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Auf den Catwalks dieser Welt

Thema des Tages Auf den Catwalks dieser Welt

Starker Ausdruck. Beine überkreuzen. In die Kamera lächeln. Modeln klingt einfach. Ist es aber nicht. Wie schwierig es ist, im hart umkämpften Business Fuß zu fassen, weiß Jada Joyce. Die Hamelnerin modelte schon auf den Laufstegen der Mode-Metropolen. Sie macht den Wahnsinn mit, vor dem sie selbst warnt.

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Das Hamelner Model Jada Joyce auf dem Laufsteg.

Quelle: pr.

New York, London, Mailand, Paris – das sind die Hotspots der Mode-Welt. Im September beginnt mit der Fashion Week unter der Freiheitsstatue die Saison für Designer, Modebegeisterte – und natürlich Models. Eine davon ist Jada Joyce (18) aus Hameln. Seit ihrer Jugendzeit modelt sie. Erst neben der Schulzeit – jetzt quasi hauptberuflich in Vollzeit. Nach dem Abitur im vergangenen Jahr am Hamelner Schiller-Gymnasium stieg sie über die Hamburger Agentur „Modelwerk“ ein – und reist jetzt um die ganze Welt.

 Um auf Shows zu laufen, Fotos zu schießen und lukrative Jobs zu ergattern. Aber wie finanziert sich so ein Aufenthalt eigentlich? „Die Agentur streckt das Geld vor, am Ende wird das mit meiner Gage verrechnet“, erklärt das Nachwuchsmodel. Während der Zeit im Ausland lebt sie in einem Modelappartement. Tür an Tür mit anderen Models, die international den großen Durchbruch schaffen wollen. Das will auch Jada Joyce. Für ihren Traum nimmt sie viel in Kauf, lebt quasi in den Mode-Metropolen auf der ganzen Welt.

 Um auf der Fashion Week in New York zu laufen, reiste sie schon eine Woche vor der Eröffnungsshow in die USA. „Es war echt frustrierend. Bei 15 Castings an einem Tag sprang manchmal nur eine Show raus, manchmal keine“, erzählt sie. Aber damit müsse man zurechtkommen, wieder neue Motivation finden. Das fällt ihr nicht schwer. Schließlich ist Modeln ihre Leidenschaft.

 Und der Aufwand lohnt sich. Letzte Saison lief sie noch auf 15 Shows, dieses Jahr waren es schon 22. In New York sicherte sich das Fotomodel ihre erste richtig große Show. Und das bei Modedesigner Marc Jacobs – ein echter Ritterschlag in der Modewelt. „Das war einfach cool, mein größtes Highlight“, freut sich die 18-Jährige immer noch. Etwas aufgeregt war sie schon, „aber eigentlich war das mehr Vorfreude.“ Doch damit nicht genug: Neben dem Top-Designer lief Jada Joyce auch schon für die Großunternehmen H&M und Armani. „Eine richtig tolle Erfahrung war auch die Haute-Couture-Show von Maison Martin Margiela“, sagt Joyce, die schon den britischen Modedesigner John Galliano kennengelernt hat. „Er war supernett, ich bewundere ihn und sein kreatives Schaffen.“

 Das Interesse an Mode entwickelte sich bereits in Jugendzeiten. Mit 15 Jahren bloggte das Nachwuchsmodel über die neuesten Trends in der Modewelt. Heute, glaubt sie, sei man als Modeinteressierte früher nah dran an den Topmodels. Über Instagram und Facebook verringere sich die Distanz. „Man ist etwas mehr auf Augenhöhe“, glaubt sie. Ihre Vorbilder sind Kate Moss und Naomi Campbell. Klar ist: Um den Einstieg in die Welt der Models und Designer zu schaffen, braucht es jede Menge Disziplin und Durchhaltevermögen. „Manchmal muss man 200 Prozent geben“, ist sie sich sicher.

 Dazu kommt die Fitness. Schließlich ist der Körper das Kapital jedes Models. Deswegen sei es umso wichtiger, sich fit zu halten. Dafür geht sie joggen, ernährt sich gesund und besucht öfters einen Yoga-Kurs in Hamburg. Zu ernst dürfe man den Körperkult aber auch nicht nehmen. „Ich kenne viele, die durch den Druck ein verkrampftes Verhalten zum Essen bekommen“, gibt sie zu bedenken.

 Der Konkurrenzkampf ist groß. Und der Modelmarkt sei quasi „überschwemmt“. Man müsse einfach lernen, mit dem Leistungsdruck und der Konkurrenz umzugehen. Denn der Weg nach oben ist steinig. „Viele denken, dass man nach zwei Jahren im Geschäft schon ein Topmodel sein kann. Aber so einfach ist es meistens nicht.“ Zu groß ist die Konkurrenz, zu klein manchmal die Chance, einen großen Job an Land zu ziehen. Aber dessen ist sie sich bewusst – und liebt ihren Job: „Man sieht viel von der Welt und lernt tolle Leute kennen.“

 Mit ihrem Freund Karsten (28) lebt sie in Hamburg. Während ihr Partner in der Hansestadt an seiner Karriere als plastischer Chirurg schraubt, hat das Model hier ihre Mutteragentur. Dabei sieht sie Hamburg gar nicht als Modestadt schlechthin – weltweit gesehen. „Hier oder in Berlin werden viele junge Models entdeckt“, erzählt sie. Das Nachwuchsmodel spricht aus Erfahrung. Auch sie wurde vor eineinhalb Jahren entdeckt. Konsequenz ist aber auch: Zu Hause in Hamburg oder gar in Hameln ist sie nur noch selten.

 Wo sie am liebsten ist? Das hänge immer von den Jobs ab, sagt Joyce. „Schön ist es sonst überall, aber am liebsten bin ich in New York.“ Beim Big Apple war sie zuletzt für zwei Monate. „On Stay“, wie man im Modelgeschäft sagt. Wenn keine Shows anstehen, präsentiert sie Outfits in sogenannten „Fittings“. Dabei stellen Models die Designer-Klamotten potenziellen Käufern vor. Am meisten Spaß machen ihr aber nach wie vor Shows und Shootings. „Natürlich habe ich von Shootings mehr, weil ich die Bilder dann für mich habe. An Shows gefallen mir vor allem die Momente, an die ich mich im Nachhinein erinnern kann.“

 Aber wo fühlt sich das Nachwuchsmodel eigentlich zu Hause? Schließlich jettet sie um die Welt, ist manchmal nur wenige Tage in Hamburg, bevor es in die nächste Stadt geht. „Meine Wahlheimat ist Hamburg. Zu Hause fühle ich mich aber auch da, wo meine Familie ist – in Hameln.“ Wo ihre berufliche Reise einmal hingeht, weiß sie selbst noch nicht so genau. Fest steht: „Modeln kann ich nicht mein Leben lang machen.“ Meistens ist mit 28 Jahren Schluss mit Catwalk, dann stehen nur noch kommerzielle Shootings an. „Zahnmedizin oder Raumgestaltung könnte ich mir vorstellen“, sagt sie. Die nächste Herausforderung wartet schon…

Von Moritz Muschik

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