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Auf Vettels Spuren

Thema des Tages Auf Vettels Spuren

Der neunjährige Nico Asche aus Coppenbrügge tritt dieses Wochenende bei der Deutschen Meisterschaft im Kartfahren an. Auch wenn seine Freunde lieber Fußball spielen, kann Nico vom Kartfahren nicht genug bekommen. Er liebt einfach das Tempo. Als Großer will er später Autos bauen.

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Quelle: pr.

Von Maike Schaper

Das was Nico kann, kann ich nicht“, sagt Mama Ulrike Asche anerkennend über die Leistungen ihres Sohnes. „Neulich bin ich das erste Mal selbst Kart gefahren und musste feststellen, dass das gar nicht so einfach ist. Das mit der Lenkung und wann eingeschlagen wird, muss man erst rausbekommen.“ Das Kart, mit dem Nico in seiner Altersklasse der Jahrgänge von 2005 bis 2006 fährt, hat 6,5 PS. Es gilt im Training und den Wettkämpfen, einen aufgebauten Parcours so schnell wie möglich zu meistern. Am Ende entscheidet die Zeit über die Platzierung.
 Nico, der in die vierte Klasse der Grundschule Coppenbrügge geht, hat sich über mehrere Rennen hinweg für die am Sonntag stattfindende Deutsche Meisterschaft des ADAC im Saarland qualifiziert. Nico ist Mitglied im Motor-Sport-Club Bodenwerder (MSC) im ADAC. Trainiert wird jeden Samstag auf dem Lehrerparkplatz der KGS in Salzhemmendorf. Dafür hat der Verein eine Extra-Genehmigung und ein großer Container mit Pylonen und weiterem Equipment steht dort dauerhaft. Trainingszeiten sind samstags von 14 bis 17 Uhr. Auf- und Abbauen müssen Eltern und Kinder selbst. Die Eltern von Nico wechseln sich meist mit den Fahrten zum Trainingsplatz ab. „Wir werden auch zum Aufbau gebraucht. Einer von uns stellt die Pylonen auf und Nico überprüft sein Kart“, erzählt Nicos Mutter.
 Im Schnitt kommen acht Kinder zum Training nach Salzhemmendorf. Abhängig davon, wie viele Kinder tatsächlich erscheinen, kann jeder drei bis fünf Runden mit dem Kart drehen. „Bei jedem Training sind zwei Trainer dabei“ sagt Wilfried Warschkow, Jugendtrainer beim MSC Bodenwerder. Ein Trainer steht immer an der Strecke und nach jeder Runde gibt es eine Fahrtanalyse. Dabei geht es um strategische Überlegungen, wo schneller gefahren werden oder früher der Lenker eingeschlagen werden könnte, damit die sogenannte Ideallinie gefahren wird. „Das Training könnte auch ruhig mal länger sein“, findet Nico. Doch die Genehmigung für den Verein gilt nur für eine begrenzte Zeit. „Manchmal haben wir auch Pech. Da ist der Parkplatz während unserer Trainingszeiten mit Autos zugestellt, weil in der Schule eine Veranstaltung stattfindet oder im angrenzenden Hallenbad ein Schwimmturnier. Die meisten Leute wissen nicht, dass wir dort unseren Trainingsplatz haben. Dann müssen wir unverrichteter Dinge wieder nach Hause fahren“, meint Vater Ingo Asche.
 Aufgrund der zeitlichen Begrenzung ist auch kein Sondertraining für Nico möglich. „Vor Turnieren sind zwar drei bis vier Runden extra drin, aber wenn man sich die Kinder aus Baden-Württemberg oder Bayern ansieht, in deren Bundesländern der Kartsport einen viel größeren Stellenwert genießt, merkt man schon einen Unterschied. Dort haben die Kinder mehrmals in der Woche die Möglichkeit, zu trainieren. Das schlägt sich auch in den Platzierungen nieder“, so Nicos Vater.
 Übermäßig viel Zeit nimmt Nicos Hobby nicht ein. „Da fahren wir auch nicht mehr, als würde Nico einmal die Woche zum Fußballtraining gehen“, rechnet seine Mutter vor. Von Nicos Erfolgen ist, außer an den zahlreichen Pokalen in seinem Kinderzimmer, nichts zu merken. „Eigentlich ist bei uns alles ganz normal“, sagt Ulrike Asche über ihren Familienalltag. Nico selbst sieht den Rummel um ihn und seine bisherigen Erfolge eher locker, meint seine Mutter. „Neulich sagte eine seiner Lehrerinnen zu mir: Wenn die Mädchen am Wochenende im Reiten eine rosa Schleife gewinnen, dann ist das sofort Tagesgespräch. Von Nico hingegen habe ich noch kein Wort gehört.“ Tatsächlich bleibt Nico eher zurückhaltend: „Die meisten meiner Freunde spielen lieber Fussball. Die interessiert das mit dem Kartfahren nicht so.“
 „Es kommt auch ab und an mal einer seiner Freunde mit zum Training, aber bis jetzt ist noch keiner hängen geblieben,“ erzählt die Mama. Bis zum letzten Jahr hat Nico auch selbst noch Fußball gespielt, aber nun ist er beim Kartfahren geblieben. „Seitdem er sechs Jahre alt ist, fährt Nico schon Kart. Weil er schon damals relativ groß war, kam er schon früh an die Pedale“, erinnert sich seine Mutter. „Acht Jahre ist das jüngste Alter, um an Rennen teilzunehmen. Da Nico schon sehr früh angefangen hat, hat er eine gute Grundlage. Kinder, die später einsteigen, haben es ein wenig schwerer.“
 Zum Kartsport gekommen ist Nico durch einen Arbeitskollegen seiner Mutter. Dessen Sohn war bereits Mitglied im MSC Bodenwerder. Nico und seine Eltern folgten der Einladung zum Training – und sind dabeigeblieben. „Kartfahren hat mir von Anfang an gefallen“, schwärmt Nico. Diese Leidenschaft für Autos findet sich nicht nur in der Dekoration seines Zimmer wieder. „Nico liebt alles, was mit Autos zu tun hat“, sagt seine Mutter. „Da hinten ist eine ganze Schublade voll Autos“, erzählt Nico stolz. Seine Mutter meint, „mit einem ferngesteuerten Auto als Geschenk lagen wir bisher immer richtig.“ Auch am Computer sind Rennspiele wie „Alarm für Cobra 11“ angesagt.

