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Bilder für die Ewigkeit

Thema des Tages Bilder für die Ewigkeit

Es ist ein Bild, dass er noch seinen Enkeln zeigen könnte. Und genau das wird er auch machen, sagt Timo Maas, denn das Bild zeigt ihn mit dem ehemaligen Beatles-Bassisten Paul McCartney. Der Schaumburger Musiker und Discjockey kann sich in diesen Tagen über einen Hit freuen: er hat eine neue Version von „Nineteen Hundred and Eighty Five“ aufgenommen.

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Romantiker

Bei einem Konzert in Düsseldorf trafen sich Timo Maas (rechts) und Paul McCartney persönlich. „Good job“, urteilte der Ex-Beatle über Maas’ Version des McCartney-Songs „Nineteen Hundred and Eighty Five“.

Quelle: pr

LANDKREIS (Von Frank Westermann). Ein Lied, das McCartney 1973 mit seiner damaligen Band Wings in Lagos, Nigeria, aufgenommen hat. Der Schaumburger Musiker und Discjockey Timo Maas hat vor sieben Jahren eher zufällig die Originalspuren des Liedes erhalten.

Sechs Jahre ruhten die ersten Bearbeitungsversuche in seinem Computer, ehe vor einem Jahr der kanadische DJ James Teej bei Maas im Zuge einer Tournee übernachtete. Als Maas das Lied vorspielte und fragte, ob Teej nicht eine Idee hätte, wie der brillante Song heute klingen könnte, nahmen sich beide ein paar Tage lang die Originalspur vor, und am Ende stand eine sehr überzeugende Elektro-Version.

Maas und Teej sandten ihre Version an Paul McCartney, und, Wunder über Wunder, der Ex-Beatle hob den Daumen: Gut gemacht, das Lied kann so erscheinen. Denn es handelte es sich um das allererste Mal, dass Paul McCartney die Original-Tonspur eines seiner Lieder für einen Elektro-Remix zur Verfügung gestellt hat. Und weil die Eingriffe so stark waren, wurde der Song von Maas und Teej nicht als Remix veröffentlicht, sondern als eigenständiger Song, ein nicht ganz unwesentlicher Unterschied.

"Meet and greet"

Und damit wäre die Geschichte schon auserzählt, wenn nicht der für seine Verdienste um die Musik geadelte Sir Paul McCartney für drei Konzerte nach Deutschland gekommen wäre. Maas wollte sich die Show in Berlin ansehen, über die entsprechenden Kontakte zum Management der Musiklegende sollte er Karten erhalten. Zuvor hatte Maas in Düsseldorf zu tun, und als er im Hotel nachfragte, warum denn die Zimmer so teuer wären, erhielt er die prompte Antwort: McCartney ist in der Stadt. Soll heißen: Der Ex-Beatle hat in Deutschland noch immer eine treue Anhängerschaft, da werden bei seinen seltenen Konzerten die Zimmer schon mal knapp.

Maas entschloss sich also, das Konzert in Düsseldorf zu besuchen, erhielt über das McCartney-Management eine Karte – und einen Anruf: „Meet and greet“ mit Sir Paul McCartney um 20 Uhr. Also ein arrangiertes Treffen mit einer berühmten Person, welche dabei Gelegenheit für ein kurzes persönliches Gespräch bietet.

Maas hatte damit keineswegs gerechnet. Zwar hatte der Schaumburger schon Superstars wie Madonna oder Moby remixt, aber das waren ausgehandelte Verträge des Managements. Madonna etwa hat Maas nie kennengelernt; so läuft das Musikgeschäft nicht.

Umso überraschter und erfreuter war er dann über die Chance, mit Sir Paul ein paar Minuten sprechen zu können. Denn es waren schon ein paar Minuten, erklärt Maas, es wurde nicht nur das obligatorische Foto gemacht, beide haben sich auch länger unterhalten. Über den Inhalt des Gespräches will Maas (wenig überraschend) nichts sagen, nur so viel: Paul McCartney habe sich sehr wohlwollend über die neue Version geäußert. „Good Job, very amazing.“ Und: McCartney sei „mit Sicherheit der welterfahrenste Mensch, den ich jemals gesprochen habe“, schätzt Maas. Beim anschließenden Konzert zeigte sich der 74-jährige McCartney in Bestform und präsentierte 38 Lieder.

In den Charts ganz oben

Und Maas? Darf sich über einen veritablen Hit freuen, denn sein „Herzblutdings“, wie er die Version mal genannt hat, läuft und läuft. In den nächsten Tagen werden gleich drei Remixe erscheinen; Deep-House-Legende Kerry Chandler legt vor, dann folgen der seine Songs stets nach vorne treibende Tim Green und Paul Woolford wird ebenfalls nachlegen.

Der Erfolg lässt sich auch messen: In den deutschen Clubcharts stand „Nineteen Hundred and Eighty Five“ zwei Wochen ganz oben, in dieser Woche hat sie den Platz an der Sonne an die Reminder-Remixe von „Moderat“ abtreten müssen und in den Indie-Charts tummelt sich der Mass-McCartney-Teej-Song auf Platz sechs. Die sprichwörtlich goldene Nase wird sich Maas mit den Tantiemen nicht verdienen, denn die Zeiten, in denen man in die lokalen Plattenläden ging und die neueste Single von XY kaufte und damit das Konto des Künstlers füllte, sind lange vorbei, aber die hohen Chartplatzierungen sind auch eine harte Währung: Sie sichern die Buchungen in den Clubs. „Das ist die Realität“, sagt Maas.

