protokoll erhalten, sobald dieses genehmigt sei, kündigte Ochs an. Der Kreisvorsitzende fügte hinzu: „Laut Landessatzung der Grünen ist es nicht erforderlich, Gründe für eine Ablehnung zu nennen.“

Gegenteilige Auffassungen zwischen dem Chef der GJS und dem Grünen-Kreisvorstand gibt es weiterhin auch über das Ergebnis eines Mediationsverfahrens Ende Juli unter Leitung von Grünen-Kreistagsfraktionschef und Rechtsanwalt Michael Dombrowski. Per facebook-Auftritt der GJS teilte Agdas dazu mit, Dombrowski habe per Protokoll-Entwurf schriftlich festgestellt, „dass die gravierenden Vorwürfe, nämlich die Holocaust-Leugnung, der Antisemitismusvorwurf und der Salafismus-Vorwurf, überzeugend ausgeräumt werden konnten“.

Dass dies Dombrowskis Überzeugung ist, bestätigte Ochs auf Anfrage. Dombrowski selbst war am Dienstag aus Urlaubsgründen nicht erreichbar. Ochs freilich widerspricht „dieser Einschätzung teilweise“. Der Vorhalt der Holocaust-Leugnung sei aus der Welt. Aber etliche andere Fragen hätten „nicht geklärt werden können“. Was aus Sicht des Kreisvorstandes nach wie vor gegen den GJS-Chef im Raum stehe, „möchte ich Herrn Agdas nicht öffentlich vorwerfen“, sagte Ochs knapp.

Nach dem Fraktionschef der Grünen im Lindhorster Samtgemeinderat, Matthias Hinse (wir berichteten), hat nun auch Heiner Wrede, Ratsherr der Grünen im Samtgemeinderat Nenndorf, harsche Kritik an der Ablehnung geübt. „Erbost und enttäuscht“ sei er davon, dass „eine so fähige junge Person niedergemacht wird“, sagte Wrede gegenüber dieser Zeitung. Für die Nichtaufnahme habe er „nur fadenscheinige Argumente gehört“. Dieser Vorgang sei „unglaublich und schadet den Grünen enorm“, so der Kommunalpolitiker.

Er und Hinse seien bei Weitem nicht die Einzigen, die das Verhalten empört, sagte Wrede abschließend. Ein Mitglied des Kreisvorstandes habe sein Amt aus Protest niedergelegt, und etwa die Hälfte des Stadthäger Ortsvereins habe seinem großen Unmut per E-Mail an den Kreisvorstand Luft gemacht.

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