Audi oder BMW? Das weiß Nico noch nicht so genau
 „Wenn ich irgendwann bei der Deutschen Tourenmeisterschaft mitfahren könnte“, meint Nico, „wäre das super. Die Geschwindigkeit ist für mich das Tolle.“ Auch an anderer Stelle: Wenn es nach Nico ginge, könnte sein Vater ihm gleich ein besseres Mountainbike für die Downhillstrecke am Ith kaufen. Allerdings ist Nico sich noch unsicher, ob er später die DTM lieber in einem Audi oder einem BMW bestreiten möchte. Ab zwölf Jahren darf auf die schnelleren Top-Karts umgestiegen werden, darauf freut sich Nico schon. Für später will er auf jeden Fall einen Autoführerschein machen und als Ingenieur Autos entwerfen und bauen.
 Die Kartsaison geht noch bis Ende Oktober, danach ist bis April Winterpause. „Wenn Trainingspause ist, dann fahren wir auch mal mit der Familie oder dem Verein zum Spaß zur nächstgelegenen Kartbahn“, sagt Mama Ulrike. Auch während der Sommerferien macht der Kart-Verein Pause. „Dann fahre ich mit meinen Freunden Fahrrad oder gehe ins Freibad“, sagt Nico. Als Ausgleich zum Kartfahren geht Nico einmal die Woche zum Schwimmen. In der Schule mag er Mathe lieber als den Sportunterricht, solange dort nichts mit Rädern gemacht wird oder es ins Hallenbad geht.
 Für die lange Autofahrt von Coppenbrügge bis ins Saarland hat Mutter Ulrike extra einen DVD-Spieler fürs Auto besorgt, damit die gut fünfstündige Fahrt für Nico nicht allzu langweilig wird. Aufgrund der Weite der Strecke geht es für die Familie, deren einziges Kind Nico ist, schon am Samstag los und am Montag gibt es ausnahmsweise schulfrei. „Die Siegerehrung ist erst am späten Nachmittag und die Strecke bis jetzt unsere weiteste“, sagt Ulrike Asche. „Davor ging unsere entfernteste Tour nach Oschersleben.“ Die Fahrten muss die Familie selbst finanzieren und organisieren. Zusätzlich wird bei jedem Rennen eine Startgebühr von zehn Euro fällig.
 Als Belohnung für seinen letzten Erfolg haben ihm seine Eltern versprochen, Nico dürfe sich etwas Schönes aussuchen. Nico weiß genau, was das sein sollte: „Ich will ein eigenes Kart haben!“ Aber das lohne sich nicht. Die Karts werden für Training und Rennen jedem Kind vom Verein gestellt. „Ein eigenes Kart wäre einfach zu teuer“, so Ingo Asche. Auf öffentlichen Straßen oder auf dem heimischen Grundstück könnte Nico ohnehin nicht fahren. Und „bei den Rennen bekommt er auch oft was geschenkt als Gewinn. Neben Pokalen, Urkunden und Medaillen gibt es mal eine Helmtasche als Gewinn und sogar den neuen Rennanzug gab es kostenlos. Ansonsten müssen wir nur noch die Mitgliedschaftsgebühr für den Verein bezahlen.“
 Am Sonntag darf ab acht Uhr in der Früh die Austragungsstrecke an der Völklinger Hütte begangen werden, um 8.30 Uhr wird es Ernst für Nico. Daumendrücken für eine gute Platzierung ist angesagt …

Kart ist cool

Als Karts werden einsitzige und offen gebaute, motorisierte Fahrzeuge bezeichnet. Ihr Aussehen erinnert an Tretautos. Im Kartsport werden Rennen auf Zeit oder gegeneinander ausgetragen. Die kleinen Gefährte können Geschwindigkeiten bis zu 75 Stundenkilometern erreichen. Das ist ungefähr so schnell, wie ein Leopard hinter einer Antilope her sprintet. In vielen Städten können auch ungeübte mit den kleinen Autos auf privaten Kartbahnen fahren. Kartrennen finden hingegen nur draußen auf richtigen Motorsport-Rennstrecken statt. Sogar die berühmten Formel-1-Rennfahrer Michael Schumacher und Sebastian Vettel haben ihre Karriere als Kinder in einem Kart begonnen.

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