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Böse Zutaten

Thema des Tages Böse Zutaten

Sie werden immer wieder verteufelt: Zutaten wie Salz, Zucker stehen zwar täglich auf unserem Speiseplan, sollen aber alles andere als gesund sein. Das Gleiche gilt für Fett und Alkohol. Warum man Fettiges und Süßes lieber nur in Maßen essen sollte, erklärt der Bückeburger Ernährungsmediziner Burkhard Milde.

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Fette Speisen können in Maßen ohne schlechtes Gewissen genossen werden.

Quelle: dpa

Thema des Tages. Gesund will jeder leben. Aber muss man dafür auf alles verzichten, was schmeckt? Fett ist doch Geschmacksträger. Und ohne Salz ist jede Suppe fad. Vom Feierabend-Bier ganz zu schweigen, das trägt so schön zur Entspannung bei. Die gute Nachricht für alle, die gerne Fettiges, Alkoholisches, Salziges und Süßes zu sich nehmen: Sie dürfen auch in Zukunft weiter zu den so oft verteufelten Zutaten greifen. Wenn sie vernünftig sind und es in Maßen tun. Warum? Darum:
Die böse Nummer eins: Fett

„Die Dosis macht das Gift“, betont Burkhard Milde. Der Ernährungsmediziner aus Bückeburg kennt sich aus mit gesunden und weniger gesunden Lebensmitteln und erklärt in Bezug auf Fett: Weder zu viel noch zu wenig Fett tun dem Körper gut.

Fett ist besonders energiereich und kann die Entstehung von Übergewicht begünstigen – mit schwerwiegenden Folgen für die Gesundheit. So erhöhen zu viele gesättigte Fettsäuren in der Ernährung das Risiko für Fettstoffwechselstörungen.

„Ganz auf Fett verzichten darf man aber auch nicht“, sagt Milde. Fett liefert lebensnotwendige, sogenannte essenzielle, Fettsäuren, die der Körper nicht selbst herstellen kann. Außerdem spielt Fett eine Rolle bei der Versorgung mit Vitaminen. Viele Vitamine sind fettlöslich. Der Körper kann sie nur in Verbindung mit Fett aufnehmen und verwerten.

Milde empfiehlt, vor allem pflanzliche Fette und Fischöle zu bevorzugen und tierische Fette zu reduzieren. Dabei sollte man besonders auf verstecktes Fett achten, das vor allem in Wurst, Gebäck und Fertigprodukten enthalten ist. Den größten Fettanteil am Tag machen mit 31 Prozent Streich- und Kochfette aus, also Butter, Margarine, Schmand oder Öle. Darauf weist die Zeitschrift „Neue Apotheken Illustrierte“ hin.

Fleischwaren folgen mit 30 Prozent auf Platz zwei, Milchprodukte mit 14 Prozent auf Rang drei. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, täglich nicht mehr als 60 bis 80 Gramm Fett zu sich zu nehmen.
Die böse Nummer zwei: Zucker

Zucker und Stärke laufen unter dem Oberbegriff Kohlenhydrate. Der Körper benötigt sie als Energielieferant. Dabei ist Zucker nicht ausschließlich mit dem weißen Haushaltszucker gleichzusetzen, sagt Mediziner Milde. „Zucker ist in Milch, Obst und Gemüse enthalten, genauso wie in Vollkornbrot und Müsli.“ Auf Haushaltszucker oder alternative Süßungsmittel wie Honig, Sirup oder Fruchtdicksäfte lässt sich also gut verzichten.

Trotzdem: „Generell essen wir zu viel Zucker“, sagt Milde und sieht dabei vor allem gezuckerte Getränke kritisch. Nicht nur Softdrinks, sondern auch Obstsäfte und Bier sind wegen des sehr hohen Zuckergehalts echte Dickmacher. Sie fördern Übergewicht und erhöhen das Risiko für Diabetes Typ zwei.

Wer beim Einkaufen auf den Zuckergehalt achten will, guckt am besten auf die Nährwerttabelle: Alle im Lebensmittel enthaltenen Zuckerarten sind darin enthalten. Wer nur die Zutatenliste studiert, hat es hingegen häufig nicht so leicht: Denn neben „Zucker“ tragen auch Milch- und Fruchtzucker zum Gehalt bei, ebenso wie süßende Stoffe, die den Begriff Zucker nicht direkt im Namen enthalten. Dazu zählen zum Beispiel Dextrose, Fruktose, Glukose oder Saccharose. Und auch Zutaten wie getrocknete Früchte, Schokoladenstreusel oder Fruchtpüree erhöhen den Zuckergehalt.

Ein Zuviel an Zucker ist auch schlecht für die Zähne: Laut der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhalt (DGZ) belegen Studien, dass es einen Zusammenhang zwischen Menge und Häufigkeit der Zuckeraufnahme und der Entstehung von Karies gibt.

Die DGZ empfiehlt daher, den Verzehr von zuckerhaltigen Nahrungsmitteln und Getränken einzuschränken – und auch die Frequenz zuckerhaltiger Zwischenmahlzeiten und Getränke zu mindern. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt für Erwachsene nicht mehr als 50 bis maximal 60 Gramm Zucker pro Tag.
Die böse Nummer drei: Salz

Zu viel Salz lässt den Blutdruck steigen. Und Bluthochdruck ist ein Risikofaktor für Schlaganfälle. Gesund sind täglich drei bis sechs Gramm Salz – das entspricht etwa einem gestrichenen Teelöffel, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention. Tatsächlich kommen Menschen aus Deutschland pro Tag aber im Schnitt auf 9,5 Gramm – was schwerwiegende Folgen für die Gesundheit haben kann. So erhöht sich das Schlaganfallrisiko bei einem Verzehr von täglich zehn statt fünf Gramm Salz langfristig um fast ein Viertel, erklärt der Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN).