Die Türen stehen offen

Der gebürtige Bückeburger ist seit Jahrzehnten im Musikgeschäft, er kann lange und klug über das notwendige Momentum und das Quäntchen Glück sprechen, das man im schnelllebigen Musikgeschäft auch benötigt. In diesen Tagen sind beide auf seiner Seite. Nicht nur in den Clubs sorgt der Song für „allerlei Furore“, wie Maas sagt, dazu muss er viele Interviews geben („die Geschichte ist ja auch rund und schön wie ein Kiesel, der jahrzehntelang in der Brandung schlummerte“), und so wie es aussieht, stehen demnächst ein paar große Produktionen an. Die Türen stehen für ihn offen.

Übrigens: Das Momentum, das Glück, stand auch Pate beim Video. Weil 1973 ein Kamerateam McCartney und die Wings bei den Aufnahmen zur LP „Band on the Run“ dokumentierte, konnten Original-Szenen von der Aufnahme von „Nineteen Hundred and Eighty Five“ für das Video zum Maas-und-Teej-Song verarbeitet werden. Noch so eine Geschichte, die Maas später mal seinen Enkeln erzählen kann.

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Das Album, das die Karriere und den Ruf rettet

Wie geht es weiter? Es ist eine existenzielle Frage, die sich im Falle Paul McCartneys nach dem Ende der Beatles besonders schwierig gestaltet. Schließlich ist er es gewesen, der nach endlosen Querelen die Reißleine gezogen, und das Ende einer der berühmtesten Bands des Planeten verkündet hat.

In der Öffentlichkeit ist Yoko Ono die Böse, doch letztendlich ist er derjenige, der die Verantwortung übernommen hat. Das ist 1973 drei Jahre her, und McCartney steht schon vor den Trümmern seiner Solokarriere.

Vier Platten nach dem Beatles-Ende – „McCartney“, „Ram“, „Wildlife“ und „Red Rose Speedway“– haben weder Fans noch Kritiker sonderlich von den Socken gehauen. Zum ersten Mal in seiner Karriere muss sich McCartney mit Kritik auseinandersetzen – und weiß nicht, wie es weitergehen soll.

Raubüberfall überlebt

Weil er nicht schon wieder ein Album in den Abbey-Studios aufnehmen will, entscheidet er sich für Nigeria, für Lagos; für ein Land, dass er zuvor noch nicht besucht hat. Statt bei Sonne und gut gelaunten Menschen landet der Ex-Beatle in einer Diktatur mit ärmlicher Studioausstattung.

Er, der verwöhnte Prinz des Pop, muss jede Menge Abstriche machen. Zudem sind die Wings (die Gruppe gründete McCartney nach der Trennung der Beatles) seit dem Abflug nur noch zu dritt: Gitarrist Henry McCullough und Schlagzeuger Denny Seiwell sind kurz vor der Abreise ausgestiegen.

Vor Ort überleben Paul und Linda McCartney dann einen Raubüberfall mitsamt Messerattacke, allerdings werden dabei sämtliche Demobänder und Liedtexte geklaut, sodass die Titel aus dem Gedächtnis rekapituliert werden müssen. Auch der ursprüngliche Plan, das Album mit afrikanischen Musikern aufzunehmen, zerschlägt sich. McCartney entscheidet sich dagegen, als er von Musiker Fela Ransome-Kuti beschuldigt wird, afrikanisches Kulturgut zu „stehlen“ und afrikanische Musik ausbeuten zu wollen.

Doch trotz all dieser kleinen und großen Dramen erschafft McCartney ein Meisterwerk. Es ist ein einzigartiger Triumph über diverse Widrigkeiten; ein Album, das seinen Ruf wieder herstellt, die Kritiker versöhnt – und das meistverkaufte Album in Großbritannien 1974 wird. Heute ist es ein Klassiker und immer noch das beste Werk, das McCartney seit dem Ende der Beatles 1970 aufgenommen hat. Und, ganz nebenbei, erschafft McCartney sich selbst neu: Er wird zu dem Stadionrocker, der er heute mit 74 Jahren immer noch ist.

Perfektes Popalbum

„Band On The Run“ ist aus heutiger Sicht eine Blaupause für ein perfektes Popalbum. An den neun Songs des Originalalbums gibt es kaum etwas auszusetzen.

Kraftvoller Rock („Let Me Roll It“) wechselt sich mit Power-Pop („Jet“) ab, zu hören sind im Aufbau komplexe und doch leichtfüßig daherkommende Songs wie „Band On The Run“ oder „Picasso’s Last Words“ – besser geht’s wohl nicht. Und natürlich das Titelstück: Gleich drei Songs auf einmal – mit drei verschiedenen Intros, drei Tonarten, drei Strophentypen, drei Sounds, drei Tempi. Vielleicht ist es ein Spiegel der im Text geschilderten Auflösungserscheinungen dieser „Band auf der Flucht“. Die musikalischen Teile bleiben eher beziehungslos, und nur die Story des Textes sorgt dafür, dass dieses Lied nicht völlig auseinander bröselt. Aber auch Ratlosigkeit kann zuweilen recht interessant sein.

Und als Rausschmeißer gibt es zum Schluss von Seite zwei „Nineteen Hundred and Eighty Five“ – House Music, zehn Jahre bevor dieser Stil erfunden wurde, mit einem ohne Ende vorwärtstreibenden Klavier.

43 Jahre später kann der Schaumburger Musiker Timo Maas erzählen, wie er bei den Arbeiten mit James Teej an der Neu-Version jedes Mal an diesem dominanten Klavier hängen geblieben ist – bis beide beschlossen, „das nehmen wir jetzt mal raus“. rnk

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