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Blutmond in XXL

Mondfinsternis Blutmond in XXL

Den Sternenhimmel kennt Sebastian Wilk wie seine Westentasche. Schließlich beobachtet der Hobbyastronom aus Bad Nenndorf seit Jahren das Firmament mit seinem Teleskop. Umso größer ist seine Vorfreude auf das Ereignis, das sich in der Nacht zu Montag über Schaumburg abspielt:
eine totale Mondfinsternis. Die wichtigsten Fragen zum Spektakel am Nachthimmel.

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Zwei Spektakel in einem

„Das ist wirklich ein ganz besonderes Ereignis, dass es nicht alle Jahre gibt“, erklärt Sebastian Wilk begeistert. Am 28. September wird der Mond komplett vom Schatten der Erde verdunkelt und leuchtet rostrot: eine totale Mondfinsternis, die in voller Länge von Deutschland aus zu sehen ist. Mehr als sieben Jahre lang haben Astronomen und Hobby-Sternengucker auf das Spektakel gewartet, entsprechend aufgeregt ist der 37-jährige Bad Nenndorfer. Und er weist darauf hin, dass die aktuelle „Mofi“ ganz besonders fasziniert. Denn sie fällt mit einem „Super-Mond“ zusammen. Damit ist die Tatsache gemeint, dass der Mond auf seiner eliptischen Laufbahn der Erde ganz besonders nahe kommt und entsprechend groß erscheint. Das zeitliche Zusammentreffen der beiden Vollmond-Erscheinungen ist übrigens so selten, dass die US-Weltraumbehörde Nasa nachgerechnet hat: Den letzten XXL-Blutmond gab es 1982, der nächste wird erst wieder 2033 am Himmel stehen.

Frühaufsteher sind im Vorteil

Wecker stellen und los geht’s: Frühaufsteher sind am 28. September definitiv im Vorteil. Schon um kurz nach drei Uhr tritt der Mond in den Kernschatten der Erde, binnen einer Stunde schrumpft er zur dünnen Sichel und um kurz nach vier Uhr ist die Mondfinsternis total. Es dauert mehr als eine Stunde, bis der Mond den Erdschatten durchwandert hat. Bei Austritt aus dem Kernschatten um 6.27 Uhr beginnt es bereits zu dämmern. Der beste Zeitpunkt, um das Spektakel zu beobachten, ist gegen halb fünf Uhr, meint Wilk. Dann ist der „Blutmond“ in ganzer Pracht zu sehen. Wer das Ereignis am Montag verschläft, muss Geduld haben. Die nächste totale Mondfinsternis wird erst wieder in drei Jahren – am 27. Juli 2018 – in Deutschland zu beobachten sein.

Warum wird der Mond rot?

„Eine Mondfinsternis kann es nur bei Vollmond geben“, erklärt Wilk. Dass es nicht bei jedem Vollmond zu einer Finsternis kommt, liegt an der gekippten Umlaufbahn des Mondes. Im Verhältnis zur Bahn der Erde um die Sonne ist die Mondbahn leicht schief. Die Folge: Der Vollmond wandert ober- oder unterhalb am Erdschatten vorbei und wird von der Sonne direkt angestrahlt.
Bei einer Mondfinsternis jedoch steht der Erdtrabant von der Sonne aus gesehen genau hinter der Erde. Dadurch fällt der Erdschatten auf den Mond, er wird finster. „Er verschwindet aber nicht komplett“, betont der Bad Nenndorfer. Statt vollständig verdunkelt zu werden, leuchtet der Mond glutrot am Nachthimmel. Deshalb wird er im Volksmund auch „Blutmond“ genannt. Grund ist das Streulicht aus der Erdatmosphäre: Langwelliges Licht, das von der Erdatmosphäre gebrochen und in den Schattenbereich gelenkt wird, färbt den Mond ein.
Anders als bei einer Sonnenfinsternis, bei der die Sonne komplett vom Mond verdunkelt wird, bleibt der Erdtrabant bei einer kompletten Mondfinsternis also die ganze Zeit über gut sichtbar. „Weil der Mond zwar rot, aber nicht ganz so hell leuchtet, wie bei Vollmond, kann man aber auch die umgebenden Sterne gut beobachten“, beschreibt Wilk.

Die Phasen der Monfinsternis

•2.10 Uhr: Eintritt in den Halbschatten
•3.07 Uhr: Eintritt in den Kernschatten
•4.11 Uhr: Beginn der totalen Phase
•4.47 Uhr: Mitte der totalen Finsternis
•5.23 Uhr: Ende der totalen Phase
•6.27 Uhr: Austritt aus dem Kernschatten
•7.24 Uhr: Austritt aus dem Halbschatten

Die Ausrüstung für „Mofi“-Fans

„Das tolle an der Sonnenfinsternis ist, dass man sie auch mit bloßem Auge sehen kann“, freut sich Wilk. Viel Aufwand zum Beobachten braucht man also nicht, auch ein spezieller Sichtschutz wie für eine Sonnenfinsternis ist nicht notwendig. „Wer ein Fernglas zur Hand hat, kann den Mond noch besser sehen.“ Wichtig: Der Mond steht in südwestlicher Richtung am Himmel. Künstliches Licht sollte gemieden werden, am besten ist es, sich einen Ort zu suchen, der etwas entfernt von beleuchteten Straßen oder Häusern ist.
Hobbyfotograf Wilk wird seine Digitalkamera zücken, und das Spektakel mit Hilfe seines Teleskops fotografieren. „Da bin ich auf der Jagd nach einem guten Bild“.
Aber auch ohne Teleskop lässt sich der Mond gut fotografieren, wenn man Folgendes beachtet: Ein Stativ ist ratsam, damit die Bilder bei einer langen Belichtung nicht verwackeln. Der Blitz sollte ausgeschaltet werden. Mit einer möglichst offenen Blende fällt mehr Licht ins Objektiv, die Belichtungszeit sollte zwischen einer und zehn Sekunden liegen und die ISO-Werte bei 800. Bleibt nur noch zu hoffen, dass das Wetter mitspielt.

Wie oft verdunkelt sich der Mond?

Bei einer Mondfinsternis befinden sich Sonne, Erde und Mond in einer Linie. Diese Konstellation ergibt sich etwa zweimal im Jahr. Allerdings wird der Mond dabei nicht nicht immer total verdunkelt wie am Montag. Außerdem ereignen sich viele Mondfinsternisse zu Zeiten, in denen sie in Europa nicht zu sehen sind – nämlich dann, wenn noch heller Tag ist. Deshalb sind sie hierzulande Ereignisse mit Seltenheitswert.
Übrigens passieren Sonnenfinsternisse weitaus häufiger als Mondfinsternisse. Letztgenannte können aber häufiger beobachtet werden, weil sie von der gesamten, dem Mond zugewandten Erdhalbkugel zu sehen ist. Eine Sonnenfinsternis hingegen kann man nur sehen, wenn man sich innerhalb eines rund 300 Kilometer breiten Steifens befindet, über den der relativ kleine Schatten des Mondes zieht.

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