Auch Ernährungsmediziner Milde erklärt: „Unsere Gesellschaft isst zu salzreich.“ Salz ist fast in jedem Lebensmittel enthalten, selbst in Süßigkeiten und in Backwaren. Für den Arzt aus Bückeburg ist deshalb klar: Gerichte nachzusalzen, ist nicht notwendig. Um den Salzgehalt im Blick zu halten, sollten Verbraucher am besten auf Fertigprodukte verzichten. Wer selbst kocht, ist sich eher bewusst, wie viel Salz im Essen ist. Eine Alternative für mehr Geschmack können Kräuter und Gewürze wie Pfeffer oder in geringen Mengen auch Chili sein.

Ganz verzichten sollte man aber auf keinen Fall auf Salz, es ist überlebenswichtig für den Körper. Unter anderem schützt das enthaltene Natrium die Zellen vor dem Austrocknen, außerdem regelt es den Wasserhaushalt, den Stoffwechsel und die Blutzirkulation.
Die böse Nummer vier: Alkohol

Beim Thema Alkohol grüßt die Leber. Laut DGE beeinträchtigt regelmäßiger Alkoholkonsum die Muskelleistung, schädigt Nerven und Organe – neben der Leber etwa die Bauchspeicheldrüse  – und begünstigt die Entstehung von Übergewicht sowie psychische Störungen und Krebskrankheiten. Laut Referenzwerten für die Nährstoffzufuhr werden derzeit 20 Gramm Alkohol pro Tag für gesunde Männer und zehn Gramm pro Tag für gesunde Frauen als tolerierbare Mengen angesehen.

Allerdings ist das keine Empfehlung, jeden Tag tatsächlich so viel zu trinken. „Schon Alkohol in Minidosen, der täglich getrunken wird, kann auf lange Sicht zu Schäden der Nerven führen“, erklärt Milde.
In Maßen essen: Egal ob Salz, Zucker oder Fett: Burkhard Milde will kein Nahrungsmittel pauschal verurteilen. „Alle Lebensmittel, die wir haben, sind gute Lebensmittel, solange sie in Maßen gegessen werden. „Es kommt immer auf den Konsumenten an“, sagt der Arzt. Hat er Übergewicht oder Vorerkrankungen, bewegt er sich viel oder sitzt den ganzen Tag? Nahrungsmittel müssen immer individuell bewertet werden.

Von Lea Sibbel, Julia Kirchner und Katharina Grimpe

Gesund oder ungesund? Die häufigsten Ernährungsirrtümer

Margarine ist gesünder als Butter.

Die pflanzlichen Fette, aus denen Margarine besteht, enthalten weniger Cholesterin. So lautete jedenfalls früher so mancher Werbeslogan für das Streichfett. Allerdings entstehen bei der Härtung der Pflanzenöle für die Margarine-Herstellung sogenannte Transfette, die noch schädlicher sind als die gesättigten Fettsäuren in der Butter.

Diese Transfette sind mittlerweile nicht mehr in Margarinen enthalten. Heute gilt deshalb: Margarine ist kalorienärmer, Butter ein reines Naturprodukt. Welches Fett als Streichfett verwendet wird, bleibt letztendlich dem Verbraucher überlassen. Die Menge macht’s: Egal ob Margarine oder Butter – immer nur dünn aufs Brot streichen.
Spinat ist reich an Eisen.

Popeye lässt grüßen: Die Annahme, Spinat sei wegen seines hohen Eisenanteils so gesund, ist nicht mehr als ein Gerücht. Denn der Anteil an Eisen in den grünen Blättern ist gar nicht sonderlich hoch. 100 Gramm frischer Spinat enthalten in etwa 3,5 Milligramm Eisen.

Der Irrtum ist einem Rechenfehler Ende des 19. Jahrhunderts geschuldet, durch den man auf das Zehnfache des tatsächlichen Eisengehalts kam. Rote Bete, Erbsen oder Bohnen schlagen Spinat als Eisenlieferanten um ein Vielfaches.
Kaffee entzieht dem Körper Wasser.

Das stimmt so nicht. Kaffee hat zwar eine harntreibende Wirkung, diesen Flüssigkeitsverlust gleicht der Körper aber innerhalb eines Tages wieder aus. Außerdem enthalten Kaffeebohnen sogenannte sekundäre Pflanzenstoffe, die die Gefäße schützen und Tumorzellen bekämpfen können.

Als Durstlöscher eignet sich Kaffee wegen seiner anregenden Wirkung auf Herz und Kreislauf allerdings nicht. Gegen bis zu vier Tassen Kaffee pro Tag ist laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) nichts einzuwenden.
Ein Apfel am Tag reicht.

Das Sprichwort „an apple a day keeps the doctor away“ sollte nicht allzu wörtlich genommen werden. Denn wer meint, mit lediglich einem Apfel pro Tag seinen notwendigen Vitaminbedarf zu decken, irrt. Deshalb empfiehlt die DGE, täglich mindestens fünf Portionen Obst oder Gemüse zu essen.   kcg

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